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Freitag, 22. April 2016

Fachforum zur Studie „Vereinbarkeit 2020“: Warum Mitarbeiterin A nicht wie Mitarbeiter B entscheidet (Teil 2)


Fachforum zur Studie „Vereinbarkeit 2020“:
Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten


Individualisierte Personalpolitik: Der Blick in die Praxis

Fachforum zur Studie "Vereinbarkeit 2020"
am 19.04.2016 in Frankfurt

„Welche Lebensentwürfe sind in Ihrer Organisation wahrnehmbar?“ – mit dieser Frage eröffnete Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, den Praxisteil des Fachforums „Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten“ (19.04.2016, Leonardo Royal Hotel Frankfurt). Die rund 70 Teilnehmer bestätigten, was die Studie „Vereinbarkeit 2020“ die Realität erfasst und erstmals operationalisierbar gemacht hat: Beschäftigte sind nicht über einen Kamm zu scheren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unterschiedliche Vorstellungen, wenn es um ihr Berufs- und ihr Privatleben geht. Kurzum: Sie haben unterschiedliche Lebensentwürfe. Entsprechend möchten sie auch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben unterschiedlich ausgestaltet wissen. Flexibilisierung ist gefragt!


Individualisierte Personalpolitik: Der betriebliche Alltag

Podiumsgespräch "Lebensentwürfe - Was Beschäftigte
erwarten, was Arbeitgeber bieten"
Doch wie gehen Unternehmen damit im betrieblichen Alltag um? Davon berichteten Vertreter von drei Unternehmen, die an der Studie „Vereinbarkeit 2020“ teilgenommen hatten: Karlheinz Löw von der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen, Lucie Perrot von der ING-DiBa AG und Dr. Rüdiger Koch für die Merz Pharma GmbH & Co.KGaA. Zunächst einmal stehen Arbeitgeber vor der Frage: „Woher wissen wir eigentlich, welche Lebensentwürfe vorhanden sind?“ Antworten geben Mitarbeiterbefragungen, aber – und das ist viel gewinnbringender – auch das persönliche Gespräch zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. Ganz essentiell sind anschließende Aushandlungsprozesse, in denen Beschäftigte und Vorgesetzte gemeinsam klären, wie für beide Seiten tragfähige Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben aussehen können. Beispielhaft nannten die Unternehmensvertreter den Punkt „flexible Karrierewege“: Je nach Lebensentwurf sind auch entschleunigte Karrieren in die Personalplanung mit einzubeziehen. Warum sollte ein Mitarbeiter, der für zwei Jahre aufgrund von Pflegeaufgaben in Teilzeit arbeitet, gänzlich von der Karriereplanung ausgeschlossen sein? Welche Möglichkeiten Ergebnis ich für ihn bereits während der Teilzeit, welche wenn er in Vollzeit zurückkehrt?

Deutlich wird: Es ist immer das Gespräch zu suchen. Kommunikation ist und bleibt ein fortlaufendes Themenfeld. Dazu gehört auch, den Lebensentwurf-Ansatz und das Angebot an Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben im gesamt Betrieb bekannt und für alle Beschäftigten zugänglich zu machen. Das kann über Großveranstaltungen oder Schulungen für Führungskräfte geschehen, aber auch über interne Personalversammlungen und interne Medien. Aber auch die externe Berichterstattung hilft der internen Awareness.




Individualisierte Personalpolitik: Aufgabenstellung und Herausforderungen

Sonja Lambert von der AOK Hessen brachte in ihrem Beitrag „Brücken bauen zwischen individuellen betrieblichen Belangen…“, die Herausforderungen und Aufgaben der Arbeitgeber, die eine individualisierte Personalpolitik, die Lebensentwürfe aufgreift, auf den Punkt:
  • Der Arbeitgeber muss sein Ziel klar kommunizieren: Warum setzt er auf eine individualisierte Personalpolitik? Welche Rolle spielen Lebensentwürfe und wie wird dadurch die Vereinbarkeitspolitik geprägt?
  • In die Befähigung der Führungskräfte ist zu investieren, damit diese in der Lage sind, Aushandlungsprozesse zu führen.
  • Die Führungskräfte sollte Handlungsspielräume erhalten – Spielräume, individuelle Lösungen auszuhandeln. Sie müssen aber auch die Möglichkeit haben, der Flexibilisierung Grenzen zu setzen. Wenn etwa die Wünsche eines Beschäftigten nicht mit dem Betriebsablauf vereinbar sind oder Kollegen sich ungerecht behandelt fühlen könnten, sind bessere Alternativen zu finden oder auch Absagen zu erteilen.
  • Die individualisierte Personalpolitik muss auch für Führungskräfte erlebbar gemacht werden. Sie sind Vorbilder und Botschafter innerhalb des Betriebs.
  • Die Leistungen von Führungskräften sind entsprechend wertzuschätzen. Individualisierte Personalpolitik verlangt ihnen schließlich ein besonderes Management des Spannungsfelds zwischen Mitarbeiter- und Aufgabenorientierung ab.
Sonja Lambert, AOK Hessen, über die Umsetzung
einer individualisierten Personalpolitik

Beispiel für individualisierte Personalpolitik: Mobiles Arbeiten und Vereinbarkeit

Flexibilisierung hat an vielen Orten schon Einzug in den Betrieben gehalten. Ein brandaktuelles Stichwort ist hier: mobiles Arbeiten. Was das für die Vereinbarkeit bedeutet, erläuterte Erdmute Thalmann von der Vodafone GmbH am Beispiel von „Open Space“. Das Telekommunikationsunternehmen lebt mit „Open Space“ ein mobiles Arbeitsplatzkonzept, in dem auf feste Büros komplett verzichtet wird. Für die Beschäftigten ergibt sich daraus ein vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen und Arbeitsmöglichkeiten auf dem Campus, im Home Office oder unterwegs. Das bedeutet für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
Erdmute Thalmann, Vodafone GmbH,
über mobiles Arbeiten
  • sowohl mehr Eigenverantwortung
  • und Flexibilität (Eine große Mehrheit der Beschäftigten gibt an, dass das mobile Arbeitsplatzkonzept die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützt.)
  • als auch Rücksichtnahme.
Mobiles Arbeiten beeinflusst die Unternehmenskultur spürbar, denn die Form der Zusammenarbeit ändert sich. Das betrifft auch die Arbeit der Führungskräfte. Denn: Mobiles Arbeiten funktioniert nur dann, sich Vorgesetzte auf das Führen auf Distanz einlassen und dies managen lernen.

"Führen auf Distanz" - das ist übrigens auch Thema unserer jüngsten Pressemitteilung:



Fachforum zur Studie „Vereinbarkeit 2020“: Warum Mitarbeiterin A nicht wie Mitarbeiter B entscheidet (Teil 2)


Fachforum zur Studie „Vereinbarkeit 2020“:
Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten


Individualisierte Personalpolitik: Der Blick in die Praxis

Fachforum zur Studie "Vereinbarkeit 2020"
am 19.04.2016 in Frankfurt

„Welche Lebensentwürfe sind in Ihrer Organisation wahrnehmbar?“ – mit dieser Frage eröffnete Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, den Praxisteil des Fachforums „Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten“ (19.04.2016, Leonardo Royal Hotel Frankfurt). Die rund 70 Teilnehmer bestätigten, was die Studie „Vereinbarkeit 2020“ die Realität erfasst und erstmals operationalisierbar gemacht hat: Beschäftigte sind nicht über einen Kamm zu scheren. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben unterschiedliche Vorstellungen, wenn es um ihr Berufs- und ihr Privatleben geht. Kurzum: Sie haben unterschiedliche Lebensentwürfe. Entsprechend möchten sie auch Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben unterschiedlich ausgestaltet wissen. Flexibilisierung ist gefragt!


Individualisierte Personalpolitik: Der betriebliche Alltag

Podiumsgespräch "Lebensentwürfe - Was Beschäftigte
erwarten, was Arbeitgeber bieten"
Doch wie gehen Unternehmen damit im betrieblichen Alltag um? Davon berichteten Vertreter von drei Unternehmen, die an der Studie „Vereinbarkeit 2020“ teilgenommen hatten: Karlheinz Löw von der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen, Lucie Perrot von der ING-DiBa AG und Dr. Rüdiger Koch für die Merz Pharma GmbH & Co.KGaA. Zunächst einmal stehen Arbeitgeber vor der Frage: „Woher wissen wir eigentlich, welche Lebensentwürfe vorhanden sind?“ Antworten geben Mitarbeiterbefragungen, aber – und das ist viel gewinnbringender – auch das persönliche Gespräch zwischen Beschäftigten und Vorgesetzten. Ganz essentiell sind anschließende Aushandlungsprozesse, in denen Beschäftigte und Vorgesetzte gemeinsam klären, wie für beide Seiten tragfähige Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben aussehen können. Beispielhaft nannten die Unternehmensvertreter den Punkt „flexible Karrierewege“: Je nach Lebensentwurf sind auch entschleunigte Karrieren in die Personalplanung mit einzubeziehen. Warum sollte ein Mitarbeiter, der für zwei Jahre aufgrund von Pflegeaufgaben in Teilzeit arbeitet, gänzlich von der Karriereplanung ausgeschlossen sein? Welche Möglichkeiten Ergebnis ich für ihn bereits während der Teilzeit, welche wenn er in Vollzeit zurückkehrt?

