Donnerstag, 29. April 2021

Vereinbarkeit in Zahlen: Flexibilisierung erwünscht

Stichwörter zum Thema Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)


78 % der Arbeitgeber schafften flexible Lösungen für ihre Beschäftigten zur besseren Vereinbarkeit während Corona. 40 % der Beschäftigten fürchten um ihren Job durch die beschleunigte Digitalisierung. Home-Office hat Auswirkungen auf die Gesundheit und Frauen sind häufiger von Zoom-Fatigue betroffen. Mehr aus der Studienwelt rund um die Vereinbarkeit in unserer neuen Ausgabe der Blogserie „Vereinbarkeit in Zahlen“
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Flexibilität und individuelle Lösungen hoch im Kurs 

 

Die aktuelle Randstad-ifo-Personalleiterbefragung ergibt: Viele Arbeitgeber schaffen flexible Lösungen, um ihre Beschäftigten während der Pandemie bei der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu unterstützen. 78 % schafften Home-Office-Regelungen und entzerrten Arbeitszeiten. 66 % der Organisationen ermöglichten in Ausnahmesituationen Sonderurlaub. Insbesondere diese Angebote zum flexiblen Arbeiten nutzen die Beschäftigten zur besseren Vereinbarkeit.

So nutzten 67 % der Beschäftigten die Möglichkeit zur Entzerrung der Arbeitszeit. 65% griffen auf die angebotenen Home-Office-Regelungen zurück. Weiter 43% der Mitarbeitenden nahmen sich den ermöglichten Sonderurlaub.

Darüber hinaus boten 28 % der Arbeitgeber ihren Beschäftigten erweiterte Betreuungsangebote in ihren betriebseigenen Kitas an. Dieses Angebot nutzten allerdings nur 3 % der Beschäftigten. Ähnlich sieht es bei der Nutzung digitaler Betreuungsangebote aus. Lediglich 5 % nahmen diese in Anspruch, wobei sie von 29 % der Organisationen angeboten wurden.

Die Randstad-ifo-Personalleiterbefragung findet quartalsweise im Auftrag des Personaldienstleisters Randstad durch das ifo-Institut statt. Hierbei werden bis zu 1.000 Personalverantwortliche in deutschen Betrieben befragt. Die Sonderbefragung im vierten Quartal 2020 befasste sich mit den Auswirkungen der Coronapandemie auf Entlohnung, Arbeitsorganisation und Personalplanung.

Randstad & ifo-Institut, Randstad-ifo-Personalleiterbefragung, März 2021
https://www.presseportal.de/pm/13588/4875500


Hohe Akzeptanz für Coming-Out, Nachholbedarf bei der Akzeptanz für Förderung benachteiligter Gruppen


Eine repräsentative Umfrage von YouGov im Auftrag von Indeed unter 1.027 Beschäftigten zeigt, inwieweit LGBTQIA-Themen und Personen, die diesen Gruppen angehören, am Arbeitsplatz akzeptiert werden. Es zeigt sich, dass die Akzeptanz am Arbeitsplatz für ein Coming-Out von Mitarbeitenden mehrheitlich vorhanden ist. Die größte Akzeptanz gibt es hierbei für Homosexuelle (66%), dann folgt Bisexualität (63 %) 51 % der Befragten gaben an, dass sie eine ausgeprägte bis vollkommene Akzeptanz für Transgender in ihrem Betrieb wahrnehmen.
 
Bei der persönlichen Akzeptanz der Befragten zu einem Coming-Out sahen 43% keinen Grund, sich nach einem Outing anders zu verhalten. 4% dagegen gaben an, sie wären nach einem Coming- Out im anschließenden Umgang irritiert.
45% der Beschäftigten würden eine*n Kolleg*in, der*die aufgrund der sexuellen Orientierung oder Identität diskriminiert wird, offen verteidigen. 26 % würden solche Diskriminierungen an den Betriebsrat oder die Führungskraft melden. 
 
Die Mehrheit der Befragten sieht auch die Zusammenarbeit unproblematisch. 80 % der Befragten haben kein Problem mit homo- oder bisexuellen Kolleg*innen zusammenzuarbeiten, 72 % sagen dies auch in Bezug auf Transgender. Es zeigt sich jedoch: Männer* haben häufiger ein Problem damit, mit einer Transgenderperson zusammen zu arbeiten. 8 % von ihnen geben an, dass eine Zusammenarbeit für sie sehr problematisch wäre. Dieser Anteil lag bei den befragten Frauen* bei 3 %. Die Förderung von benachteiligten Gruppen bewerten einige der Befragten kritisch. So gaben 25 % der Befragten an, dass die Förderung von vermeintlich benachteiligten Gruppen wie der LGBTQIA-Community überhandnehme. 1/3 der Befragten, die dieser Aussage zustimmten, war männlich*. 18 % waren Frauen*.


YouGov & Indeed, Befragung von 1.027 Beschäftigten, März 2021
https://persoblogger.de/2021/04/07/coming-out-am-arbeitsplatz-breite-akzeptanz-und-offener-umgang/


Home-Office und Digitalisierung – Viele Chancen, Viele Hürden
 

Eine weltweite Befragung zu Ängsten und Hoffnungen durch das Beratungsunternehmen PwC in 20 Ländern zeigt, dass 40 % der Befragten befürchten, dass ihr Job durch die beschleunigte Digitalisierung in Corona-Zeiten wegfällt. Es wurden hierzu 32.517 Erwerbstätige, Arbeitssuchende und Studierende online befragt, 2001 von ihnen in Deutschland.

In Deutschland lag dieser Anteil bei lediglich 22%. Die Mehrheit der deutschen Beschäftigten ist für die neuen Technologien und sieht bei sich selbst Handlungsbedarf in Sachen Anwendung. 1/3 der Befragten aus Deutschland gab an, dass ihre digitalen Fähigkeiten nicht ausreichend für den Job seien.

Die weltweit Befragten wünschen sich zudem hybrides Arbeiten. 3/4 der Befragten waren für eine Mischung aus Präsenzarbeit und mobilen Arbeiten. In Deutschland waren es über 40 % der Beschäftigten.

Die Coronapandemie hat zu einer Etablierung von Home-Office rund um den Globus beigetragen. 45 % der Beschäftigten arbeiten aufgrund der Pandemie von zuhause aus. Der Anteil ist in Deutschland geringer. Grund dafür ist eine fehlende Verpflichtung zum Home-Office. In Großbritannien oder den USA lag dagegen die Büroarbeit in 2020 nur bei 10 % in Deutschland dagegen bei 30%.

In Deutschland möchten insbesondere ältere Beschäftigte wieder so schnell wie möglich, an ihren alten Arbeitsplatz zurückkehren. Im internationalen Vergleich möchten dies nur 9 % der Befragten. wieder zurück zu den Verhältnissen vor Corona, das sind wesentlich weniger als hierzulande.

PwC, Hopes & Fears, April 2021
https://www.br.de/nachrichten/wirtschaft/digitalisierung-and-homeoffice-mehr-chancen-aber-nicht-fuer-alle,STu34Ab
 

Gesundheitliche Probleme im Home- Office nehmen zu


Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Prüfungskonzerns Dekra unter 1.500 Arbeitnehmenden zwischen 18 und 65 Jahren klagt jeder dritte Befragte über gesundheitliche Probleme im Home-Office. 36 % der Beschäftigten hatten insbesondere Kopf- oder Rückschmerzen und Verspannungen aufgrund eines schlecht ausgestatteten, nicht- ergonomischen Arbeitsplatzes. Frauen* sind hierbei häufiger betroffen als Männer*.

34 % der Arbeitnehmenden gaben zudem an, dass es ihnen an der richtigen Ausstattung fehle. Als Beispiel hierfür wurden unter anderem zu kleinen Bildschirmen angeführt. Bei weiteren 32 % schlichen sich längere oder untypische Arbeitszeiten (z.B. Wochenendarbeit) ein.

30 % der Befragten gab zudem an, sich durch die Wohnsituation oder durch Familienangehörige im Home-Office gestört zu fühlen. Auch das Fehlen von klar abgegrenzten Arbeitsbereichen störte 27% der mobil Arbeitenden. 23% bemängelten eine fehlende Wahrnehmung durch den Arbeitgeber oder Aufmerksamkeit der Führungskraft. Weitere 21 % hatten mit Problemen bei der IT-Ausstattung im Home-Office zu kämpfen.

Dekra & Forsa, Umfrage zur Zufriedenheit im Home-Office, April 2021
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/homeoffice-jeder-dritte-klagt-ueber-gesundheitliche-probleme-17294215.html
https://www.swr3.de/aktuell/nachrichten/studie-homeoffice-beschwerden-100.html



Beschäftigte wünschen sich weniger Arbeitszeit


Ein Großteil der Beschäftigten in Deutschland würde die Arbeitszeit reduzieren. Dies offenbart eine Studie, die das ifo Institut im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ausgewertet hat. Insbesondere Männer* würden gerne weniger arbeiten. Laut der Studie gaben 50 % der befragten Männer* an, dass sie gerne weniger arbeiten würden, als es zurzeit der Fall ist. Bei Frauen* waren es 41%. Die durchschnittliche Arbeitszeit der Männer* lag bei 41 Stunden, gewünscht wären 37 Stunden. Bei den Frauen* waren es 32 Stunden und der Wunsch lag bei 30 Stunden im Schnitt. Alle Beschäftigten würden für diese Reduzierung auch Gehaltsverluste in Kauf nehmen. Bei den Frauen* zeigt sich zudem, dass jede sechste Frau gern mehr arbeiten würde (17%). Bei den Männern* lag dieser Anteil bei 9%.

Ifo-Institut & Bertelsmannstiftung, Zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Unter- und Überbeschäftigung auf dem deutschen Arbeitsmarkt, März 2021
https://www.ifo.de/node/62479


Frauen sind häufiger von Zoom- Fatigue betroffen


Mit dem vermehrten Home-Office in der Corona-Zeit stieg auch die Anzahl an Videocalls. Diese empfinden viele Beteiligte mittlerweile als ermüdend. Das Phänomen „Zoom-Fatigue“ war geboren. Eine Studie der schwedischen Universität Göteborg und der amerikanischen Stanford University offenbart, dass Frauen* häufiger und stärker von Müdigkeit und Erschöpfung durch virtuelle Meetings belastet sind als Männer*. An der Studie nahmen 10.000 Teilnehmer*innen teil, die alle ungefähr gleich viele Videokonferenzen hatten.

14 % der befragten Frauen* gaben an, dass sie sich nach einem Videocall extrem müde fühlen, bei Männern* lag dieser Anteil lediglich bei 5,5 %. Hauptgründe hierfür seien die Häufigkeit, die Länge und die Pausen zwischen den Videoanrufen haben, die mental belasten würden. Frauen* waren laut der Befragung häufig in längeren Meetings und hatten weniger Pausen zwischen den einzelnen Terminen. Darüber hinaus gab eine Mehrheit der weiblichen Beschäftigten an, dass sie sich gefangen fühlten, wenn sie im Sichtfeld der Kamera bleiben müssten, um so sichtbar für die Teilnehmenden der Videokonferenz zu sein.

Persönlichkeit, Hautfarbe und Alter hatten ebenso einen Einfluss darauf, wie anstrengend solche virtuellen Meetings für die betroffenen Personen sind. So waren insbesondere jüngere, introvertierte, ängstlichere Menschen und People of Colour häufiger von Zoom-Fatigue betroffen.

Universität Göteborg & Stanford University, Nonverbal Mechanisms Predict Zoom Fatigue and Explain Why Women Experience Higher Levels than Men, April 2021
https://www.welt.de/kmpkt/article230500249/Zoom-Fatigue-Frauen-finden-Videocalls-anstrengender-als-Maenner.html
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=3820035


Studieren zu Corona-Zeiten: Eine Zwischenbilanz


Corona hatte gravierende Auswirkungen auf für Studierende. Die Hochschule Fulda befragte daher mehr als 1.800 Studierende und 290 Lehrende zum Ende des Wintersemesters zu diesen Auswirkungen. 70 % der Studierenden und 85 % der Lehrenden waren zufrieden mit dem Verlauf des Semesters. 90 % der Studierenden besaßen die nötige technische Ausstattung, um an der Online-Lehre teilzunehmen. 
 
Bei mehr als der Hälfte der Studierenden nahm allerdings die Motivation zum Lernen zunehmend ab. 61 % der befragten Studierenden und 75 % der Lehrenden sind für eine Beibehaltung von Online-Angeboten neben Präsenzveranstaltungen – auch nach der Corona-Krise. Sowohl Studierenden als auch Lehrenden fehlte der persönliche Austausch und Kontakt. Corona schürte bei vielen der befragten Studierenden zudem Zukunftsängste und Praktika wurden meist aus dem Home-Office heraus absolviert.

Hochschule Fulda, Ein Jahr im Online-Modus, April 2021
https://www.hs-fulda.de/unsere-hochschule/alle-meldungen/meldungsdetails/detail/ein-jahr-im-online-modus
https://www.hessenschau.de/panorama/hochschule-fulda-zieht-bilanz-10-erkenntnisse-zum-studieren-im-online-modus,hochschule-im-onlinemodus-100.html


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