Mittwoch, 27. Januar 2021

Vereinbarkeit in Zahlen: Remote Work mit Herausforderungen

 

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt und dem Themenfeld Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)


Nur 37 % der Beschäftigten auf Kommunalebene arbeiten im Home-Office. 76 % der Erwerbstätigen bevorzugen hybrides Arbeiten. Home-Office kann die Produktivität steigern. Mehr aus der Studienwelt zum Thema Vereinbarkeit finden Sie hier.




Große Mehrheit von Beschäftigten in Verwaltungen wünscht sich Arbeit im Home-Office


Die Studie liefert eine Bestandsaufnahme der Auswirkungen der Coronapandemie auf den Öffentlichen Dienst, also der Erfahrungen, die Beschäftigte in ihrem neuen Arbeitsalltag gemacht haben. Zudem wurden Bürger*innen um ihre Einschätzung der Arbeit der Verwaltung in der Coronakrise gebeten.

Aus Sicht der Mitarbeitenden funktionieren Verwaltungen auch in der Krise: Der Großteil sah die Leistungsfähigkeit der eigenen Behörde während der ersten Coronawelle nur geringfügig eingeschränkt. Aber: Nahezu die Hälfte der Befragten auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene gab an, einer höheren oder sehr viel höheren Arbeitsbelastung ausgesetzt gewesen zu sein. Hinzu kommt, dass jede*r vierte Beschäftigte – auf kommunaler Ebene sogar jede*r dritte – mit anderen Aufgaben betraut wurde, etwa Gesundheitsämter zu unterstützen. Bei Kommunen schätzen Beschäftigte ihren eigenen Einsatz für die Pandemiebekämpfung wesentlich höher ein als Mitarbeitende auf Landes- und Bundesebene.

Was die Möglichkeiten der flexiblen Arbeitsorganisation, z.B. beim Home-Office angeht, zeigen sich große Unterschiede: Insgesamt hat rund die Hälfte der Befragten in der ersten Coronawelle hauptsächlich im Home-Office gearbeitet. Während es 67 % auf Bundesebene und 55 % auf Landesebene waren, arbeiteten nur 37 % auf der Kommunalebene vorrangig im Home-Office. Dabei wünscht sich die große Mehrheit aller in Verwaltungen Beschäftigten, von zu Hause aus arbeiten zu können. Lediglich 11 % haben keinen eigenen Bedarf für Home-Office.

Next:Public & Hertie School, Verwaltung in Krisenzeiten, Januar 2021
https://nextpublic.de/wp-content/uploads/2020/12/Studie_Verwaltung_in_Krisenzeiten.pdf



Jedes dritte Unternehmen sieht Nachholbedarf in der Digitalisierung


In einer Studie von Sopra Steria in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z- Institut wurden 315
Entscheider/-innen in deutschen Unternehmen zu Digitalisierungsmaßnahmen befragt. Sieben von zehn Unternehmen bewerten New Work Konzepte in funktionsübergreifenden Teams als Erfolgsfaktor zur Entwicklung von digitalen Services und Produkten (70 %). Fast die Hälfte der Unternehmen gestaltet derzeit die eigene Unternehmenskultur um (45 %). 

32 % der Befragten sehen trotz aller Fortschritte einen Rückstand bei den Digitalisierungsmaßnahmen im eigenen Unternehmen.

Hinzu kommt laut 38 % der Befragten eine erhöhte Kostensituation aufgrund der Durchführung von Digitalisierungsmaßnahmen. Die Investitionen der Unternehmen im Bereich Digitalisierung zahlen sich aus: Sechs von zehn Unternehmen haben durch ihre Digitalisierungsmaßnahmen zufriedenere Kunden/-innen.

Sopra Steria & F.A.Z.-Institut, Potenzialanalyse Reality Check Digitalisierung, Dezember 2020
https://www.soprasteria.de/newsroom/publikationen/studien/free/potenzialanalyse-reality-check-digitalisierung
https://www.presseportal.de/pm/50272/4804606


Hybrides Arbeiten wird bevorzugt 


Eine repräsentative Umfrage unter 1.000 Arbeitnehmer*innen von Civey im Auftrag von EY Real Estate ergibt, dass 90 % der Büroangestellten in Deutschland auch zukünftig mind. einmal die Woche remote arbeiten möchten. 76 % bevorzugen sowohl die Arbeit im Büro als auch Remote Work. Dieser Mix steht auch bei den Arbeitgebern hoch im Kurs. Diese Ergebnisse unterscheiden sich weder nach Geschlecht noch bei der Anzahl der im Haushalt lebenden Kinder.

Die Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsort sinkt allerdings mit zunehmendem Alter. Je älter die Befragten, desto stärker ist der Wunsch, entweder nur im Büro oder nur remote zu arbeiten. 76 % der Befragten wollen trotz neuer Möglichkeiten nicht auf den Arbeitsort Büro verzichten. Der meistgenannte Grund hierfür ist die klare Trennung von Arbeit und Privatleben (59 %). 

Auch der soziale Kontakt ist für viele Arbeitnehmer*innen ein Pluspunkt des Büros: So sind Pausen- und Flurgespräche für 51 % der Befragten wichtig. Nachholbedarf sehen die Befragten bei der digitalen Infrastruktur: 35 % bewerten die gestellte Ausstattung für Remote Work als sehr oder eher schlecht. 41 % gaben demnach an, dass sie für den Zugriff auf Unterlagen und Materialien ins Büro müssen.

EY Real Estate Civey Umfrage, Dezember 2020
https://www.ey.com/de_de/news/2020/12/ey-re-transformation-buerowelten-2020



Remote Work in Corona-Zeiten: Beschäftigte wünschen sich mehr Unterstützung


Verstärkte Remote Work in Corona-Zeiten wirkt sich auf die Wahrnehmung von Unterstützung im beruflichen Umfeld aus. Lediglich 24, 9 % der deutschen Beschäftigten fühlen sich in ihren Karriereplänen durch ihr berufliches Umfeld unterstützt. Dies sind im Vergleich zu 2019 7 % weniger. Das ist eins der zentralen Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage der Initiative Chefsache im November 2020 unter 5.000 Studierenden und Berufstätigen.

Immer weniger Befragte haben zudem Lust, eine Führungsposition zu übernehmen. Der Anteil sank hier von 37, 2 % auf 30 %. Dagegen steigt die Flexibilisierung der Arbeit: 48,7 % der Männer* und 43,2 % der Frauen* gaben an, dass ihr Arbeitgeber es gut ermögliche, zeitlich und flexibel zu arbeiten Bei der vorherigen Umfrage im Februar 2020 fanden dies nur 46,2 % der befragten Männer* und 41,9 % bei den Frauen.

Initiative Chefsache, Covid19-Pandemie: Beschäftigte fühlen sich weniger unterstützt, November 2020
https://initiative-chefsache.de/covid19-pandemie-beschaeftigte-fuehlen-sich-weniger-unterstuetzt/
https://www.marktundmittelstand.de/personal/studie-so-wirkt-sich-corona-auf-die-karriere-aus-1296801/



Anwesenheit am Arbeitsplatz ungleich produktive Arbeit 


Home-Office führt nicht zu Produktivitätseinbußen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Fraunhofer IAO und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP) bei 236 Mitgliedern der DGFP. So gaben 51,3 % der befragten Führungs- und Personalverantwortlichen an, dass die Produktivität der Mitarbeitenden trotz gestiegenem Home-Office-Anteil gleichgeblieben ist. 39, 8 % äußerten sogar, dass die Produktivität etwas bzw. stark gestiegen sei.

Die Erfahrungen führen dazu, dass 71,2 % der Befragten künftig mehr auf Home-Office und mobiles Arbeiten setzen wollen, auch nach der Coronapandemie. Hybride Arbeitsmodelle werden somit prägend in der Zukunft der Arbeitswelt sein. Eine Herausforderung bei vermehrtem Home-Office stellt dagegen die Leistungsvermessung dar. Neben messbaren KPIs war hier bisher die persönliche Präsenz der Mitarbeitenden ein entscheidendes Bewertungskriterium für die Führungskräfte. 38 % der Befragten sehen dennoch keine Notwendigkeit zur Anpassung der Leistungsbeurteilung. Unter denen, die einen Handlungsbedarf konstatieren, steht der Wunsch nach Transparenz zur Vermeidung einer ungerechten Arbeitsverteilung an erster Stelle (35 %).

Fraunhofer IAO & Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP), Arbeiten in der Corona-Pandemie Leistung und Produktivität im New Normal, Dezember 2020
https://www.iao.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/aktuelles/produktivitaet-und-homeoffice-schliessen-sich-nicht-aus.html
https://www.haufe.de/personal/hr-management/mitarbeitende-im-homeoffice-eher-produktiver_80_532792.html



Arbeitszufriedenheit steigt bei guter virtueller Führung


56, 1 % der Erwerbstätigen arbeiten mobil. Dies ergibt die Studie „social health@work“ der BARMER und der Universität St. Gallen. Hierbei nehmen 8.000 Erwerbstätige über 3,5 Jahren an einer halbjährlichen Befragung teil. Mobil Arbeitende, die bereits Erfahrung und Kompetenzen mit digitalen Anwendungen haben, sind zudem verglichen mit Beschäftigten ohne dieses Wissen weniger gestresst (- 6,4 %) und leiden weniger unter Schlafproblemen (-18, 3 %). Mobile Beschäftigte, deren Führungskräfte virtuelle Kommunikationstools effektiv nutzen, beziffern ihre Produktivität um 10 % und ihre Arbeitszufriedenheit um 48,3 % höher.

BARMER, social health@work, September 2020
https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/gesellschaft/studie-social-health?redirect=social-health



geringe Kostenbeteiligung der Arbeitgeber fürs Home-Office


Laut einer Befragung unter 2.000 Arbeitnehmer*innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist bei 54 % der Befragten die Ausstattung mit Büromöbeln im Home-Office wesentlich schlechter als in der Organisation. Das wirkt sich beispielsweise auf Rückenschmerzen und Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich aus.

Lediglich bei 18 % der Beschäftigten hat der Arbeitgeber das Home-Office komplett ausgerüstet. Bei 27 % hat der Arbeitgeber sich an der Ausstattung beteiligt. Jede*r fünfte Arbeitnehmer*in trägt die Kosten damit selbst. 37 % der Befragten wünschen sich hier mehr Unterstützung durch den Arbeitgeber, 35 % wünschen sich vom Staat mehr Entlastung.

Aeris GmbH Arbeiten im Home-Office, Januar 2021
https://www.presseportal.de/pm/150541/4810528



Deutsche Arbeitgeber zeigen zu wenig Empathie 

Jeder dritte Beschäftigte fühlt sich in der Corona-Krise mit seinen Sorgen allein gelassen. Das geht aus dem Randstad Arbeitsbarometer hervor, das halbjährlich erscheint und lokale und globale Mobilitätstrends sichtbar macht. Die Befragten arbeiten dabei in Europa, im Raum Asien-Pazifik sowie Nord- und Südamerika. Hierbei wird besonders deutlich, dass die Digitalisierung den Fokus vieler Arbeitgeber darauf lenkt, ihre Beschäftigten mit dem nötigen Equipment auszustatten. So geben 77 % der Beschäftigten an, dass sie die Ausrüstung und Technologie besäßen, um die Digitalisierung in ihrem Beruf zu bewältigen. Besonders Führungskräfte sind in der Krise gefordert, die Beschäftigten bei den Veränderungsprozessen einzubeziehen. 

Ranstad, Arbeitsbarometer, Januar 2021
https://www.presseportal.de/pm/13588/4806745



Beschäftigung von Frauen steigt stetig


Eine Studie des RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung mit Daten aus dem sozio-oekonomischen Panel zeigt: Der Anteil an beschäftigten Frauen* hat deutlich zugenommen. So hat sich etwa seit Ende der 1980er Jahre der Anteil von Frauen* in den bestbezahlten Jobs um rund 75 % erhöht, in den weiteren Berufen um 25 %. Frauen* werden auch in hochbezahlten Berufen tendenziell schlechter bezahlt als Männer*.

Auch in Berufen die primär durch kognitive Tätigkeiten geprägt sind, stieg der Frauenanteil von knapp 29 % auf gut 42 %. Der Anteil von weiblichen Beschäftigten in Routinetätigkeiten stieg dagegen nur um 3 % von 33 auf 36 %. Soziale Kompetenzen spielen bei Frauen* in hochbezahlten Jobs eine besondere Rolle: So ist der Anteil von Psychologinnen, Ärztinnen oder Frauen* im Personalwesen stark gewachsen. Dies könnte Frauen* auch zukünftig in die Karten spielen, da diese Berufe weit weniger durch den technologischen Wandel betroffen sind.

RWI-Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung, Frauenanteil in Berufen, Januar 2021
https://www.rwi-essen.de/presse/mitteilung/424/




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