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Freitag, 10. November 2017

Fachforum "Arbeit und Alter": Lösungen aus der Wissenschaft, Beratersicht und Arbeitgeberpraxis




(Altersgemischte Teams sind innovativ
©berufundfamilie Service GmbH)

Während viel darüber gesprochen wird, was Unternehmen bieten müssen, um die Generation Z von sich zu überzeugen, drängt eine weitere Herausforderung: Die Babyboomer-Generation, also diejenigen die zwischen 1955 und 1969 geboren sind, stellt einen großen Teil der Erwerbstätigen und geht auf das Rentenalter zu. Während die einen noch einige Jahre arbeiten müssen, planen die anderen schon die Zeit nach der Arbeit.

Zum Fachforum „Arbeit und Alter“ kamen am 08. November 2017 Arbeitgeber verschiedener Branchen, Größen und aus unterschiedlichen Regionen zusammen. Trotz ihrer Diversität bewegten sie ähnliche Fragen:

  • Welche Lösungen können der demografischen Entwicklung entgegen setzen?
  • Welche Potenziale haben erfahrene Beschäftigte und wie können diese genutzt werden?
  • Wie kann das Erfahrungswissen im Unternehmen erhalten bleiben?
  • Und wie können Arbeitgeber Übergänge bis zur Rente oder sogar darüber hinaus gestalten? 

 

Input aus Wissenschaft, Beratersicht und Arbeitgeberpraxis


Das Fachforum beleuchtete diese Fragen aus drei Perspektiven: 1. Wissenschaft, 2. Beratersicht und aus der 3. Arbeitgeberpraxis.

Herr Prof. Michael Dr. Falkenstein, Direktor des Instituts für Arbeiten, Leben, Altern (ALA) erläuterte aus der wissenschaftlichen Sicht, welche Maßnahmen Arbeitgeber ergreifen können, um erfahrene Beschäftigte mental leistungsfähig zu halten. Gute Führung, ein Betriebliches Gesundheitsmanagement und ein regelmäßiges Feedback sind laut Prof. Dr. Falkenstein wichtige Bausteine, die die Arbeitslust und damit die Arbeitsfähigkeit erfahrener Beschäftigter steigern. 

Martin Volz-Neidlinger ergänzt die wissenschaftliche Perspektive durch seine langjährige Erfahrungen als Berater. Im Hinblick auf den Umgang mit erfahrenen Beschäftigten benennt er drei zentrale Themenfelder:
  1. Es fehlt den Unternehmen das passende Wording, um ihre Zielgruppe zu erreichen. Soll von „Alten“, „Älteren“, „Erfahrenen“ oder von „Personen 50+“ gesprochen werden?
  2. Wenn es um die Kategorie „Alter“ geht, wird diese kalendarisch gedacht. Jedoch fühlen sich nicht alle zum Beispiel 50jährigen gleich alt. Damit Unternehmen ihre Zielgruppe erreichen, sollten sie das „gefühlte Alter“ der Mitarbeiter mitdenken.
  3. Geht es darum zu entscheiden, welche Angebote erfahrene Beschäftigte brauchen, ist es ratsam die Zielgruppe einzubinden und mitentscheiden zu lassen. Martin Volz-Neidlinger empfiehlt Arbeitgebern ein strategisches Generationenmanagement zu verfolgen, welches die einzelnen Lebensphasen der Beschäftigten im Blick hat. 
Aus der Praxis berichteten drei unterschiedliche Arbeitgeber von ihrer aktuellen Situation und den Lösungen die sie gefunden haben. Diese drei Arbeitgeber stellten unter anderem folgende Lösungen vor:  

Landesverwaltung HessenForst

Um für seine Beschäftigten den Übergang in die Rente gut zu gestalten und Wissen zu halten, setzt der Landesbetrieb HessenForst unter anderem auf ein Mentorenprogramm zwischen jungen und erfahrenen Kollegen. Das Besondere: Die Mentorenschaft erfolgt auf Augenhöhe. Während der erfahrene Beschäftigte sein Wissen an den jüngeren Kollegen weitergibt, profitiert der ältere Beschäftigte durch das Wissen seines jungen Mentees. 

Universitätsklinikum Münster

Mehr als 10.000 Ärzte, Pflegekräfte und Verwaltungsangestellte sind am Universitätsklinikum Münster beschäftigt. Um den unterschiedlichen Ansprüchen der vielen Beschäftigtengruppen hinsichtlich ihres Alter und ihrer Lebensphase gerecht zu werden, bietet das Universitätsklinikum Münster unter anderem 120 Dienstmodelle und einen einzigartigen Springerpool an. 

Thomas Magnete

Das Familienunternehmen ist in den letzten Jahrzehnten beeindruckend rasant gewachsen und hat dabei seine Mitarbeiter*innen fest im Blick. Obwohl die Belegschaft recht jung ist, hat das Unternehmen eine Betriebsvereinbarung über die Gestaltung alters- und alternsgerechter Arbeit geschlossen. Das Ziel der Betriebsvereinbarung ist unter anderem die Gestaltung alternsgerechter Arbeitsbedingungen und die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Um zu evaluieren, ob die umgesetzten Maßnahmen auch greifen, führt das Unternehmen alle zwei Jahre eine Demografie Analyse durch.  

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Referentinnen und Referenten, den konstruktiven Austausch über den Tellerrand hinaus und freuen uns auf die nächsten spannenden Fachforen.

Sie möchten in Ihrem Unternehmen alle Generationen mit einer lebensphasenbewussten Personalpolitik ansprechen. Wir unterstützen Sie mit Weiterbildungsangeboten oder eine Inhouse-Schulung.  Interessiert am Thema „Arbeit und Alter“. Inhouse Schulung oder Weiterbildungsangebote der berufundfamilie hier. Oder rufen Sie uns an: 069 7171333-170


Donnerstag, 11. Mai 2017

Alt sind immer nur die anderen – oder wie meine 88-jährige Großmutter sagt: „In den Seniorenklub gehe ich nicht – da sind ja nur alte Leute!“

Beitrag
Andrea Wagner, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH


Potenziale der erfahrenen Beschäftigten nutzen
(©berufundfamilie gGmbH)
Viele denken beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch immer an Frauen, die sich um kleine Kinder kümmern. Glücklicherweise sind in den letzten Jahren verstärkt Männer, welche nicht nur Familienernährer, sondern tatsächlich Väter sein wollen, in den Blickpunkt gerückt. Auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um ihre Angehörigen kümmern, Fürsorge tragen oder pflegen, stehen im Fokus familienbewusster Personalpolitik.

In meiner Zusammenarbeit mit den Unternehmen treffe ich aber auch zunehmend auf Personalverantwortliche, die vor anderen Herausforderungen stehen: Viele der Arbeitgeber, die wir im audit berufundfamilie betreuen, haben einen Altersdurchschnitt von 48 Jahren und höher. Die Verrentung der Baby-Boomer-Generation bringt in den nächsten Jahren einen enormen Verlust an Kompetenzen und Potenzialen mit sich, zudem führt der Mangel an jüngeren Arbeitnehmer/innen zu einem zunehmenden Wettbewerb um den Führungs- und Fachkräfte-Nachwuchs. Wir sprechen von „alternden Belegschaften“. Nun ist „Alter“ eine relative Größe – die Frage lautet: „Wer gilt in welchem Kontext (Familie, Arbeitswelt, Gesellschaft) als alt?“ Alter und Altern sind gesellschaftlich vermittelte Kategorien, deren Bedeutungen einem stetigen Wandel unterliegen. Fakt ist, dass Deutschland die älteste Bevölkerung Europas hat, das Medianalter (Eine Hälfte der Bevölkerung ist jünger, die andere Hälfte älter.) lag 2015 bei 46,5 Jahren. Der EU-Durchschnitt liegt bei 42,5, das Medianalter der Weltbevölkerung bei 29,9 (Quelle: CIA World Fact Book).

Wunsch und Wirklichkeit


Der demografische Wandel ist in aller Munde, seine Auswirkungen auf die Sozialversicherungssysteme und den Arbeitsmarkt ebenfalls. Was aber können Arbeitgeber konkret tun? Die berufundfamilie gGmbH hat in ihrer Studie „Arbeit und Alter“ bereits im November 2013 500 Arbeitgeber und 500 Arbeitnehmer/innen zwischen 45 und 60 Jahren zu ihren Vorstellungen bezüglich der Übergänge vom Erwerbsleben in den Ruhestand befragt. Die 2014 veröffentlichten Ergebnisse zeigen große Diskrepanzen zwischen den Wünschen der Beschäftigten und den Vorstellungen und Angeboten der Arbeitgeber.

Die Arbeitgeber gehen davon aus, dass zwei Drittel ihrer Beschäftigten auch weiterhin voll erwerbstätig bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter arbeiten werden. Anderen Formen des Übergangs wie z. B. „reduziert erwerbstätig“ oder „erwerbstätig bis zu einem vorgezogenen Renteneintrittsalter“ spielen aus Sicht der Arbeitgeber auch in Zukunft eine eher untergeordnete Rolle.

Allerdings wünschen sich lediglich 28 % der 45- bis 60-jährigen Erwerbstätigen, bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter voll erwerbstätig zu bleiben. Relativ stark ausgeprägt ist dagegen ihr Wunsch, bis dahin reduziert (26 %) bzw. nur bis zu einem vorgezogenen Renteneintrittsalter erwerbstätig zu sein (34 %).

Alternde Belegschaften und das audit berufundfamilie


Mit dem audit berufundfamilie bieten wir Arbeitgebern ein Instrument an, welches für diese lebensphasenbezogenen Herausforderungen Lösungen anbietet. Nicht nur im Rahmen des Auditierungsprozesses, sondern auch darüber hinaus: Für Arbeitgeber, die sich intensiv mit der Gestaltung von Übergängen in den Ruhestand befassen möchten bzw. müssen, habe ich gemeinsam mit der berufundfamilie Service GmbH einen Quick-Check „Arbeit und Alter – Potenziale der Erfahrung nutzen“ entwickelt. Dieser ermöglicht nicht nur eine Altersstruktur-Analyse, sondern bietet Tools für die Untersuchung der Ausgangslage im Unternehmen und hilft dabei, auf den Ergebnissen aufbauend personalpolitische Maßnahmen abzuleiten. Der Quick-Check wurde gemeinsam mit Personalverantwortlichen im Rahmen von Netzwerktreffen getestet und für gut befunden. Die berufundfamilie Service GmbH stellt dieses Instrument jetzt auch nicht-auditierten Arbeitgebern zur Verfügung.

Im Netzwerk der berufundfamilie betreuen wir inzwischen viele Unternehmen und Institutionen, die sich erfolgreich mit dem demografischen Wandel in ihrer Organisation befassen. Wir kennen gute Beispiele und stellen diese gern auch anderen zur Verfügung. Nur, ob die Arbeitnehmerin im Ruhestand dann in den Seniorenklub geht oder nicht, das wissen wir nicht …



Arbeitgeber können den Quick-Check und die dazugehörige Alterstrukturanalyse auf der berufundfamilie Website abrufen. Zum Download geht es hier.



Auditorin Andrea Wagner
(©berufundfamilie Service GmbH)

Andrea Wagner ist seit 2006 Auditorin für das audit berufundfamilie und das audit familiengerechte hochschule. Darüber hinaus ist sie auch in anderen Kontexten für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben tätig, u. a. als Gutachterin für den Bundeswettbewerb „Erfolgsfaktor Familie“ in den Jahren 2012 und 2016. Andrea Wagner kommt aus Thüringen, hat zwei Kinder, eine 88-jährige Großmutter und eine vielfältige Familie.

Freitag, 30. September 2016

Tag der älteren Menschen: Alter schützt vor Arbeit nicht


1990 rief die UN Generalversammlung den 1. Oktober zum „Internationalen Tag der älteren Menschen“ aus. Ein Welttag, der nicht nur auf die Konsequenzen des demografischen Wandels aufmerksam machen möchte – nämlich die stete Alterung der Weltbevölkerung –, sondern für den verbesserten Umgang mit Älteren und ihrer Mitwirkung in der Gesellschaft sensibilisieren will.

Zu den Fakten: Die Gesellschaft altert. Menschen werden älter als noch vor 100 Jahren. Um 5,4 Jahre ist die Lebenserwartung der Deutschen allein seit 1990 gestiegen: Sie beträgt für Frauen aktuell 83,1 Jahre und für Männer 87,2 Jahre.[1]

Doch was ist eigentlich das Alter und bedeutet „alt“ gleich „inaktiv“? Mit 60 oder 70 Jahren gehören Menschen heute nicht automatisch zum alten Eisen; sie sind geistig leistungsfähig und in der Regel auch körperlich fitter als vorausgegangene Generationen im gleichen Alter. Das bedeutet: Sie tragen Potenziale, die sie für sich, aber auch in der Erwerbsarbeit und in der Gesellschaft sinnvoll einbringen können.

Arbeit im Ruhestand ist Trend

Potenziale Älterer für Erwerbsarbeit, Ehrenamt oder Familienarbeit
nutzen (©berufundfamilie gGmbH)
In der Arbeitswelt wird bereits reagiert – weil es ohne Ältere nicht geht: Bis ins Jahr 2029 wird das Rentenalter stufenweise von 65 Jahren auf 67 Jahre angepasst. Laut Statistischen Bundesamt wurden im Jahr 2014 in Deutschland 25 Mio. Renten ausgezahlt. Allerdings liegt die Zahl derer, die mindestens 65 Jahre alt war – und damit das offizielle Rentenalter erreicht hatte – bei 17,3 Mio.[2] Viele Deutsche gehen also früher in den Ruhestand.


Gleichzeitig weist das Deutsche Alterssurvey[3] darauf hin, dass der Anteil der Erwerbstätigen im Alter von 54 bis 65 Jahren seit 1996 deutlich zugenommen hat. Laut der jüngsten Auswertung des Statistischen Bundesamts (im Auftrag des BMFSFJ), beträgt der Anteil der erwerbstätigen 55- bis 64-Jährigen aktuell 66 %. Nur in Schweden ist er mit 74 % noch höher.[4]

„Mit 66 Jahren ist noch lang noch nicht Schluss“: Vielfältige Tätigkeiten Älterer

Und auch im Ruhestand gehen immer mehr Menschen einer Erwerbstätigkeit nach. Die meisten scheinen damit zufrieden zu sein, denn über 80 % der älteren Erwerbstätigen fühlen sich weder über- noch unterfordert.[5] Für 61 % der erwerbstätigen Ruheständler ist das Einkommen ein Zuverdienst. Ihren Hauptlebensunterhalt beziehen sie aus der Rente beziehungsweise ihrem Vermögen.[6] Gleichzeitig betreuen die erwerbstätigen Senioren zu großen Teilen ihre Enkelkinder. Mit drei oder mehr Stunden verwendet keine andere Altersgruppe in Deutschland außerdem so viel Zeit auf freiwilliges Engagement.[7]

Potenziale nutzbar machen: Flexibilisierung des Übergangs zur Rente

Erwerbstätigkeit, freiwilliges Engagement, Unterstützung der Familie – all diese Dinge gehören in einer modernen Tätigkeitsgesellschaft zur Arbeit. Sinnstiftende Arbeit für Ältere, das umfasst also:

  • Erwerbsarbeit als Rentner oder
  • bereits vor dem Renteneintritt informelle Tätigkeiten neben der Erwerbsarbeit – wie Familienarbeit, ehrenamtliche Arbeit oder Nachbarschaftshilfe
  • informelle Tätigkeiten (s. o.) als Rentner

Genau hier liegt großes Potenzial für die Arbeitswelt und die Gesellschaft. Aber wie kann dieses Potenzial erschlossen und genutzt werden? Flexibilisierung ist das Zauberwort. Ältere müssen Wahlfreiheiten erhalten, die sie den Übergang von der Erwerbsarbeit in den Ruhestand fließend gestalten lassen. Warum also nicht ab 60 anfangen, mit geringeren Wochenstunden, dafür dann aber länger – also auch über das Renteneintrittsalter – erwerbstätig zu sein? Vielleicht parallel ein Ehrenamt in einem Verein übernehmen und dann auch die Ferienbetreuung für die Enkel gestalten helfen?

Informationen zum Thema auch unter: http://www.berufundfamilie.de/arbeitgeberattraktivitaet/alternde-belegschaft-generationenmanagement



1 Naghavi, Mohsen et al., Global, regional, and national age-sex specific all-cause and cause-specific mortality for 240 causes of death, 1990–2013: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2013, The Lancet. 2014 Dec 17, Vgl. https://www.healthdata.org/research-article/global-regional-and-national-age-sex-specific-all-cause-and-cause-specific
2 http://de.statista.com/themen/172/senioren/
3,5 Deutsches Alterssurvey 2014, BMFSFJ und Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), Mai 2016, https://www.dza.de/forschung/deas.html, https://www.dza.de/fileadmin/dza/pdf/DEAS2014_Kurzfassung.pdf
4,6,7 https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Bevoelkerung/Bevoelkerungsstand/BlickpunktAeltereMenschen1021221119004.pdf?__blob=publicationFile;
vgl. http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Aeltere-Menschen-Deutschland-EU,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf