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Freitag, 15. Dezember 2017

Arbeitszeitflexibilität durch Gleitzeit – Ein Geben und Nehmen




(Gleitzeitregelungen ermöglichen Flexibilität für Beschäftigte ©unsplash.com)


Wer wann wie viele Stunden pro Woche arbeiten soll bzw. darf, diskutieren aktuell sowohl Unternehmen, Verbände als auch die Politik. Viele Arbeitgeber haben bereits die klassische Kernarbeitszeit abgeschafft und bieten ihren Beschäftigten die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wann sie innerhalb eines bestimmten Zeitkorridors mit der Arbeit beginnen und wann sie Feierabend machen. Die Befürworter der Arbeitszeitflexibilisierung betonen unter anderem Chancen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Hingegen mahnen die Skeptiker, eine zunehmende Flexibilisierung erhöhe das Risiko einer Entgrenzung der Arbeit und steigere die Belastung der Mitarbeiter*innen.

Tatsächlich werden in keinem anderen europäischen Land so viele Überstunden geleistet wie in Deutschland (European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions, 2013). Der DGB-Index „Gute Arbeit“ (2016) sowie der Arbeitszeitmonitor 2017 belegen: Knapp 60 % aller Beschäftigten arbeiten länger, als es in ihren Arbeitsverträgen vereinbart ist. Durchschnittlich arbeiten Vollzeittätige fünf Stunden in der Woche mehr. Der Arbeitszeitmonitor zeigt: mit höherem Alter steigt die Zahl der Überstunden. Während unter 20-Jährige noch 1,96 Überstunden in der Woche leisten, gehen die 40 bis 59-Jährige rund 3,5 Stunden und die über 60-Jährigen sogar 3,6 Stunden später nach Hause.
Der Arbeitszeitreport der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beleuchtet die Auswirkungen von Überstunden auf die Gesundheit und Work-Life-Balance der Beschäftigten. Laut der Studie sinkt mit zunehmender Länge der Arbeitszeit der Anteil der Beschäftigten, die mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden sind. Wiederum steigt der Anteil derjenigen, die über gesundheitliche Beschwerden klagen.

Obwohl Mehrarbeit eine deutliche Belastung für die Beschäftigten darstellt, ist es nicht selbstverständlich, dass geleistete Mehrarbeit ausgeglichen werden kann. Während 47 % der männlichen Beschäftigten ein Überstundenabbau verwehrt wird, sind es 60 % der weiblichen Beschäftigten, die auf einen Ausgleich verzichten müssen.

 

Gleitzeitregelungen ermöglichen Flexibilität


Drei verschiedene Gleitzeitregelungen von drei Arbeitgebern, die nach dem audit berufundfamilie zertifiziert sind, ermöglichen Arbeitszeitflexibilität und Überstundenausgleich:

Die Landeshauptstadt Düsseldorf zählt über 10.000 Beschäftigte. Diejenigen Mitarbeiter*innen die an der Gleitzeitregelung teilnehmen, können geleistet Mehrarbeitszeit, die über der Kappungsgrenze liegt, in einem sogenannten Arbeitszeitsparbuch gutschreiben lassen. Dieses Guthaben können Beschäftigte mit Kindern unter 15 Jahren in den Schulferien abbauen. Auch diejenigen Beschäftigten die vorübergehend Angehörige pflegen, können bis zum 31. Januar des Folgejahres die Überstunden über das Arbeitszeitsparbuch in Freizeit umwandeln.

1.500 Beschäftigte sind für den Gemeinnütziger Spar- und Bauverein Friemersheim eG tätig. 2013 wagte das Unternehmen die Umstellung von der 5-Tage-Woche auf eine 4-Tage-Woche. Damit reduziert das Unternehmen die Präsenzpflicht der Beschäftigten auf vier Tage die Woche. Die Beschäftigten selbst entscheiden wie sie ihre Wochenarbeitszeit verteilen und wann sie angefallene Überstunden abbauen.

Im Ministerium für Finanzen Baden-Württemberg können die ca. 350 Beschäftigten Beginn und Ende ihrer Arbeitszeit innerhalb eine festgelegten Funktionszeit frei wählen. Bedingung ist der uneingeschränkte Ablauf des Dienstbetriebes. Um die Gleitzeitregelung möglichst effektiv nutzbar zu machen, wurde ein großes Arbeitszeitfenster von 6:00 Uhr bis 22:00 Uhr eingeräumt und ein Jahresarbeitszeitkonto eingeführt. Ein neues Zeitwirtschaftssystem ermöglicht es den Beschäftigten einen unmittelbaren Zugriff auf ihr Zeitkonto. So können sie Zeitausgleich, Urlaub und Zeitbuchungskorrekturen direkt im System online beantragen.

Dienstag, 26. Juli 2016

Vereinbarkeit in Zahlen: Von A wie Arbeitsbelastung bis Z wie Zuverdienst



Zahlen, Daten und Fakten rund um die vielfältige Arbeitswelt (©berufundfamilie gGmbH)


Arbeitsbelastung

80 % der Beschäftigten empfinden mindestens eine Arbeitsbedingung als belastend: Termindruck/ Multitasking (60 %), Informationsflut (30 %), körperliche Anstrengung oder unangenehme Umgebungsbedingungen (40 %) wie Hitze, Kälte oder Lärm.

Da Beschäftigte bei Angeboten zum Gesundheitsschutz, Qualifizierungsangeboten oder regelmäßigen Mitarbeitergesprächen zufriedener und engagierter sind sowie seltener über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken, bieten 80 % der Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen an.

Linked Personnel Panel (LPP) in Verbindung mit dem IAB-Betriebspanel, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2016
http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb1616.pdf



Überstunden

3,21 Überstunden leisten Beschäftigte durchschnittlich pro Woche in Deutschland.

Führungskräfte und hoch qualifizierte Fachkräfte mit einem Einkommen von mehr als 120.000 Euro pro Jahr legen drauf: Sie arbeiteten fast 10 Stunden pro Woche zusätzlich.

Arbeitszeitmonitor 2016, Compensation Partner, Mai 2016
https://www.compensation-partner.de/images/content/mitteilungen/arbeitszeitmonitor2016-mitteilung.pdf



Junge Frauen

Nur 10% der jungen Frauen sieht die Gleichstellung von Männern und Frauen voll und ganz realisiert.

Junge Frauen beklagen zudem eine mangelnde Familienbewusstsein: Hinsichtlich der Arbeitszeiten wünschen sie sich mehr Flexibilität: Die ideale Arbeitszeit der jungen Frauen ab 30 Jahren liegt zwischen 30 und 35 Wochenstunden.

„Was junge Frauen wollen“, Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2016
http://library.fes.de/pdf-files/dialog/12633.pdf



Vorstandsfrauen

Lediglich in 23 % der börsennotierten Unternehmen sitzt wenigstens eine Frau im Vorstand. 43 Frauen stehen in den 160 Dax-, MDax-, SDax- und TecDax-Vorständen 627 Männern gegenüber. Nur knapp 4 % bringen es auf zwei Frauen im Vorstand – das sind 6 DAX-Unternehmen.

Mixed Leadership Barometer 2016, Ernest & Young, Juli 2016
http://www.ey.com/Publication/vwLUAssets/EY-Mixed-Leadership-Barometer-Juli-2016/$FILE/EY-Mixed-Leadership-Barometer-Juli-2016.pdf

Kindertagesbetreuung

Die Zahl der Kinder unter drei Jahren in Kindertageseinrichtungen oder in der öffentlichen Kindertagespflege ist von 2015 auf 2016 um 3,7 % (auf 721.000) Kinder gestiegen.

85,1 % der Eltern nutzen derzeit die Tagesbetreuung in Einrichtungen.

„Kindertagesbetreuung“, Statistisches Bundesamt, Juli 2016
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2016/07/PD16_256_225.html


Zuverdienst

Der Anteil der erwerbstätigen Menschen zwischen 55 und 64 Jahren liegt in Deutschland aktuell bei 66 %. Bei den über 65-Jährigen sind 6 % noch erwerbstätig – mit steigender Tendenz. Für 61 % von ihnen ist das Einkommen ein Zuverdienst zur Rente oder dem Vermögen.

51% der ab 65-Jährigen investiert mindestens 3 Stunden pro Woche in ein gesellschaftliches Engagement – so viel Zeit wie keine andere Altersgruppe.

„Ältere Menschen in Deutschland und der EU“, Statistisches Bundesamt, Juli 2016
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktAeltereMenschen1021221119004.pdf?__blob=publicationFile
http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Aeltere-Menschen-Deutschland-EU,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf