Donnerstag, 29. Januar 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Zwischen Leistungsdruck und Verlustängsten

Wortwolke mit Schlüsselbegriffen aus der Arbeitswelt (Quelle:berufundfamilie Service GmbH)

Die aktuelle Ausgabe „Vereinbarkeit in Zahlen“ zeigt eine Arbeitswelt im Umbruch: Während 40% der Beschäftigten durch KI bereits wertvolle Zeit gewinnt, wächst die Verunsicherung – insbesondere bei den unter 30-Jährigen, von denen sich 60% um ihren Job sorgen. KMU sind Hotspots der Fachkräftelücke und 6 von 10 Arbeitnehmenden haben sich bereits trotz Arbeitsfähigkeit krankgemeldet, oft um Stress oder Überlastung vorzubeugen.




60% der Beschäftigten meldeten sich trotz Arbeitsfähigkeit krank


Die repräsentative Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK beleuchtet das Phänomen der sogenannten „Bettkantenentscheidung“ – die kurzfristige Entscheidung am Morgen, ob man trotz bestehender Arbeitsfähigkeit zu Hause bleibt oder zur Arbeit geht. Es zeigt sich dabei, dass 6 von 10 Beschäftigten sich bereits krankgemeldet haben, obwohl sie hätten arbeiten können. 7% der Befragten macht dies häufig, 22% manchmal und 31% selten.

Besonders junge Beschäftigte (18 bis 29 Jahre) neigen zur Krankmeldung ohne schwere Symptome. In dieser Gruppe treffen 45% eine solche Entscheidung, während dies bei den über 60-Jährigen lediglich 16% sind. Die Gründe für das Zuhausebleiben sind für 31% Prävention, sie möchten verhindern, dass leichte Beschwerden zu ernsthaften Erkrankungen führen und 31% führen Überlastung als Grund an. Nahezu jeder* Dritte nennt mangelnde Motivation und jede*r Vierte möchte Stress oder Konflikten im Team aus dem Weg gehen. 20% melden sich wegen privater Termine krank. Nichtsdestotrotz bleibt Präsentismus ein Thema: Viele Beschäftigte gehen trotz deutlicher Symptome zur Arbeit. 1/3 der Beschäftigten arbeitet bei leichter Erkältung weiter, und 15% schleppen sich sogar bei einer Bronchitis oder einem grippalen Infekt zur Arbeit.

https://www.pronovabkk.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2026/beschaeftigte-melden-sich-trotz-arbeitsfaehigkeit-krank.html



Immer mehr Beschäftigte sorgen sich um den eigenen Arbeitsplatz


Eine aktuelle EY-Studie offenbart, dass sich hierzulande immer mehr Beschäftigte vor einem Arbeitsplatzverlust fürchten. So schätzten 2025 16% der Beschäftigten ihren Arbeitsplatz als „sehr unsicher“ oder „eher unsicher“ ein. Dies ist ein neuer Höchststand seit dem Jahr 2009 (damals waren es 22% infolge der Finanzkrise). Die Sorge um den Arbeitsplatz nimmt damit schleichend zu – im Vergleich zu 2024 stieg der Anteil der Besorgten um 3 Prozentpunkte, verglichen mit 2023 sogar um 5 Prozentpunkte.
Besonders besorgt sind dabei die jüngeren Arbeitnehmenden: In der Altersgruppe der unter 35-Jährigen machten sich 21% Sorgen um einen möglichen Jobverlust, bei den Babyboomern taten dies hingegen nur 10%. Bei Geringverdiener*innen lag der Anteil sogar bei 36%. Bei den Top-Verdiener*innen teilten nur 8% die Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust. Trotz des Anstiegs der Sorgen empfindet die große Mehrheit (84%) ihren Job weiterhin als sicher.

https://www.versicherungsmagazin.de/rubriken/branche/ey-arbeitsplatzsorgen-nehmen-wieder-zu-3450541.html



KMU sind Hotspots des Fachkräftemangels


Die aktuelle KOFA-Analyse verdeutlicht, dass der Fachkräftemangel in Deutschland primär ein Problem des Mittelstands ist. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) tragen die Hauptlast der Personalnot, da auf sie über 70% der bundesweiten Fachkräftelücke entfallen. Das bedeutet, dass weit über 280.000 Stellen in mittelständischen Organisationen unbesetzt bleiben. Besonders prekär ist die Lage im Gesundheitswesen, im sozialen Bereich sowie im Handwerk und Baugewerbe.

Dabei stehen die kleineren Organisationen in einem harten Wettbewerb mit Großkonzernen. Während große Arbeitgeber oft mit bekannteren Marken und höheren Budgets um Fachkräfte werben können, leiden KMU zusätzlich unter bürokratischen Hürden, etwa bei der Fachkräftezuwanderung aus dem Ausland.
Die Studie zeigt auch Chancen für KMU in der Fachkräftegewinnung auf: Vorteile – wie flache Hierarchien kürzere Entscheidungswege und individuelle Arbeitslösungen sollten gezielter ausgespielt werden, auch die interne Weiterbildung sollten KMUs mehr in den Fokus rücken.

https://www.kofa.de/daten-und-fakten/studien/fachkraeftemangel-in-kmu-eine-analyse-der-fachkraeftesituation-nach-betriebsgroessenklassen/




90% der Gen Z fühlen sich nicht auf die Jobsuche vorbereitet


Fast 80% der Befragten fühlen sich nicht ausreichend auf die Herausforderungen der Jobsuche vorbereitet; in der Generation Z liegt dieser Wert mit über 90% sogar noch deutlich höher. Diese Skepsis spiegelt sich auch in der Bewertung der aktuellen Lage wider: Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmenden empfindet die Jobsuche als schwieriger als im Vorjahr. Als Hauptursachen werden hierfür ein spürbar gestiegener Wettbewerb um offene Stellen sowie Unklarheiten über die benötigten Qualifikationen genannt. In der Folge sinkt die allgemeine Wechselbereitschaft: Wollten 2025 noch 53% der Beschäftigten ihren Arbeitgeber wechseln, sind es für das Jahr 2026 lediglich 42%.

Ein wesentlicher Treiber dieser Verunsicherung ist die Verbreitung Künstlicher Intelligenz (KI). Während KI einerseits neue Chancen eröffnet, sorgt sie bei vielen Beschäftigten für Existenzängste. Gut 1/4 der Befragten befürchtet, dass die eigenen Fähigkeiten nicht mit dem technologischen Wandel Schritt halten können. Zudem herrscht große Unsicherheit darüber, wie man sich in einem Bewerbungsprozess, der zunehmend durch KI-Tools gesteuert wird, noch erfolgreich von anderen Bewerber*innen abheben kann.

https://www.mynewsdesk.com/de/linkedin-deutschland/pressreleases/jobsuche-2026-mehrheit-der-deutschen-fuehlt-sich-unvorbereitet-linkedin-umfrage-zeigt-wachsende-unsicherheit-und-neue-chancen-3423470



80% der Beschäftigten erledigen im Homeoffice private Tätigkeiten


In einer aktuellen Umfrage von YouGov im Auftrag von Galaxus zeigt sich, dass die Disziplin im Homeoffice im europäischen Vergleich stark variiert. Deutsche Arbeitnehmende stechen dabei als besonders pflichtbewusst hervor. Während rund 80% der Beschäftigten in den untersuchten Ländern zugeben, während der Arbeitszeit auch privaten Tätigkeiten nachzugehen, erweisen sich die Deutschen mit einem Anteil von 31%, die im Homeoffice ausschließlich beruflich arbeiten, als Spitzenreiter im europäischen Vergleich. Im Gegensatz dazu nutzen in Frankreich lediglich 10% der Befragten ihre Zeit im Homeoffice strikt für den Job; fast die Hälfte der französischen Beschäftigten widmet sich täglich mehr als eine Stunde privaten Dingen.

Die häufigsten Ablenkungen über alle Ländergrenzen hinweg sind die Nutzung sozialer Medien sowie die Erledigung von Hausarbeiten oder privaten Telefonaten. Auffällig ist dabei ein deutliches Altersgefälle: Jüngere Beschäftigte unter 30 Jahren neigen viel stärker dazu, Arbeits- und Privatleben zu vermischen, während die ältere Generation eine klarere Trennung bevorzugt. Trotz der weit verbreiteten Arbeitszeitmogelei wird das Thema unterschiedlich bewertet: Während in Österreich das schlechte Gewissen dominiert, wird die private Nutzung der Arbeitszeit in Frankreich oder Italien eher als akzeptierter Teil einer flexiblen Arbeitskultur betrachtet.

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/deutsche-offenbar-fleissiger-als-franzosen-80-prozent-der-beschaftigten-mogeln-bei-der-arbeitszeit-im-homeoffice-15170379.html





40% nutzen KI-Tools in der täglichen Arbeit


Eine weitere Auswertung der Studie „Arbeiten 2025“ der Pronova BKK verdeutlicht, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) am Arbeitsplatz gemischte Gefühle bei den Beschäftigten hervorruft. Einerseits führt KI zu einer messbaren Beschleunigung der Prozesse: Rund 40% der Arbeitnehmenden nutzen solche Tools bereits regelmäßig, oft unterstützt durch Schulungen ihrer Arbeitgeber. Sie profitieren davon, dass Routineaufgaben schneller erledigt werden können. Dies ermöglicht vielen KI-Anwender*innen sogar einen pünktlicheren Feierabend. Andererseits geht diese Zeitersparnis mit neuen mentalen Belastungen einher: Viele Befragten empfinden die Arbeit durch KI als fehleranfälliger, da die Ergebnisse oft unpräzise sind und eine intensive Nachkontrolle erfordern.

Zwei von drei Nutzer*innen geben an, dass der Aufwand für Korrekturen deutlich gestiegen ist. Hinzu kommt eine wachsende Verunsicherung: Viele Beschäftigte, insbesondere in jüngeren Altersgruppen, leiden unter Kontrollstress und Zukunftsängsten. Es herrscht die Sorge, dass die gewonnene Zeit lediglich mit noch mehr Aufgaben gefüllt wird und die Leistungserwartungen der Arbeitgeber weiter steigen. Zudem befürchten die Befragten einen Jobverlust. Rund 60% der Nachwuchskräfte unter 30 Jahren empfinden ihren Arbeitsplatz als unsicher. Unter den besorgten Arbeitnehmenden ist zudem eine deutliche Mehrheit von 75% davon überzeugt, dass die Verdrängung ihres Jobs durch KI-Systeme innerhalb eines von 5 Jahren eintreten wird.

https://www.volksfreund.de/pr/presseportal/studie-kontrollstress-unsicherheit-und-zukunftsangst-durch-ki-am-arbeitsplatz-kuenstliche-intelligenz-macht-die-arbeit-schneller-aber-auch-fehleranfaelliger_aid-142892781

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