Mittwoch, 23. September 2020

Schlechte Vereinbarkeit – hohe Kündigungsgefahr unabhängig von Berufsbildung der Beschäftigten

Unabhängige Zertifizierung, die auf kontinuierliche Verbesserung der Vereinbarkeitsangebote abzielt – das macht Arbeitgeber in den Augen Beschäftigter attraktiver, egal welche Berufsbildung diese haben (©deathtothestockphoto.com)

Ist Beschäftigten mit Studienabschluss oder einem höheren akademischen Grad die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben bei der Wahl eines Arbeitgebers wichtiger als Beschäftigten ohne Abschluss? Welche Kriterien sollte ein Vereinbarkeitszertifikat z.B. nach Meinung der Erwerbstätigen mit Berufsausbildung erfüllen? Antworten in diesem Blog, der die Ergebnisse unserer Civey-Umfrage mit Blick auf die Berufsbildung der Beschäftigten zeigt.

Fest steht: Egal welche Berufsbildung Beschäftigte haben, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben ist ihnen bei der Wahl ihres Arbeitgebers wichtig. Allerdings scheinen Erwerbstätige, die eine Berufsausbildung genossen haben, verstärkt Wert darauf zu legen, dass der (potenzielle) Arbeitgeber Vereinbarkeitslösungen anbietet: 78,1 % von ihnen ist die Vereinbarkeit bei der Arbeitgeberwahl wichtig. Bei den Beschäftigten, die sich noch in der Ausbildung befinden, finden 77,9 % Vereinbarkeitsangebote essenziell, bei Beschäftigten mit Studienabschluss oder einem höheren akademischen Grad sind es 73,8 % und bei Beschäftigten ohne Abschluss 71,4 %. 

Ist ein Arbeitgeber attraktiver, wenn dieser für die Vereinbarkeit unabhängig zertifiziert ist?


Die unabhängige Zertifizierung für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben spielt bei Beschäftigten unabhängig von deren Berufsausbildung eine Rolle. 56,7 % Erwerbstätige mit Berufsausbildung finden einen Arbeitgeber attraktiver, wenn dieser ein unabhängiges Zertifikat für die Vereinbarkeit trägt. In den Augen von 48,9 % der Erwerbstätigen mit Studium oder einem höheren akademischen Abschluss steigt die Arbeitgeberattraktivität mit einem Vereinbarkeitszertifikat. Bei Beschäftigten, die sich noch in Ausbildung befinden, denken so 48,1 % und bei den Beschäftigten ohne Abschluss 41,2 % entsprechend. Während also sechs von zehn Beschäftigten mit Berufsausbildung meinen, ein unabhängig für die Vereinbarkeit zertifizierter Arbeitgeber sei attraktiver, sind es bei den Erwerbstätigen ohne Abschluss vier von zehn.

Zertifizierte Arbeitgeber locken also Erwerbstätige – egal mit welcher Berufsbildung: Sechs von zehn (58,4 %) Erwerbstätigen, die sich noch in der Ausbildung befinden, würden sich bei gleichen Bedingungen eher für einen Arbeitgeber entscheiden, der für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben zertifiziert ist. Bei den Beschäftigten mit Berufsausbildung sind es 54,2 %, und bei den Erwerbstätigen ohne Abschluss 53,4 %. Am wenigsten, aber immer noch über die Hälfte (51,5 %) sind es bei den Erwerbstätigen mit Studienabschluss oder einem höheren akademischen Abschluss.

Doch eine Zertifizierung für die Vereinbarkeit muss von den Arbeitgebern mit Leben gefüllt werden. Finden Arbeitnehmende, dass sie Beruf, Familie und Privatleben bei ihrem Arbeitgeber schlecht vereinbaren können, ist die Gefahr für eine Kündigung groß. Der größte Anteil derjenigen, die in der schlechten Vereinbarkeit einen Grund für einen Jobwechsel sehen, findet sich bei den Erwerbstätigen, die noch in der Ausbildung sind: 78,7 %. Für 67,4 % der Beschäftigten in Ausbildung wäre die mangelnde Vereinbarkeit sogar in jedem Fall ein Wechselgrund.

