Montag, 5. Dezember 2016

Ehrenamt – Beschäftigten früh den Weg ebnen


Zeit für gesellschaftliches Engagement neben der Berufstätigkeit? (©berufundfamilie gGmbH)
Bürgerschaftliches Engagement hilft wirtschaftliches Wachstum, gesellschaftliche Integration, Wohlstand sowie stabile demokratische Strukturen auch für die Zukunft zu erhalten und zu verbessern. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen gewinnt die Förderung und Stärkung der Zivilgesellschaft an Bedeutung, denn die öffentliche Hand wird sich wegen der unumgänglichen Haushaltskonsolidierung auf ihre unabweisbar notwendigen Aufgaben konzentrieren müssen.“ So beginnt der 1. Absatz der Begründung zum Ehrenamtsgesetz, dessen Stärkung 2013 in Kraft trat.[1]

Heute ist Internationaler Tag des Ehrenamts und für uns ein triftiger Grund, uns zu fragen: Warum sollten Arbeitgeber Beschäftigten den Weg ins Ehrenamt ebnen?

14,36 Mio. Menschen sollen sich in Deutschland im Jahr 2016 ehrenamtlich engagiert haben.[2]

Von den Erwerbstätigen sind es 27 %, die sich sozial einbringen. 30 % der berufstätigen Männer und 23 % der berufstätigen Frauen üben eine ehrenamtliche Tätigkeit aus.[3]

Engagement braucht Zeit


Die Rechnung ist einfach: Gesellschaftliches Engagement ist eine Frage der Zeit. Wie eine Umfrage der berufundfamilie ergeben hat, würden drei Viertel der Beschäftigten die durch Arbeitszeitreduzierung gewonnene Zeit im Alter zum Wohle der Familie und der Gesellschaft nutzen. 34 % der Beschäftigten würden ein Ehrenamt annehmen oder dieses weiter ausbauen.[4] 


Mehr Zeit – mehr Ehrenamt: ein zentrales Ergebnis der Umfrage
„Arbeit und Alter – Unternehmens- und Beschäftigtenumfrage“ (©berufundfamilie gGmbH)

Die Praxis zeigt aber auch: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nach gefühlt lebenslanger Berufstätigkeit in den Ruhestand gehen, möchten diesen zunächst auch genießen. Zur Arbeit – und sei es ehrenamtliche Arbeit – möchten viele erst einmal Abstand gewinnen.

Umso wichtiger ist es, erwerbstätigen Menschen schon frühzeitig Möglichkeiten für ein Ehrenamt zu eröffnen. Gehört das Engagement erst einmal zum Leben, wird es auch nach dem Ausscheiden – und ggf. dann erst recht – weiterverfolgt.

Nutzen für den Arbeitgeber


Doch welches Interesse sollten Arbeitgeber daran haben, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Zeit für gesellschaftliches Engagement zu geben?

Da gibt es zum einen den Aspekt der Kompetenzerweiterung. Beschäftigte können sich in der ehrenamtlichen Tätigkeit neues Know-how aneignen, das eventuell gewinnbringend in die Erwerbstätigkeit einfließt. Eine vielseitig erfahrene Persönlichkeit ist immer gut für den Betrieb. Vor allem sind es aber die sozialen Kompetenzen, die sich positiv auf die Teamarbeit auswirken können.

Untersuchungen zeigen zudem, dass Erwerbstätige mit sozialem Engagement glücklicher sind als ihre Zeitgenossen ohne Ehrenamt. Zudem neigen sie weniger zu Depressionen.[5]

Beruflicher Stress kann durch gesellschaftliches Engagement sogar aufgefangen werden, wie eine Studie an der Universität Konstanz zeigt.[6] Demnach können Beschäftigte, die sich neben ihrer Erwerbstätigkeit sozial engagieren, besser vom Berufsalltag abschalten. Der positive Effekt reicht meist auch bis in den nächsten Arbeitstag.




