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Mittwoch, 19. April 2017

Kleine Maßnahmen mit großer Wirkung – Drei familienbewusste Arbeitgeber zeigen, wie es geht!




Kostenbewusste Lösungen familienbewusster Arbeitgeber (©deathtothestockphoto.com)




Was können Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bieten, damit sie Beruf, Familie und Privatleben besser vereinbaren können? Muss es der Betriebskindergarten oder die neue Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeitregelung sein? Geht es auch kostenbewusst und weniger aufwendig? Unsere Antwort lautet: Ja, und ob! Drei Beispiele unterschiedlicher Unternehmen zeigen: Auch kleine Maßnahmen haben eine große Wirkung. 


1.  Info-Box für Schwangere und Rentner



Auch wenn der neue Lebensabschnitt keineswegs plötzlich kommt: Für werdende Eltern oder Rentner bedeutet die zeitweise Unterbrechung bzw. das Ende des Berufslebens meist einen Einschnitt. Ohne den täglichen Gang zur Arbeit ändert sich der Tagesablauf von einem Tag auf den anderen und andere Herausforderungen müssen bewältigt werden.

Eine Infobox für Schwangere und Rentner erleichtert den Mitarbeitern den Übergang in ihren neuen Lebensabschnitt. Das kleine Geschenk enthält für Schwangere z.B. Informationen zum Mutterschutz und Elternzeit, Empfehlungen zum Thema Kinderbetreuung sowie eine Einladung zum unternehmenseigenen Elterntreff. Rentner dürfen sich z.B. über Anregungen zur Freizeitgestaltung, Informationen zur weiteren Erwerbstätigkeit oder die Einladung im Unternehmen aktiv zu bleiben, freuen. Mit der Infobox bringt das Unternehmen Wertschätzung zum Ausdruck und überreicht zugleich eine Einladung weiterhin mit den Eltern und ehemaligen Arbeitnehmern in Kontakt zu bleiben.

 

2. Meeting-freier Freitag



Interne Meetings finden von Montag bis Donnerstag statt. Und freitags? Wird einfach darauf verzichtet!

Ein Meeting-freier Tag hat mehrere Vorteile: Zum einen profitieren alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter davon, an einem Tag in der Woche ungestört arbeiten zu können. Zum anderen ermöglicht ein terminfreier Kalender denjenigen, die eine weite Strecke zwischen Arbeit und Zuhause zurücklegen müssen, rechtzeitig ins Wochenende starten zu können. Und darüber hinaus können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die im Homeoffice arbeiten, unkompliziert ihrer Arbeit von Zuhause aus nachgehen.

Kurzum: Ein Meeting-freier Freitag schafft auf zuverlässige Weise Arbeitszeitflexibilität.

 

3. Windelgutscheine



Beschäftigte mit Kindern bis zu drei Jahren erhalten ab Geburt drei Mal einen Gutschein im Wert von 30,- Euro. Der Windelgutschein wird per Hauspost überreicht und das Schreiben durch aktuelle Informationen zu weiteren familienbewussten Angeboten des Unternehmens ergänzt. Die Eltern freuen sich über die Aufmerksamkeit ihres Arbeitgebers und erhalten zugleich aus erster Hand passende Neuigkeiten.




Weitere kostenbewusste Lösungen gesucht: Welche familienbewussten Angebote bietet Ihr Unternehmen an?

Freitag, 17. Februar 2017

Welttag der sozialen Gerechtigkeit am 20.02.2017 – Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben im Blick




Mit familien- und lebensphasenbewusster Personalpolitik berufliche Chancengerechtigkeit erhöhen (©Death to Stock)

Der kommende Montag, der 20. Februar 2017, ist der Welttag der sozialen Gerechtigkeit. 2009 von den Vereinten Nationen (UNO) ins Leben gerufen, soll dieser Aktionstag an das Leitbild der sozialen Gerechtigkeit in Gemeinschaften erinnern. Im Umkehrschluss wird der Tag dazu genutzt, auf Ungerechtigkeiten innerhalb der eigenen Gesellschaft aufmerksam zu machen. Ziel des Tages ist es nämlich nicht nur, auf globaler Ebene zu mehr sozialer Gerechtigkeit beizutragen, sondern auch Aufmerksamkeit für nationale Belange zu schaffen.

Soziale Gerechtigkeit stützt sich in Deutschland – als ideelles Ziel – auf den Artikel 20, Absatz 1 des Grundgesetzes: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Die Ausgestaltung des Sozialstaatsprinzips ist allerdings abhängig von der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sowie dem gesellschaftlichen Bewusstsein.


Gerechtigkeit durch Chancengleichheit

Was verstehen wir nun eigentlich unter sozialer Gerechtigkeit? Aktuelle Angaben dazu liegen z. B. mit der Allensbach-Studie „Generation Mitte“ (2016) vor. Für die „Generation Mitte“, also die 30- bis 59-Jährigen besteht soziale Gerechtigkeit vor allem in der Möglichkeit, von der Arbeit leben zu können (86 %). Chancen- und Leistungsgerechtigkeit ist 83 % wichtig. Für 81 % zählt der gleiche Zugang zum Gesundheitssystem. 76 % wünschen „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“.[1]

 

Chancen mit familien- und lebensphasenbewusster Personalpolitik

Als Unterpunkt einiger dieser Aspekte positioniert sich immer mehr die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Flexiblere Arbeitsmodelle können insbesondere für Frauen die Chancen verbessern, einer eigenen Erwerbstätigkeit nachzugehen. Eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik eröffnet Beschäftigten die Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Karriere ist mit gelingender Vereinbarkeit für Mütter wie für Väter, die Kinder betreuen, und auch für Beschäftigte, die Pflegeaufgaben wahrnehmen, realistischer.


[1] Siehe http://www.gdv.de/2016/09/generation-mitte-2016-die-studienergebnisse-im-ueberblick/
 

Mittwoch, 9. November 2016

„Familienbewusste Arbeitswelt in der Region Hannover“ – Wie können Organisationen auf Beschäftigtenwünsche reagieren?



Rund 100 Gäste kamen zur Veranstaltung ins DORMERO Hotel
Hannover (© Christian Stahl, Region Hannover)
Warum wird individuelles Personalmanagement immer wichtiger? Was wünschen sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern? Wie können Organisationen darauf reagieren, was ist notwendig und wo sind Grenzen? Darüber diskutierten rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Unternehmen, Verwaltung und Verbänden auf der Fachtagung am 18. Oktober 2016 unter der Überschrift „Standortfaktor Vereinbarkeit – familienbewusste Arbeitswelt in der Region Hannover“.

Hauke Jagau, Regionspräsident der Region Hannover, und Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, begrüßten zu der Veranstaltung. Das Programm startete mit einem Impulsreferat von Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin an der Hochschule Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen IBE. Sie stellte die Ergebnisse der Studie „Vereinbarkeit 2020“ vor und wagte mit den Anwesenden einen Blick in die Zukunft der individualisierten Personalpolitik.

Lebensentwürfe mitdenken

Prof. Dr. Jutta Rump zur Studie „Vereinbarkeit 2020“
(© Christian Stahl, Region Hannover)

Ein Kernergebnis der Studie „Vereinbarkeit 2020“: Beschäftigte treffen ihre beruflichen Entscheidungen aufgrund ihrer individuellen Lebensentwürfe. Dabei spielen äußere Umstände eine wichtige – keinesfalls aber die entscheidende Rolle. Den Ausschlag geben ganz persönliche Werte, Einstellungen und Wahrnehmungen des beruflichen Umfelds.

So kommt es, dass aus Sicht der Arbeitgeber eine ähnliche Gruppe an Menschen in ähnlichen Situationen äußerst unterschiedliche Entscheidungen trifft. Tauchen etwa bei Kindern schulische Probleme auf, werden die einen Eltern die Arbeitszeit reduzieren – und die anderen eine Nachhilfe organisieren. Ähnliches begegnet uns auch bei der Pflege von Angehörigen: Einige Beschäftigte suchen sich dafür so viel professionelle Unterstützung wie möglich. Andere pflegen selbst und steigen dafür zumindest teilweise aus dem Berufsleben aus.

Warum die einen so, die anderen aber anders entscheiden, wurde vor der Studie „Vereinbarkeit 2020“ noch nicht systematisch berücksichtigt. Auf eine zuverlässige und langfristige Personalplanung haben solche Entscheidungsmuster jedoch einen enormen Einfluss. Welche Cluster von Lebensentwürfen ermittelt werden konnten und welche Bedürfnisse sich dahinter verbergen, ist nachzulesen unter: http://vereinbarkeit2020.berufundfamilie.de/#studie

Gelingende Vereinbarkeit baut Brücken 

 

Gelingende und lohnende Vereinbarkeit setzt auf
Individualisierung  (© Christian Stahl, Region Hannover)
Deutlich wurde: Eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik wird als Mittel für die Fachkräftestrategie der Arbeitgeber in Zukunft noch wichtiger. Dafür muss sie aber Brücken bauen zwischen ihren Instrumenten, den Lebensentwürfen der Beschäftigten sowie den Werten, Prozessen und Strukturen innerhalb der Organisation. Eine individualisierte Personalpolitik kann das leisten. Sie stellt die Beschäftigten in den Mittelpunkt und klärt die Fragen: Was wollen die Menschen hinter den Arbeitsverträgen? Wie passen diese Ziele zum langfristigen Fachkräftebedarf meiner Organisation? Und wie lässt sich die Mitte finden, in der die Interessen beider Seiten optimal berücksichtigt sind?

Erste Schritte zu einer individualisierten Personalpolitik sind:
  • Den Beschäftigten den Raum zu geben, individuelle Lebensentwürfe wertneutral sichtbar zu machen
  • Den Dialog und gelebte Praxis fördern. Die Kommunikation zwischen Beschäftigten und ihren direkten Vorgesetzten/ Führungskräften ist der wichtigste Ort, an denen diese Vorstellungen ausgehandelt werden
  • Prüfen, inwieweit sich Arbeitsmodelle flexibilisieren lassen
  • Nicht-lineare Karrieremodelle ermöglichen
  • Arbeit plan- und beherrschbar machen Beratungskompetenzen der betrieblichen Akteure erweitern

Rege Diskussion über die Zukunft der Vereinbarkeit
(© Christian Stahl, Region Hannover)
Vereinbarkeit braucht also Veränderung. Unter diesem Titel stand auch die anschließende Podiumsdiskussion, in der neben Hauke Jagau und Oliver Schmitz auch Petra Adolph, Vorstandsbereich 2 der IG BCE, Uwe Binias, Präsident des Landespolizeipräsidiums, und Wolfgang Isermann, Director People Development & Change Management, Sennheiser electronic, in den regen Austausch gingen.



Blick in einen der drei Workshops
(© Christian Stahl, Region Hannover)

In drei parallel laufenden Workshops konnten die Gäste folgenden Aspekten nachgehen: Es führt kein Weg vorbei: Die NEUE Vereinbarkeit erfordert Individualität in der Personalarbeit, Es lohnt sich: Neue Studien belegen den Nutzen der Vereinbarkeit und Es geht: Die Chancen der Digitalisierung auch für Vereinbarkeit nutzen.




Mit gutem Beispiel voran: Die
Postersession familienbewusster
Arbeitgeber (© Christian Stahl,
Region Hannover)

Und ebenfalls sehr informativ: In der abschließenden Postersession stellten sich familienbewusste Unternehmen aus der Region Hannover mit ihren Beispielen guter Praxis vor und gaben Anregungen, wie eine erfolgreiche Umsetzung gelingen kann. Die Veranstaltung endete mit der Möglichkeit sich auszutauschen und zu Netzwerken.