Deutlich wird: Es ist immer das Gespräch zu suchen. Kommunikation ist und bleibt ein fortlaufendes Themenfeld. Dazu gehört auch, den Lebensentwurf-Ansatz und das Angebot an Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben im gesamt Betrieb bekannt und für alle Beschäftigten zugänglich zu machen. Das kann über Großveranstaltungen oder Schulungen für Führungskräfte geschehen, aber auch über interne Personalversammlungen und interne Medien. Aber auch die externe Berichterstattung hilft der internen Awareness.




Individualisierte Personalpolitik: Aufgabenstellung und Herausforderungen

Sonja Lambert von der AOK Hessen brachte in ihrem Beitrag „Brücken bauen zwischen individuellen betrieblichen Belangen…“, die Herausforderungen und Aufgaben der Arbeitgeber, die eine individualisierte Personalpolitik, die Lebensentwürfe aufgreift, auf den Punkt:
  • Der Arbeitgeber muss sein Ziel klar kommunizieren: Warum setzt er auf eine individualisierte Personalpolitik? Welche Rolle spielen Lebensentwürfe und wie wird dadurch die Vereinbarkeitspolitik geprägt?
  • In die Befähigung der Führungskräfte ist zu investieren, damit diese in der Lage sind, Aushandlungsprozesse zu führen.
  • Die Führungskräfte sollte Handlungsspielräume erhalten – Spielräume, individuelle Lösungen auszuhandeln. Sie müssen aber auch die Möglichkeit haben, der Flexibilisierung Grenzen zu setzen. Wenn etwa die Wünsche eines Beschäftigten nicht mit dem Betriebsablauf vereinbar sind oder Kollegen sich ungerecht behandelt fühlen könnten, sind bessere Alternativen zu finden oder auch Absagen zu erteilen.
  • Die individualisierte Personalpolitik muss auch für Führungskräfte erlebbar gemacht werden. Sie sind Vorbilder und Botschafter innerhalb des Betriebs.
  • Die Leistungen von Führungskräften sind entsprechend wertzuschätzen. Individualisierte Personalpolitik verlangt ihnen schließlich ein besonderes Management des Spannungsfelds zwischen Mitarbeiter- und Aufgabenorientierung ab.
Sonja Lambert, AOK Hessen, über die Umsetzung
einer individualisierten Personalpolitik

Beispiel für individualisierte Personalpolitik: Mobiles Arbeiten und Vereinbarkeit

Flexibilisierung hat an vielen Orten schon Einzug in den Betrieben gehalten. Ein brandaktuelles Stichwort ist hier: mobiles Arbeiten. Was das für die Vereinbarkeit bedeutet, erläuterte Erdmute Thalmann von der Vodafone GmbH am Beispiel von „Open Space“. Das Telekommunikationsunternehmen lebt mit „Open Space“ ein mobiles Arbeitsplatzkonzept, in dem auf feste Büros komplett verzichtet wird. Für die Beschäftigten ergibt sich daraus ein vielfältiges Angebot an Arbeitsplätzen und Arbeitsmöglichkeiten auf dem Campus, im Home Office oder unterwegs. Das bedeutet für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:
Erdmute Thalmann, Vodafone GmbH,
über mobiles Arbeiten
  • sowohl mehr Eigenverantwortung
  • und Flexibilität (Eine große Mehrheit der Beschäftigten gibt an, dass das mobile Arbeitsplatzkonzept die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben unterstützt.)
  • als auch Rücksichtnahme.
Mobiles Arbeiten beeinflusst die Unternehmenskultur spürbar, denn die Form der Zusammenarbeit ändert sich. Das betrifft auch die Arbeit der Führungskräfte. Denn: Mobiles Arbeiten funktioniert nur dann, sich Vorgesetzte auf das Führen auf Distanz einlassen und dies managen lernen.

"Führen auf Distanz" - das ist übrigens auch Thema unserer jüngsten Pressemitteilung: