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Mittwoch, 1. November 2017

Vereinbarkeit in Zahlen – Neue Daten und Fakten aus der Arbeitswelt




Vereinbarkeit und Arbeitswelt: Aktuelle Zahlen und Stichwörter (©berufundfamilie Service GmbH)


Lebensentwürfe von Frauen und Männer immer ähnlicher


48 % der Frauen ist die Karriere für ihre Lebenszufriedenheit (sehr) wichtig. Bei den Männern sind es 53 %.

Nur 68 % der Befragten äußerten, es sei für sie ein Bedürfnis Kinder zu haben oder zu bekommen.

Nur 37 % der Mütter sagen: Beruf, Familienleben und persönliche Interessen lassen sich heute generell besser vereinbaren als vor zehn Jahren.

85 % der Frauen und 72 % der Männer sagen: „Frauen stehen heute unter einem stärkeren Druck als früher, alle Ansprüche unter einen Hut zu bekommen.“

Brigitte/ Gruner + Jahr, BRIGITTE-Studie „Mein Leben, mein Job und ich“, September 2017            
http://www.brigitte.de/aktuell/gesellschaft/neue-brigitte-studie-zeigt--gleichberechtigung-ist-gewollt-wie-nie---10964204.html



Wunsch nach mehr Familienzeit durch politische Maßnahmen


46 % der Mütter und Väter wünschen sich politische Maßnahmen, die berufstäti­gen Eltern einen Zugewinn an Familienzeit bringen.

BMFSFJ, Monitor Familienforschung „Familien erreichen“, September 2017



Wiedereinstieg von Müttern mit Migrationshintergrund


73 % der Mütter ohne Migrationshintergrund sind erwerbstätig.

Obwohl viele Mütter mit Migrationshintergrund sehr motiviert sind und über eine hohe Qualifikation verfügen, sind nur 52 % von ihnen erwerbstätig.

BMFSFJ, Monitor Familienforschung „Perspektiven für Familien mit Migrationshintergrund in der Arbeitswelt“, September 2017  



Kinderbetreuung und Arbeitszeitumfang


Rund sieben Stunden würden Mütter und Väter mehr arbeiten, wenn z. B zum Beispiel die Betreuungszeiten ihrer Kinder statt bis mittags bis abends gesichert wären.

BMFSFJ/ IW Köln/ FiFo Köln, Kosten und Nutzen lokaler Familienzeitpolitik , September 2017        



Sabbatical

 

Nahezu jeder zweite Deutsche würde gerne eine längere Auszeit vom Beruf nehmen.
Doch nur 10 % der Betriebe bietet die Möglichkeit an, ein Sabbatical zu nehmen.

WZB, Gesetzlich garantierte „Sabbaticals“ – ein Modell für Deutschland?, Juni 2017          





Mittwoch, 9. November 2016

„Familienbewusste Arbeitswelt in der Region Hannover“ – Wie können Organisationen auf Beschäftigtenwünsche reagieren?



Rund 100 Gäste kamen zur Veranstaltung ins DORMERO Hotel
Hannover (© Christian Stahl, Region Hannover)
Warum wird individuelles Personalmanagement immer wichtiger? Was wünschen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern? Wie können Organisationen darauf reagieren, was ist notwendig und wo sind Grenzen? Darüber diskutierten rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Verwaltung und Verbänden auf der Fachtagung am 18. Oktober 2016 unter der Überschrift „Standortfaktor Vereinbarkeit – familienbewusste Arbeitswelt in der Region Hannover“.

Hauke Jagau, Regionspräsident der Region Hannover, und Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, begrüßten zu der Veranstaltung. Das Programm startete mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen IBE. Sie stellte die Ergebnisse der Studie „Vereinbarkeit 2020“ vor und wagte mit den Anwesenden einen Blick in die Zukunft der individualisierten Personalpolitik.

Lebensentwürfe mitdenken

Prof. Dr. Jutta Rump zur Studie „Vereinbarkeit 2020“
(© Christian Stahl, Region Hannover)

Ein Kernergebnis der Studie „Vereinbarkeit 2020“: Beschäftigte treffen ihre beruflichen Entscheidungen aufgrund ihrer individuellen Lebensentwürfe. Dabei spielen äußere Umstände eine wichtige – keinesfalls aber die entscheidende Rolle. Den Ausschlag geben ganz persönliche Werte, Einstellungen und Wahrnehmungen des beruflichen Umfelds.

