Donnerstag, 22. September 2016

Kinderbetreuung top – Paarbeziehung flop



Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Die Paarbeziehung
wird oft nicht bedacht (©Death to Stock)
„Wir haben die Betreuung unserer Kinder ziemlich perfekt organisiert“, berichtet Alexander Z. „Wir arbeiten beide Teilzeit, bekommen es hin, dass immer einer von uns für die beiden Kleinen da ist.“ Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. „Aber“, schüttet  Susanne Z., die Ehefrau, Wasser in den Wein, „auch wenn die Kinder froh sind, dass immer einer von uns verfügbar ist – es ist schon ein großer Aufwand das gut zu organisieren. Und etwas blieb auf der Strecke – wir als Paar. Wir verloren uns immer mehr aus den Augen, sahen uns fast nur noch bei der Kinderübergabe.“ Alexander ergänzt: „Und wenn wir miteinander redeten, ging es häufig um organisatorische Fragen der Kinderbetreuung. Oft liefen diese Gespräche unter Zeitdruck und in genervtem Ton. Das hat unsere Ehe zunehmend ins Schlingern gebracht.“

Das ist kein Einzelfall. Immer wieder wird von Eltern beklagt, dass sie zu wenig Zeit für sich und den Partner haben, dass die Beziehung leidet unter den alltäglichen Anforderungen des Familienmanagements. Wer bringt welches Kind wann in die Krippe oder die Schule, wann müssen Tagesmutter oder Großeltern organisiert werden? Wie können berufliche Engpässe überbrückt werden?

Werden Frauen mehr vernachlässigt?

Die aktuelle AOK-Familienstudie bestätigt den Befund, dass in Familien oft die Partnerschaft zu kurz kommt – mit einem  interessanten Unterschied zwischen Vätern und Müttern: 47 Prozent der befragten Frauen beklagen, ihrem Partner zu wenig Zeit widmen zu können. Bei den Männern sind es mit 73 Prozent noch weit mehr.

Unbedachte Konsequenzen von Vereinbarkeits-Konflikten?

So wird die erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu einem Risikofaktor für die Paarbeziehung und erhöht so letztlich die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Trennung oder Scheidung kommt. Mit den bekannten negativen Auswirkungen auf die betroffenen Kinder. Und was viele Arbeitgeber unterschätzen: Auch die Arbeitsproduktivität lässt in familiären Konfliktphasen meist spürbar nach, oft ist dieser Effekt noch Monate oder Jahre nach der Trennung wirksam.

Ist die Digitalisierung ein Beziehungskitt?

Was kann getan werden? Neben den in vielen Organisationen bereits recht flexiblen Arbeitszeiten bietet die zunehmende Digitalisierung neue Chancen. Durch alternierende Telearbeit – zum Teil wird zu Hause gearbeitet und zum Teil in der Firma - oder Videokonferenzen statt zeitaufwändiger Dienstreisen sind weitere Erleichterungen für die betroffenen Paare möglich.

Einen Schritt weiter gehen Unternehmen wie die Sparkasse Münsterland Ost, die Wochenendseminare für Beschäftigte und deren Partner anbietet zu Themen wie „Teenager“ oder „Pflege“. Spezielle Firmen-Angebote wie Paarcoachings sucht man allerdings (noch?) vergebens…

Dabei steht fest: Mehr und flexiblere Zeiten für Familien und die Kompetenzen, mit den Herausforderungen als Eltern und Paar auch konstruktiv umgehen zu können, nutzen so den Kindern bzw. pflegebedürftigen Angehörigen, aber genauso den Eltern als Paar und last not least dem Arbeitgeber.

Dipl.-Psych. Gerald Maier
Gutachter für das audit berufundfamilie

Dienstag, 13. September 2016

Auf den Hund gekommen?: Gesundheitsmanagement auf vier Pfoten


Amou, 3 Monate alt - und auf dem besten Weg ein Bürohund zu werden?  (©privat)

Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist er nicht nur der beste Freund, sondern auch ein vollwertiges Familienmitglied, auf das auch im Berufsleben Rücksicht genommen werden muss: ihr Hund. Eine Studie des sozialen Netzwerks XING hat ergeben, dass mehr als 20 %[1] der Beschäftigten die Forderung stellen, ihren Hund mit zur Arbeitsstelle nehmen zu können.

Kuschelnd zur Win-Win-Situation

Gute Gründe für einen vierbeinigen Gefährten am Arbeitsplatz liefern Wissenschaftler aus der ganzen Welt. So wurde beispielsweise von einer schwedischen Wissenschaftlerin festgestellt, dass das Streicheln eines Hundes dazu führt, dass im Körper das Hormon Oxytocin in großen Mengen ausgeschüttet wird.[2] Dieses „Kuschelhormon“, welches sonst eine wichtige Rolle bei der Bindung zwischen Mutter und Kind spielt, senkt den Blutdruck und die Produktion von Cortisol, einem Stresshormon.

Doch Hunde sind nicht nur in Stresssituationen gefragt. Auch im normalen Büroalltag lassen sich einige Argumente für einen Hund im Büro finden. So sorgt der „Canis lupus familiaris“ für Abwechslung vom Arbeitsalltag und dafür, dass auch mal Pause an der frischen Luft gemacht wird. Der Hund als besondere Form des betrieblichen Gesundheitsmanagements also. Außerdem dient er als Gesprächsbrücke zwischen den Arbeitenden. Des Weiteren wird die Kreativität und Motivation gesteigert.[3] Das wirkt sich auch positiv auf das Verhältnis zwischen Beschäftigten und Arbeitgeber aus. Wer seinen besten Freund an seine berufliche Wirkungsstätte mitbringen darf, fühlt sich vom Arbeitgeber verstanden und bringt diesem im Gegenzug eine höhere Loyalität entgegen.

Dennoch können die meisten Beschäftigten ihren geliebten Vierbeiner nicht mit an den Arbeitsplatz nehmen. Generell haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer jedoch keinen Rechtsanspruch darauf. Allerdings lehnen laut XING-Studie ca. 53 % der Arbeitgeber das Mitbringen von Haustieren an den Arbeitsplatz nicht explizit ab. Daher muss immer bei seinem Vorgesetzten, aber auch in dem bereits erwähnten Kollegenkreis um Erlaubnis gebeten werden.

Vereinbarkeitsregeln für vierbeinige Kollegen

Bleiben aber oft noch die Kolleginnen und Kollegen als Hürde. Sie sprechen sich gegen Hunde am Arbeitsplatz oft mit Argumenten aus wie „Der lenkt nur ab.“ oder „Der bellt und beißt nur.“ oder „Die stinken so.“. Vom Gegenteil lassen sich diese vielleicht mit einer guten Sozialisation und Erziehung des Vierbeiners überzeugen. Diese ist für „Bürohunde“ unumgänglich, ebenso wie die Rücksichtnahme auf eventuelle Allergien oder Phobien von Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten.

Von einem Hund im Büro können also sowohl die Beschäftigten, die ihren Gefährten nicht stundenlang alleine lassen müssen, als auch die Arbeitgeber, welche mit der Erlaubnis von Hunden am Arbeitsplatz ihre Attraktivität im Wettbewerb um Fachkräfte durchaus steigern können, profitieren. Das Familienmitglied Hund dient damit der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben. Nicht zuletzt hat es zudem Vorteile für die Tiere, am Arbeitsplatz durch kleine Spielereien gefordert zu werden und nicht den ganzen Tag allein zu Hause zu bleiben.

Viktoria Emig,
Praktikantin der berufundfamilie Service GmbH


[1] https://spielraum.xing.com/2016/02/hunde-als-job-goodies-mein-partner-mit-der-kalten-schnauze/
[2] Handlin, Linda (2010) "Human-Human and Human-Animal Interaction”. SLU Service, Uppsala.
[3] http://bv-bürohund.de/vorteile-von-buerohunden/buerohund-vorteil-fuer-unternehmen 

Freitag, 9. September 2016

Familienfreundliche Arbeitswelt in Brandenburg voranbringen! – Fachtagung des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie


Fachkräftemangel in Brandenburg durch familien-
und lebensphasenbewusste Personalpolitik begegnen
(©Land Brandenburg)
„Wenn Qualifikationen oder Arbeitskräfte fehlen und in absehbarer Zeit keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden, wird im Jahr 2015 mit einem ungedeckten Fachkräftebedarf für voraussichtlich 273.000 Arbeitsplätze, im Jahr 2020 für 362.000 Arbeitsplätze und in 2030 voraussichtlich für bis zu 460.000 Arbeitsplätze zu rechnen sein. Neben den Stellen, die nicht besetzt werden könnten, weil keine qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung stehen, kann in anderen Bereichen durchaus noch Arbeitslosigkeit herrschen, weil hier die Arbeitskräfte nicht die gesuchten Qualifikationen mitbringen.“ Diese düstere Vorschau formulierte die prognos AG bereits 2010 in ihrer „Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg“.[1]

 

Dramatische sinkende Erwerbsquoten und was nun?

Und tatsächlich: Personal ist schon jetzt ein rares Gut in Brandenburg. Der zunehmende Fachkräftemangel stellt auch in Berlins großräumigem Umland eine enorme Herausforderung für Arbeitgeber dar. Mehr noch: Die Wirtschaft eines ganzen Bundeslandes gerät ins Wanken. Denn: Die Aussichten sind trübe. Bis zum Jahr 2030 wird die Zahl der Erwerbspersonen in Brandenburg um 19,2 % zurückgehen. Im Bundesdurchschnitt werden es 6,6 % sein.[2]

Aber wie lassen sich Beschäftigte an Brandenburg binden oder gar ins Land locken? Dieser Frage widmete sich am 8. September 2016 die Fachtagung „Familienfreundliche Arbeitswelt in Brandenburg voranbringen!“, die in der Staatskanzlei in Potsdam stattfand. Geladen hatte das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie des Landes Brandenburg. Aufs Podium gefolgt waren ihm
  • Jens Warnken, airkom Druckluft GmbH, Wildau Dr. Ragnhild Münch, Klinikum Dahme-Spreewald GmbH, Lübben
  • Gerlinde Grass, ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg GmbH, Potsdam
  • Andreas Schumann, Ombudsmann Beruf und Pflege, Niederlausitzer Kreishandwerkerschaft Finsterwalde
  • Alexander Schirp, Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg e. V. (UVB), Berlin
  • Christian Hoßbach, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Bezirk Berlin-Brandenburg, Berlin 
  • Oliver Schmitz, berufundfamilie Service GmbH
Als zentralen Punkt machten die Beteiligten aus: Die Ansprüche der Beschäftigten, das Verhältnis von Beruf und Familie neu zu bestimmen, wachsen. Flexible Arbeitszeiten, Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie und mobiles Arbeiten bestimmen in wachsendem Ausmaß für Beschäftigte die Attraktivität von Unternehmen.

Familie und Privatleben haben für Arbeitgeber Priorität, wie Studien zeigen. So belegt eine europaweite Umfrage, dass sich die Deutschen bei der Wahl zwischen dem eigenen Zuhause, freier Zeit, Geld und Karriere für das Privatleben entscheiden.[3]

Gesamtes Privatleben vereinbar machen

Vereinbarkeit in Brandenburg fördern
(©berufundfamilie Service GmbH)
Vereinbarkeit muss daher nicht nur die Balance zwischen Arbeitswelt und familiären Aufgaben in den Blick nehmen, wie unser Geschäftsführer Oliver Schmitz, betonte. Eine zeitgemäße Personalpolitik erweitert den Familienbegriff und berücksichtigt das gesamte Privatleben sowie die individuellen Lebensentwürfe der Beschäftigten. Die Wünsche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer hinsichtlich der Vereinbarkeit verändern sich im Laufe eines Lebens und somit Arbeitslebens. Sind in jungen Jahren Fragen der Kinderbetreuung wichtig, können später Aspekte wie Pflege oder alters- und alternsgerechte Arbeit dominieren. Eine gewinnbringende Personalpolitik, die die Arbeitgeberattraktivität stärkt, ist – auch in Brandenburg – eine familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik.


[1] http://www.prognos.com/uploads/tx_atwpubdb/100200_Prognos_Studie_Fachkraeftestudie_Berlin-Brandenburg_kurz.pdf, Seite 9
[2] http://www.bagarbeit.de/data/Themen/2014-06-05-wbv-Arbeitsmarkt-2030.pdf, vgl. auch http://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Publikationen/a756-arbeitsmarktprognose-2030.pdf?__blob=publicationFile (Rückgang der potenziellen Erwerbstätigen bis 2030 um 2,9 Mio.)
[3] https://daliaresearch.com/blog/ und https://de.statista.com/infografik/5400/prioritaeten-der-europaeer/