Donnerstag, 30. April 2020

Vereinbarkeit in Zahlen: Tausche Gehalt gegen Wertschätzung und Familienbewusstsein

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt und dem Themenfeld Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)

Acht von zehn Müttern* und Vätern* erwarten laut Umfrage Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie von ihren Arbeitgebern. Welche Ergebnisse die aktuelle Studienwelt zum Themenfeld Arbeit und Personalpolitik noch bietet, fassen wir in gewohnter Manier in unserer Blogserie „Vereinbarkeit in Zahlen“ zusammen. 


Kaum Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und hohem Einkommen


Die Langzeitstudie über 30 Jahre zeigt, dass für in Deutschland Lebende die Gesundheit einen so starken Einfluss auf die Zufriedenheit habe wie sonst kaum etwas im Leben. Ebenfalls wichtig für die Zufriedenheit: regelmäßige Treffen mit Freunden und das Gefühl einher, Kontrolle über das eigene Leben zu haben.

Weitere Befunde sind:
  • Je patriotischer Menschen sind, umso zufriedener sind sie.
  • Je länger Väter* arbeiten, umso zufriedener sind sie.
  • Mütter*, die länger arbeiten, werden nicht zufriedener – sind aber selbst zufriedener, wenn die Väter* ihrer eigenen Kinder länger aus dem Haus sind.
  • Wenn sich Väter* bewusst für Elternzeit entscheiden, sind sie damit auch zufrieden.
  • Geld macht zufrieden, aber nur bis zu 2.000 Euro netto im Monat bei dem Einzelnen. Zu zweit sind es 3.400 Euro, mit einem Kind 4.400, mit zwei Kindern 5.400 Euro. Entsprechend gibt kaum noch einen Zusammenhang zwischen Zufriedenheit und hohem Einkommen.
Martin Schröder, Universität Marburg, „Wann sind wir wirklich zufrieden?“, 2020
https://www.deutschlandfunkkultur.de/langzeitstudie-zur-zufriedenheit-gluecklich-mit-stereotypen.1008.de.html?dram:article_id=472655



Wunsch nach Gehaltssteigerung schwindet


Während 2018 48 % und 2019 46 % der Beschäftigten eine Gehaltssteigerung anstrebten, sind es in 2020 nur noch 39 %. Gleichzeitig legen heute 31 % der Mitarbeitenden Wert darauf, nach Feierabend besser abzuschalten und Arbeits- sowie Freizeit bewusst zu trennen. In 2019 waren es 37 %.

Aktuell wünschen sich 24 % der Beschäftigten zudem mehr Wertschätzung für die eigene Arbeit. Außerdem möchten 19 % ihre Zeit für die Arbeit frei einteilen.

Manpower, Studie Karriereziele 2020, Februar 2020
https://www.manpowergroup.de/neuigkeiten/studien-und-research/studie-karriereziele/
https://www.presseportal.de/pm/56465/4519168



Acht von Zehn wollen Vereinbarkeitsangebote vom Arbeitgeber


91 % der Mütter* und 13 % der Väter* haben nach eigenen Angaben den Großteil der Elternzeit genommen. Die Partnerschaftlichkeit kam hier kurz: Nur 7 % aller Befragten haben sich die Elternzeit gleichmäßig aufgeteilt. Elternzeit ist allerdings kein kontroverses Thema in der Beziehung: Lediglich 14 % der Befragten sagten, das Thema Elternzeit mit ihrer*ihrem Partner*in kontrovers diskutiert zu haben.

21 % der Mütter* und Väter*, die auf eine längere Elternzeit zurückblicken können, haben negative Auswirkungen auf ihre Karriere erfahren.

78 % der befragten Frauen* und Männer sind der Meinung, dass Arbeitgeber Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bieten müssen. Gewünscht sind vor allem flexiblere Arbeitszeiten (87 %), gefolgt von Zuschüssen zur Kinderbetreuung, Ferienbetreuung oder Belegplätzen in der Kindertagesstätte. Laut 76 % der Befragten gibt es grundsätzlich Nachholbedarf bei der Gleichstellung von Frauen in Unternehmen. Daher sind 63 % für anonymisierte Bewerbungsverfahren. Ein Wunsch von der Hälfte der Befragten ist, dass Geschlechterparität auf allen Hierarchieebenen als Unternehmensziel verankert wird.

EMOTION Verlag & LinkedIn, Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Eltern, März 2020
https://www.emotion.de/leben-arbeit/was-frauen-fordern/vereinbarkeit-von-familie-und-beruf



Unproduktiv durch viel Zeit in Meetings


67 % der Beschäftigten meinen, zu viel Zeit in Meetings zu verbringen, die sie von der eigentlichen Arbeit abhalten. Jede*r Fünfte (21 %) verbringt pro Woche mindestens fünf Stunden in unproduktiven Besprechungen. Ein Viertel beobachtet daher, höchstens 70 % eines Tages produktiv zu verbringen.

64 % der Befragten halten direkte Gespräche für deutlich zielführender. Ein Drittel (35 %) der Befragten geht auch zu Meetings, bei denen schon im Vorfeld klar ist, dass sie nicht sinnvoll sind.

Korn Ferry, Zu viele Meetings, November 2019
https://www.kornferry.com/about-us//press/working-or-wasting-time



Lebenslanges Lernen ist Sache der Beschäftigten?


61 % der Geschäftsführenden und Fach- und Führungskräfte sind der Meinung, dass die Beschäftigten selbst primär für das eigene lebenslange Lernen verantwortlich sind. Und nur jede*r Fünfte sieht die Verantwortung bei den Führungskräften.

Bei lediglich 14 % der befragten Unternehmen verfügen die Beschäftigten über ein eigenes Lernbudget.

Hays & IBE, HR-Report 2020, Januar 2020
https://www.hays.de/personaldienstleistung-aktuell/presse-mitteilung/presse-hr-report-2020-lebenslanges-lernen



Wer vertraut wem?


69 % der Beschäftigten sind der Auffassung, dass ihnen ihr*e Chef*in vertraue. 71 % sprechen von einem guten Verhältnis zu ihrer Führungskraft. Bei den Manager*innen selbst sind es 92 %, die angeben, ihren Beschäftigten zu vertrauen.

Jedoch: Während neun von zehn Führungskräften meinen, sie bezögen ihre Mitarbeitenden bei Entscheidungen grundsätzlich mit ein, sehen nur 42 % der Beschäftigten eine tatsächliche Beteiligung an Entscheidungen.

62 % der Beschäftigten wünschen sich, dass Vorgesetzte mehr mit ihnen kommunizieren. 51 % möchten, dass sich die Führungskraft solle sich mehr Zeit für sie*ihn nimmt.

Stepstone, Deutschland und seine Chefs, März 2020
https://www.stepstone.de/Ueber-StepStone/press/fuhrung-in-krisenzeiten/



Emotionale Intelligenz als Kernkompetenz?


Sollten neue Technologien Routineaufgaben übernehmen, wird 53 % der Führungskräfte in Deutschland zufolge emotionale Intelligenz (EI) eine Kernkompetenz. In anderen Ländern sind deutlich mehr Führungskräfte dieser Meinung: z.B. in Schweden 68 %, in Frankreich 69 %, in den USA 82 % und in Indien 95 %. Der Anteil der deutschen Führungskräfte, für die die Relevanz emotionaler Intelligenz angesichts der Digitalisierung weiter steigen wird, liegt damit 21 % unter dem Durchschnittswert. Entsprechend haben auch nur 32 % der Unternehmen hierzulande eine passende Weiterbildungsstrategie.

Capgemini, Emotionale Intelligenz, Oktober 2019
https://www.capgemini.com/de-de/research/emotionale-intelligenz/

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