[1] Gesetz Ehrenamt, http://www.ehrenamt-deutschland.org/gesetz/
[2] Vgl. https://de.statista.com/themen/71/ehrenamt/
[3] Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/154275/umfrage/ausuebung-ehrenamtlicher-taetigkeit-durch-berufstaetige/
[4] Unternehmens- und Beschäftigtenumfrage „Arbeit und Alter“ (GfK im Auftrag der berufundfamilie gGmbH, Dezember 2013
[5] Vgl. Ehrenamt: Warum freiwillige Arbeit glücklich macht, Spektrum, 08.05.2014, http://www.spektrum.de/magazin/ehrenamt-warum-freiwillige-arbeit-gluecklich-macht/1281570
[6] Mojza, E. J., Sonnentag, S., & Bornemann, C. (2009, September). Ehrenamtliches Engagement – nicht nur eine wertvolle Freizeiterfahrung. Forschungsreferat auf der 6. Tagung der Fachgruppe Arbeits- und Organisationspsychologie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie, Wien, Österreich

Freitag, 2. Dezember 2016

Vereinbarkeit in Zahlen – Heute: A wie „Arbeitsstunden“, Z wie „Zeitreduktion“



Arbeitswelt und Vereinbarkeit: aktuelle Stichwörter und Zahlen
 (©berufundfamilie Service GmbH)

 

 

Arbeitsstunden


41,6 Stunden pro Woche arbeiteten Männer im Jahr 2015 in Deutschland durchschnittlich. Frauen kamen auf 32,6 Stunden.

Etwa 10 % länger arbeiten Männer dabei als vertraglich geregelt. Bei Frauen lag die Mehrarbeit bei 8 %.

Bundesregierung, Regierungsbericht Lebensqualität „Gut leben in Deutschland“, November 2016
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/11/2016-11-14-gut-leben-3-familie-beruf.html
https://www.gut-leben-in-deutschland.de/static/LB/index.html




Familienpflichten


„Wichtig ist – und das glaube ich hilft bei der Findung solcher innovativer Lösungen (für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie) –, dass nicht nur die Mütter im Zentrum stehen, sondern das auch inzwischen durch die Elternzeit zum Beispiel, die auch von Vätern genommen werden kann, bekannt ist, dass auch Väter Familienpflichten haben. Und da glaube ich gehen die Beitriebe heute sehr viel offener heran und nach dem Motto wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, finden viele Unternehmen Lösungen.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich der Vorstellung des Berichts zum Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“, 26. Oktober 2016
http://www.deutschlandfunk.de/bericht-der-bundesregierung-wie-die-deutschen-leben-wollen.1773.de.html?dram:article_id=369577




Kinderbetreuung


43,9 % der Drei- bis Sechsjährigen erhielten 2015 eine ganztägige Betreuung. Das sind mehr als 20 % gegenüber 2006. Bei den Unter-Dreijährigen nahm die Betreuungsquote um 6,5 auf 18,1 % zu.

Bundesregierung, Regierungsbericht Lebensqualität „Gut leben in Deutschland“, November 2016
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/11/2016-11-14-gut-leben-3-familie-beruf.html
https://www.gut-leben-in-deutschland.de/static/LB/index.html




Lohneinbußen


Mit jedem Monat, den Männer in Teilzeit statt in Vollzeit arbeiten, verringert sich ihr Stundenlohn um durchschnittlich 0,2 %.

WZB, Die Vereinbarkeitsfrage für Männer: Welche Auswirkungen haben Elternzeiten und Teilzeitarbeit auf die Stundenlöhne von Vätern?, November 2016
https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/vaeter-haben-durch-elternzeit-keine-lohneinbussen

https://idw-online.de/de/news664079




Zeitreduktion


Hochqualifizierte und Männer haben häufig Probleme, wenn sie ihre Arbeitszeit reduzieren möchten. Als Gründe werden vor allem mangelndes Verständnis von Vorgesetzten und Kollegen, eine rigide Arbeitsorganisation und Personalnot genannt.

Bei den Frauen sind es vor allem Ärztinnen, Polizistinnen und Ingenieurinnen, berichten über Probleme, eine Arbeitszeitreduktion durchzusetzen.

WSI (Hans-Böckler-Stiftung), Arbeitszeitoptionen im Lebensverlauf, August 2016
http://www.boeckler.de/16034_45334.htm

Dienstag, 29. November 2016

Den Hebel umlegen: Von jetzt auf gleich vom Beruflichen ins Private wechseln


Wir haben es bereits getan: Am 17. November haben wir Weihnachten gefeiert. Eine schöne Betriebsfeier war es, im festlichen Rahmen, mit hervorragendem Essen und anschließendem hochkarätigen Showprogramm. Details erspare ich Ihnen. Man will ja keinen Neid erwecken.

Betriebliche Weihnachtsfeier:
Spätestens beim Dessert das Berufliche hinter sich lassen
(©berufundfamilie Service GmbH)
Warum feiern Beschäftigte und Chef/in gemeinsam Weihnachten? „Socializing für ein gutes Betriebsklima“ ist wohl die erste Antwort. Ein gutes Betriebsklima vermissen wir eh nicht. Aber selbstverständlich ist es schön, sich mal in einem anderen Umfeld mit den Kolleginnen und Kollegen auszutauschen – und das vor allem über Privates. Bei uns ist es dann auch egal, wer da neben wem sitzt. Solche Befindlichkeiten kennen wir nicht. Dennoch fällt uns eins auch schwer, wie wir wieder gemerkt haben: Von jetzt auf gleich vom Beruflichen ins Private zu wechseln. Da schwebt dann das eine oder andere Projekt wie ein Damoklesschwert über den Konversationen. Mal eben noch auf dem kurzen Dienstweg den Austausch zu einer Aufgabe. Das ist doch praktisch. Ja, aber auch nicht Sinn der Aktion.

Arbeit und Privates im Hier und Jetzt


Doch genau diese Situation zeigt etwas Wesentliches: Den Hebel zwischen Beruf und Privatleben umzulegen, ist nicht so einfach. Das kennt im Grunde jeder, der einer Erwerbstätigkeit nachgeht. Zugegeben: Die oder der Eine schafft es besser zwischen den beiden Aufgabenwelten zu wechseln als die oder der Andere. Aber im Hier und Jetzt zu sein, sich einer Sache vollends zu widmen, sich nicht ablenken zu lassen, das ist und bleibt eine Herausforderung. Und die Challenge ist durch die erweiterten technischen Kommunikationsmittel noch größer geworden: Während ich einen Text schreibe, poppen nicht nur ständig Mails auf oder das Telefon klingelt. Intranet- und Skype-Nachrichten fordern gleichzeitig meine Aufmerksamkeit. Und dann gibt’s da ja auch noch die Möglichkeit, mich über das Jobhandy per WhatsApp zu erreichen. Wenn dann noch private Belange hinzukommen, die die Konzentration stören….

Im Privatleben kann es umgekehrt laufen: Na, mal eben zwischen Suppe und Kartoffeln noch die Jobmails checken? Könnte ich dann am Wochenende vielleicht noch die Outline für das Konzept erstellen?

Es ist wie es ist: Berufliche Aufgaben sind da und wollen – meist zu einem bestimmten Termin – bewältigt werden. Da ist dann schon mal Flexibilität angezeigt und das ist auch gut so. Die Aufgabe wird erledigt, wenn es passt. Jede/r, die/ der in ihrem/ seinem Aufgabenfeld ausreichende Erfahrungen hat, kann dann auch bestimmen, ob sie/ er in besonderen Situationen und Phasen nicht über alle Kanäle ansprechbar ist bzw. auf Informationen oder Anfragen nicht umgehend reagiert. Das gilt besonders in dem Raum, den das Privatleben einnimmt. Aber es gilt eben, ein paar Fallen zu umgehen – schon aus Selbstschutz.

Work-Life-Blending? – Zeitfenster für Arbeit und für Privates


In diesem Zusammenhang fällt oft der Begriff Work-Life-Blending. Work-Life-Blending steht für eine stärkere Vermischung von Arbeits- und Privatleben.

Betrachten wir die Arbeitswelt, birgt Work-Life-Blending ein paar Risiken, etwa dass die Arbeitszeit sich letztendlich ausweitet. Dass das „Allzeit-bereit-sein“ zu größerem Stress führt. Eine fehlende Kontrolle kann sogar negative gesundheitliche Folgen haben. Arbeitgeber bzw. Führungskräfte sind allerdings gefordert, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Der Gesetzgeber erlegt den Arbeitgebern eine Fürsorgepflicht auf, die sich ganz konkret im Arbeitsschutzgesetz spiegelt. Demnach ist der Arbeitgeber verpflichtet, „Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten durch Maßnahmen zur menschengerechteren Gestaltung von Arbeit, Arbeitsbedingen und Arbeitsplatz zu sichern.“ Eine nicht immer einfache, sondern oft schwer kontrollierbare Aufgabe – z. B. wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viel im Home-Office außerhalb der Kernarbeitszeiten agieren.

Jede/r muss selbst wissen, wie sie/ er mit dem Blending klar kommt. Ich denke: Work und Life brauchen jeweils ihre Zeit, will man richtig dabei sein. Ich bin eher der Typ, der Beruf- und Privatleben ausgewogen gestalten möchte. Aber wenn die betriebliche Weihnachtsfeier bereits unter Work-Life-Blending fällt, dann sei’s drum.

Silke Güttler,
Unternehmenskommunikation