Dienstag, 2. Juli 2019

Vereinbarkeit in Zahlen: Viel Luft nach oben

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt (©berufundfamilie Service GmbH)

Die Generation Z gilt als eine fordernde Beschäftigtengruppe. Dass sich auch die Vorgängergeneration – die Millennials – Verbesserungen ihrer persönlichen Arbeitswelt wünschen, legt eine aktuelle Studie offen. In unserer aktuellen Ausgabe der Blog-Serie „Vereinbarkeit in Zahlen“ geht es außerdem um Teamarbeit, Home-Office, Männer und Elternzeit, Arbeit und Alter, Eigenkündigungen sowie die Attraktivität von Deutschland für ausländische Beschäftigte und Studierende.


Teamarbeit gewünscht


82 % der deutschen Beschäftigten bejahen die Aussagen „Teamarbeit macht meine Arbeit angenehmer.“ oder „Teamarbeit steigert meine Produktivität.“. Damit ist Deutschland der größte Befürworter für Teamarbeit – im Vergleich zu Frankreich, USA und Großbritannien. Explizit gegen Teamarbeit sprechen sich in Deutschland 18 % der Beschäftigten aus.

Allerdings bildet Deutschland das Schlusslicht bzgl. Teamarbeit über Bürogrenzen hinweg: Fast jeder fünfte Beschäftigte (19 %) hat nach eigener Angabe noch nie mit Kolleg*innen, die in anderen Büros oder im Home-Office tätig sind, zusammengearbeitet zu haben. In Großbritannien sind dies 12 %, in den USA und in Frankreich jeweils 11 %.

Wrike, Wrike Happiness Index 2019, April 2019
https://www.wrike.com/de/blog/wrike-happiness-index-2019-team-zusammenarbeit/



Ausbaufähiges Home-Office


26 % aller Betriebe in Deutschland ermöglichen Home-Office. Der Anteil der Beschäftigten, die gelegentlich das heimische Büro nutzen, liegt bei 22 %; das bedeutet von 2013 an lediglich einen Anstieg um 3 %. 63 % der Home-Office-Nutzer tun dies ausschließlich stundenweise. Ganze Home-Office-Tage sind eher selten.

Allerdings: 40 % der Beschäftigten, die innerhalb der normalen Arbeitszeit immer wieder mal berufliche Aufgaben von zu Hause erledigen, beklagen eine Entgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit. Für 19 % leidet der Kontakt zu ihren Kolleg*innen unter regelmäßigem Home-Office. 4 % meinen, ihre Chefs gehen davon aus, dass sie im Home-Office weniger leisten.

Interessant: 2/3 derjenigen, die kein Home-Office nutzen, lehnen die Arbeit von zu Hause auch grundsätzlich ab. Gleichzeitig wünscht sich jeder 9. Beschäftigte die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, bekommt diese aber nicht – trotz dafür geeigneter Tätigkeit. Diese Beschäftigten sind unzufriedener als diejenigen, die zumindest gelegentlich das Home-Office nutzen können.

IAB & ZEW, Mobile Arbeitsformen aus Sicht von Betrieben und Beschäftigten, Juni 2019
https://www.iab.de/de/informationsservice/presse/presseinformationen/kb1119.aspx
http://doku.iab.de/kurzber/2019/kb1119.pdf



Motivierte Männer durch Elternzeit


Wie lange Männer Elternzeit nehmen, ist abhängig Die vermuteten Reaktionen innerhalb der Organisation und damit das Führungsverhalten sind entscheidend dafür, wie lange Männer Elternzeit nehmen.

Erfahren Männer Unterstützung in Sachen Elternzeit, erhöht sich deren Arbeitszufriedenheit und -motivation deutlich. Gleichzeitig „trauen sich“ männliche Kollegen eher, ebenfalls in Elternzeit zu gehen. Der positive Gesamteffekt: Die Reputation des Arbeitgebers ist deutlich positiver.

SRH-Fernschule, Väter in Elternzeit, Mai 2019
https://idw-online.de/de/news715490
https://idw-online.de/de/attachmentdata71877.pdf



Unzufriedene Generation Y


Die Generation Y – auch Millennials genannt – ist weltweit gesehen im Berufsleben zunehmend unzufrieden. Die zwischen 22- und 37-Jährigen sind weniger von Zielen und der Mission ihres Arbeitgebers inspiriert als die Babyboomer (Jahrgänge 1946 bis 1964) und die Generation X (Jahrgänge 1965 bis 1980). Im Vergleich zu älteren Generationen sind sie zudem mit ihrer Vergütung besonders unzufrieden. Die Generation Y sieht auch ihre Fähigkeiten im Job unterschätzt: Im Gegensatz zu ihren älteren Kolleg*innen meinen sie nicht, in ihrer täglichen beruflichen Tätigkeit, das was sie am besten können, zu tun.

Peakon, Working Better Together, Mai 2019
https://heartbeat.peakon.com/reports/working-better-together/
siehe auch: https://www.personalwirtschaft.de/der-job-hr/arbeitswelt/artikel/millennials-sind-unzufriedener-im-job-als-die-generation-x-und-die-babyboomer.html


Ältere Beschäftigte: Gute Vereinbarkeit als Bindeglied


Personalverantwortliche nennen diverse Gründe für die aktive Einbindung von älteren Beschäftigten: Für 89 % ist das langjährige Know-how der entscheidende Vorteil, 86 % verweisen auf die hohe Verantwortungsbereitschaft der älteren Generation. Zudem werten ¾ der Personaler die abgeschlossene Familienplanung und die damit verbundene Planungssicherheit als positiv.

Die langfristige Bindung älterer Beschäftigter bedarf nach Ansicht der HR-Experten mehrerer Faktoren: 93 % sprechen sich für eine optimale Work-Life-Balance aus; für 91 % bieten spezielle Vergütungen einen guten Anreiz für ältere Beschäftigte. 84 % sehen in neuen Einsatzbereichen (z.B. Mentoren-Programme für jüngere Beschäftigte) gute Chancen für eine Bindung älterer Beschäftigter. Flexible Arbeitszeitmodelle wurden explizit von 87 % sowie Mitarbeiter-Motivation und berufliche Anerkennung von 79 % für das Gelingen von „Arbeit und Alter“ genannt.

BWA, Trendreport – Digitalisierung und Arbeitsmarkt 2019, April 2019
https://www.presseportal.de/pm/74029/4236744



Vermehrte Eigenkündigungen


Knapp die Hälfte der Personalverantwortlichen hierzulande (47 %) gibt an, dass sich die freiwillige Mitarbeiterfluktuation in ihrem Unternehmen während der letzten drei Jahre erhöht hat. Entsprechend besteht für 1/3 von ihnen die größte Herausforderung beim Talent Management.

Folgende Gründe für die Eigenkündigungen der Beschäftigten gaben die Personaler an:
  • zu niedriges Gehalt (34 %)
  • fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (32 %)
  • fehlende berufliche Entwicklungsmöglichkeiten (30 %)
  • schlechtes Zurechtkommen mit den Kollegen (24 %)
  • mangelnde Freiheit (23 %)
Allerdings unterscheiden sich die Abwanderungsründe je nach Unternehmensgröße: Vor allem bei mittelständischen Unternehmen (KMU) spielt die fehlende Vereinbarkeit eine wesentliche Rolle (35 %).

Robert Half, Mitarbeiterfluktuation/ Kündigungen, März 2019
https://www.roberthalf.de/unsere-zusammenarbeit/news-info-center/aktuelle-studien
siehe auch: https://www.personalwirtschaft.de/fuehrung/mitarbeiterbindung/artikel/personalleiter-in-deutschland-stellen-steigende-mitarbeiterfluktion-fest.html



Attraktives Deutschland, aber nicht für alle


‌Insgesamt ist Deutschland für Studierende sowie für Unternehmer*innen ein besonders attraktives Ziel. Für Studierende liegt Deutschland auf Platz 3 der besten OECD-Länder. Vor Deutschland liegen nur die Schweiz und Norwegen. Für Unternehmer*innen liegt Deutschland auf Platz 6 der Attraktivitätsskala – davor sind Kanada, Neuseeland, die Schweiz, Schweden und Norwegen.

Doch bei hochqualifizierten Fachkräften liegt Deutschland nur knapp über dem OECD-Durchschnitt. Für das Studium kommen junge Menschen zwar nach Deutschland, ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland werden derzeit aber nur schwer gebunden oder angelockt.

OECD, OECD Indicators of Talent Attractiveness, April 2019
https://www.oecd.org/berlin/presse/talent-attractiveness-29052019.htm

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