Dienstag, 19. April 2016

Fachforum zur Studie „Vereinbarkeit 2020“: Warum Mitarbeiterin A nicht wie Mitarbeiter B entscheidet (Teil 1)

Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten


Rege Diskussionen auf dem Fachforum zur Studie
"Vereinbarkeit 2020"
Warum entscheiden sich Beschäftigte bzgl. betrieblicher Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterschiedlich? Liegt es an der jeweiligen beruflichen Phase oder an der Lebensphase des Beschäftigten? Oder ist etwas ganz anderes entscheidend? Diesen Fragen widmeten wir uns in unserem heutigen (19.04.2016) Fachforum „Vereinbarkeit von Beruf und Familie – Lösungen von morgen heute gestalten“ (Leonardo Royal Hotel Frankfurt). Unsere Diskussionsbasis: „Vereinbarkeit 2020 - Eine Studie zu familien- und lebensphasenbewusster Personalpolitik im Zeitalter der Individualisierung“, die wir gemeinsam mit dem Institut für Beschäftigte und Employability IBE, Hochschule Ludwigshafen, durchführten. In der Explorationsstudie gaben über 1.000 Beschäftigte der AOK – Die Gesundheitskasse in Hessen, der Fraport AG, der ING-DiBa AG und der Merz Pharma GmbH & Co.KGaA Einblicke in ihre Lebensentwürfe, Wünsche an die Arbeit, die Führungsebene und die Vereinbarkeit.


"Vereinbarkeit 2020": Eine Studie zu familien- und lebensphasenbewusster Personalpolitik im Zeitalter der Individualisierung"

Link zur Studie "Vereinbarkeit 2020": http://vereinbarkeit2020.berufundfamilie.de/


Von Lebensentwürfen zur individualisierten Personalpolitik


Über das zentrale Ergebnis der Studie "Vereinbarkeit 2020" waren sich die programmgestaltenden Vertreter aus Wissenschaft, von Arbeitgebern sowie aus unserem Auditorenkreis einig:

Eine rein an Berufs- und Lebensphasen orientierte Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben greift zu kurz. Lebensentwürfe sind der Schlüssel für eine gelingende Vereinbarkeitsstrategie und auch für individuelle Karrierewege.
Fachforum-Programm zur Studie "Vereinbarkeit 2020":
Ein Tag im Zeichen von Lebensentwürfen und einer individualisierten Personalpolitik

Prof. Dr. Jutta Rump vom IBE ordnete die Studienergebnisse in den Gesamtkontext der familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik ein:
Prof. Dr. Jutta Rump, IBE, Hochschule Ludwigshafen,
über die Studie "Vereinbarkeit 2020"

  • Die Studie "Vereinbarkeit 2020" hat drei zentrale Lebensentwürfe identifiziert:
    • Während für Cluster A – dem größten Anteil der Beschäftigten – die eigene Familie / Partnerschaft ganz oben auf der Präferenzliste steht, ist es bei Cluster B der Beruf / die Arbeit und bei Cluster C die finanzielle Unabhängigkeit.
  • Das hat Folgen für die Politik der Vereinbarkeit: Individuelle Lebensentwürfe müssen in der Vereinbarkeit abbildbar sein.
  • Maßnahmen sollten flexibel auf den jeweiligen Lebensentwurf ausgestaltet werden können.
Doch es gibt auch Grenzen der Individualisierung. Nicht jeder individuelle Wunsch ist mit den betrieblichen Abläufen vereinbar. Das muss deutlich artikuliert werden.

Die neue Vereinbarkeit: Vereinbarkeit 2020


Birgit Weinmann, Auditorin der berufundfamilie Service GmbH
Stellen Sie sich etwa folgendes Szenario vor: Zwei Beschäftigte eines Unternehmens stehen zeitgleich vor der Frage, wie sie für eine gute Vereinbarkeit ihres Berufs mit der Pflege ihres nahen Angehörigen sorgen können. Während die Beschäftigte Meier gerne ein betriebliches Angebot wie die Vermittlung eines Pflegeplatzes nutzt, entscheidet sich der Beschäftigte Müller anders: Er möchte die Pflege lieber persönlich übernehmen und dafür mehr Freiräume von seinem Arbeitgeber erhalten. Unsere Auditorin Birgit Weinmann, die die Studie "Vereinbarkeit 2020" mit konzipierte und begleitete, begegnen diese und andere individuellen Entscheidungs- und Motivationsmuster von Beschäftigten ständig. Für sie ist klar: Der Megatrend der Individualisierung macht auch vor der Arbeitswelt keinen Halt. Personalpolitisch zeigen sich aber derzeit kaum Reaktionen:
  • Die meisten Arbeitgeber fokussieren ihrer Erfahrung nach derzeit auf eine reine berufs- und lebensphasenorientierte Vereinbarkeitsstrategie.
  • Doch diese greift zu kurz. Erst der Lebensentwurf-Ansatz bietet Zugang zu einer zukunftsorientierten individualisierten Personalpolitik.
  • Auch Beschäftigte, die keine Familienaufgaben im engeren Sinne haben, sind Zielgruppe der Vereinbarkeit.
  • "Vereinbarkeit 2020" bedeutet, die Instrumente zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben so zu vernetzen, dass sie sich auf unterschiedliche Lebensentwürfe adaptieren lassen, ohne dabei beliebig zu werden.
  • Hier sind Aushandlungsprozesse zwischen Führungskräften und Beschäftigten zu etablieren.


Ausblick

Doch: Welche Herausforderungen bringt das mit sich? Welche Ansätze und Lösungen sind bereits in Betrieben vorhanden? Und welche Grenzen hat eine derart individualisierte Vereinbarkeitspolitik? Diesen Fragen gehen wir in unserem zweiten Beitrag zum Fachforum nach, der in Kürze in diesem Blog folgt.

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