Die zweitgrößte Gruppe derer, die in der schlechten Vereinbarkeit als Grund für einen Jobwechsel sehen, gehört zu den Beschäftigten mit Berufsausbildung: 69,5 %.

Bei den Beschäftigten ohne Abschluss sind es 67,2 % und bei den Erwerbstätigen mit Studium oder einem höheren akademischen Abschluss 61,1 %.

Unabhängiges Zertifikat und kompetente Beratung: Die Wünsche an Zertifikat und Zertifizierungsanbieter

Welche Kriterien sollte ein Zertifikat für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erfüllen? Gibt es Unterschiede bei den Wünschen je nachdem, welche Berufsbildung die Beschäftigten durchlaufen (haben)? Eher weniger, denn: Egal welche Berufsbildung die Befragten haben, liegen folgende drei Kriterien für ein Vereinbarkeitszertifikat bei ihnen auf den vorderen drei Rängen:
  • die externe und unabhängige Begutachtung,
  • der Nachweis kontinuierlicher Verbesserung und
  • die Bewertung des aktuellen Stands
Auffällig ist, dass der Anteil derer, die die Kriterien für wichtig erachten, bei den Beschäftigten ohne Abschluss besonders hoch ist.




Wie steht es bezüglich eines Anbieters von Zertifizierungen zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben? Welche Kriterien sollte dieser in den Augen der Beschäftigten erfüllen?

Mit Blick auf die Berufsbildung der Erwerbstätigen zeigen sich deutliche Unterschiede bzgl. des Zuspruchs zu einzelnen Kriterien, die bei einem Zertifizierungsanbieter für die Vereinbarkeit für wichtig erachtet werden. Geht es um eine reines Top 3-Ranking der Kriterien, dann kommen – mit Ausnahme der Beschäftigten, die sich noch in der Ausbildung befinden – alle Erwerbstätige überein:

Auf Rang 1 liegt die Unabhängigkeit des Zertifizierungsanbieters. Während sich nahezu sieben von zehn (67,7 %) Beschäftigte ohne Abschluss für dieses Kriterium aussprechen, sind es bei den in Ausbildung befindlichen Beschäftigten gut 14 % weniger (53,5 %), aber immer noch gut die Hälfte. Bei den Beschäftigten mit Studium oder mit einem höheren akademischen Abschluss finden 47,3 % die Unabhängigkeit wichtig, bei den Beschäftigten mit Berufsausbildung sind es 37,8 %.

Die fachliche Kompetenz in der Begleitung durch einen Zertifizierungsanbieter finden 37,7 % der Akademiker wichtig. 36,9 % der Erwerbstätigen ohne Abschluss schließen sich dieser Meinung an. Bei den Beschäftigten mit Berufsausbildung finden 36,5 % die fachliche Kompetenz in der Begleitung wichtig und bei den noch in Ausbildung befindlichen Beschäftigten knapp jeder Vierte (24,4 %).

27,3 % der Beschäftigten finden die langjährige Erfahrung eines Anbieters für die Zertifizierung von Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben wichtig. Bei den Beschäftigten in Ausbildung (22,4 %), mit Studium oder einem höheren akademischen Abschluss (20,8 %) und mit Berufsausbildung (20,4 %) findet die langjährige Erfahrung jeder Fünfte wichtig.

Beschäftigte, die sich noch in der Ausbildung befinden, sprechen sich anteilig mehr für die bundesweite Präsenz des Zertifizierungsanbieters (25,9 %) und dessen weitergehende Angebote – wie Netzwerk, Seminare – (25,6 %) aus als für die fachliche Kompetenz in der Begleitung (24,4 %) und die langjährige Erfahrung (22,4 %).

Interessiert an weiteren Infos? Dies gibt es in der Rubrik „Studien“ auf unserer Website.


Das Meinungsforschungsunternehmen Civey führte im Auftrag der berufundfamilie Service GmbH im September 2019 eine Umfrage durch, die von 2.500 Personen beantwortet wurde. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Erwerbstätige in Deutschland ab 18 Jahren. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 3,5 Prozent. Die dargestellten Detailergebnisse beziehen sich auf die gefilterte Zielgruppe „Erwerbstätige gesamt nach Berufsbildung“. 

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