So kommt es, dass aus Sicht der Arbeitgeber eine ähnliche Gruppe an Menschen in ähnlichen Situationen äußerst unterschiedliche Entscheidungen trifft. Tauchen etwa bei Kindern schulische Probleme auf, werden die einen Eltern die Arbeitszeit reduzieren – und die anderen eine Nachhilfe organisieren. Ähnliches begegnet uns auch bei der Pflege von Angehörigen: Einige Beschäftigte suchen sich dafür so viel professionelle Unterstützung wie möglich. Andere pflegen selbst und steigen dafür zumindest teilweise aus dem Berufsleben aus.

Warum die einen so, die anderen aber anders entscheiden, wurde vor der Studie „Vereinbarkeit 2020“ noch nicht systematisch berücksichtigt. Auf eine zuverlässige und langfristige Personalplanung haben solche Entscheidungsmuster jedoch einen enormen Einfluss. Welche Cluster von Lebensentwürfen ermittelt werden konnten und welche Bedürfnisse sich dahinter verbergen, ist nachzulesen unter: http://vereinbarkeit2020.berufundfamilie.de/#studie

Gelingende Vereinbarkeit baut Brücken 

 

Gelingende und lohnende Vereinbarkeit setzt auf
Individualisierung  (© Christian Stahl, Region Hannover)
Deutlich wurde: Eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik wird als Mittel für die Fachkräftestrategie der Arbeitgeber in Zukunft noch wichtiger. Dafür muss sie aber Brücken bauen zwischen ihren Instrumenten, den Lebensentwürfen der Beschäftigten sowie den Werten, Prozessen und Strukturen innerhalb der Organisation. Eine individualisierte Personalpolitik kann das leisten. Sie stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt und klärt die Fragen: Was wollen die Menschen hinter den Arbeitsverträgen? Wie passen diese Ziele zum langfristigen Fachkräftebedarf meiner Organisation? Und wie lässt sich die Mitte finden, in der die Interessen beider Seiten optimal berücksichtigt sind?

Erste Schritte zu einer individualisierten Personalpolitik sind:
  • Den Beschäftigten den Raum zu geben, individuelle Lebensentwürfe wertneutral sichtbar zu machen
  • Den Dialog und gelebte Praxis fördern. Die Kommunikation zwischen Beschäftigten und ihren direkten Vorgesetzten/ Führungskräften ist der wichtigste Ort, an denen diese Vorstellungen ausgehandelt werden
  • Prüfen, inwieweit sich Arbeitsmodelle flexibilisieren lassen
  • Nicht-lineare Karrieremodelle ermöglichen
  • Arbeit plan- und beherrschbar machen Beratungskompetenzen der betrieblichen Akteure erweitern

Rege Diskussion über die Zukunft der Vereinbarkeit
(© Christian Stahl, Region Hannover)
Vereinbarkeit braucht also Veränderung. Unter diesem Titel stand auch die anschließende Podiumsdiskussion, in der neben Hauke Jagau und Oliver Schmitz auch Petra Adolph, Vorstandsbereich 2 der IG BCE, Uwe Binias, Präsident des Landespolizeipräsidiums, und Wolfgang Isermann, Director People Development & Change Management, Sennheiser electronic, in den regen Austausch gingen.



Blick in einen der drei Workshops
(© Christian Stahl, Region Hannover)

In drei parallel laufenden Workshops konnten die Gäste folgenden Aspekten nachgehen: Es führt kein Weg vorbei: Die NEUE Vereinbarkeit erfordert Individualität in der Personalarbeit, Es lohnt sich: Neue Studien belegen den Nutzen der Vereinbarkeit und Es geht: Die Chancen der Digitalisierung auch für Vereinbarkeit nutzen.




Mit gutem Beispiel voran: Die
Postersession familienbewusster
Arbeitgeber (© Christian Stahl,
Region Hannover)

Und ebenfalls sehr informativ: In der abschließenden Postersession stellten sich familienbewusste Unternehmen aus der Region Hannover mit ihren Beispielen guter Praxis vor und gaben Anregungen, wie eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann. Die Veranstaltung endete mit der Möglichkeit sich auszutauschen und zu Netzwerken.