Donnerstag, 26. September 2019

Wake up!: Digitalisierung im Sinne der Vereinbarkeit?

Mobiles Arbeiten – die Digitalisierung macht‘s möglich (©deathtothestockphoto.com)

Wenn Sie an Ihre letzte Langstreckenzugfahrt denken, sehen Sie sie dann auch vor sich – die Massen an Beschäftigten, die im Abteil am Laptop saßen, Präsentationen erarbeiteten, E-Mails beantworteten…? Und haben Sie sich noch im Ohr, die Telefonate über Produktionsabläufe oder anstehende Deadlines…? Vielleicht gehören Sie ja auch zu der steigenden Zahl an Beschäftigten, die die digitalen Möglichkeiten nutzen, um im Home-Office oder mobil zu arbeiten. Inwieweit nützt die Digitalisierung der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben? Was sind die Fallstricke? Ein Kurzinterview dazu mit unserem Geschäftsführer Oliver Schmitz. Dazu noch ein Veranstaltungstipp.


Herr Schmitz, Digitalisierung und Vereinbarkeit – wie hängen sie zusammen?


Digitalisierung führt zu Veränderungen in der Arbeitsorganisation. Es gibt neue Instrumente und häufig auch eine Veränderung in der Kultur der Zusammenarbeit. Die Selbstverantwortung steigt, gleichzeitig wird Arbeit aber auch häufig besser erfass- und analysierbar. Arbeit und Privatleben kann durch die theoretische Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit bei der Nutzung moderner Medien entgrenzter werden.

In all den Veränderungen stecken Chancen und Risiken für die Vereinbarkeit. Daher muss bei den Veränderungen der Aspekt Vereinbarkeit von Anfang an berücksichtigt werden. Es ist zu vermeiden, im Anschluss Anpassungen vornehmen zu müssen, um Beschäftigte weiterhin erfolgreich binden und gewinnen zu können.


Was verändert sich konkret durch die Digitalisierung?

Die Digitalisierung ist sehr vielfältig, so dass man die Auswirkungen auch nur schwer pauschalisieren kann. Bei der einen Organisation bedeutet Digitalisierung die Einführung einer E-Akte – unter Beibehaltung der vorhandenen Strukturen; bei einer anderen Organisation bedeutet es gleichzeitig die Einführung komplett neuer Berufsbilder oder auch neuer Organisationsformen.

Klassische Handlungsfelder wie Arbeitszeit, Arbeitsorganisation und Arbeitsort sind meistens direkt betroffen: Dort tun sich neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zur Flexibilisierung auf. Aber auch Service-Leistungen können ganz anders zur Verfügung gestellt werden und es gibt auch neue Möglichkeiten Weiterbildung zu organisieren, was wiederum Einfluss auf Karrieremöglichkeiten hat – auch in Verbindung mit familiären Aufgaben.

Führung verändert sich. Durch mehr Selbstverantwortung bei den Beschäftigten übernimmt die Führung zunehmend die Rolle eines Coaches oder Mentors. Dies muss auch dazu genutzt werden, Führungsaufgaben allgemein attraktiver zu gestalten. Auch hier ist Vereinbarkeit zu ermöglichen. In Zeiten steigenden Fachkräftemangels müssen auch Führungspositionen so gestaltet sein, dass sie für nachrückende Fachkräfte erstrebenswert sind.


Werden durch die zunehmende Digitalisierung bestehende Vereinbarkeitsmöglichkeiten eventuell eingeschränkt? Wiegen sich neu ergebende Möglichkeiten dies auf?

Die neuen Möglichkeiten müssen nicht nur aufwiegen, sondern sollten sogar genutzt werden, um zu einer Arbeitswelt beizutragen, bei der Vereinbarkeit noch besser ermöglicht wird. Das ist aber nicht selbstverständlich, denn die Risiken, dass die Belange der einzelnen Beschäftigten bei der rasanten Geschwindigkeit der Entwicklungen negativ beeinträchtigt werden, sind mindestens ebenso groß wie die Chancen, die bestehen, wenn die Themen Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben parallel mit entwickelt werden.


Wie finden Arbeitgeber konstruktiven Umgang mit diesen Veränderungen – und das im Sinne der Vereinbarkeit?

Auch bei neuen Arbeitsformen, die stark durch die Digitalisierung geprägt sind, wird letztendlich die Kultur über den Erfolg entscheiden. Daher sollte eine gute Einbindung der Beschäftigten stattfinden und auch darauf geachtet werden, welchen Einfluss Veränderungen auf unterschiedliche Lebensphasen und Lebensmodelle haben.

Wichtig ist es, vorhandene Regeln und Abläufe zu hinterfragen. Manchmal muss auch ein alter liebgewonnener Zopf abgeschnitten werden: Ist zum Beispiel ein Dienstwagen noch das große Incentive oder in Zeiten der Digitalisierung und dem zunehmenden Wunsch nach mehr Vereinbarkeit vielleicht doch eher die Möglichkeit flexibel zu arbeiten und die Aussicht zu haben, auch mal ein Sabbatical einlegen zu können?

Wenn bei Prozessen der Digitalisierung das Thema Vereinbarkeit direkt mit bedacht wird, ergeben sich in der Regel mannigfaltige Möglichkeiten. Aber Achtung! Neben den Belangen der Vereinbarkeit und den betrieblichen Belangen sind auch die Belange der Teams und der Kolleg*innen mit zu berücksichtigen. Wir nennen das den Vereinbarkeits-Trialog, der zwischen diesen Gruppen sicherzustellen ist. Niemand darf am Ende einen dauerhaften Nachteil haben. Auch hier gilt es, eine Kultur des Gebens und Nehmens zu etablieren.


Interesse an direktem Austausch?


Der Fragestellung „Digitalisierung – und was ist mit der Vereinbarkeit?“ widmen wir auch einen Workshop, der unter dem Dach der Veranstaltungsreihe „Wake up! – Das Frühstück für Personaler*innen“ stattfinden wird. Diskutiert wird, welche Chancen die Digitalisierung für neue Vereinbarkeitslösungen bietet, und welche bestehenden Vereinbarkeitsmöglichkeiten in der neuen Arbeitswelt keinen Platz mehr finden. Hier die Eckdaten der Veranstaltung:

Wake up! – Das Frühstück für Personaler*innen:
„Digitalisierung – und was ist mit der Vereinbarkeit?“


Veranstaltungstermin:
Dienstag, 15. Oktober 2019, 10.00 - 12.00 Uhr

Veranstaltungsort:
hbw ConferenceCenter (Haus der Bayerischen Wirtschaft)
Max-Joseph-Straße 5
80333 München

Anmeldung per E-Mail an:
service@berufundfamilie.de

Weitere Infos gibt es hier.

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