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Stichwörter aus der Arbeitswelt (berufundfamilie Service GmbH) |
Ende des Monats heißt, es ist Zeit für die März-Ausgabe unsere Blogreihe „Vereinbarkeit in Zahlen“: Besonders jüngere Beschäftigte und Auszubildende werden am Arbeitsplatz gemobbt, nahezu jede*r Zweite ist von Altersdiskriminierung betroffen und Frauen* verzeichnen Einkommenseinbußen nach einer Heirat. Mehr Studien u.a. zum Elterngeld, Überstunden und Diskriminierung lesen Sie hier.
Regelmäßiges Home-Office als Gefährdung für die Karriere
Beschäftigte, die regelmäßig von zuhause aus arbeiten, verfügen über schlechtere Aufstiegschancen, das zeigt ein Experiment des WSI der Hans-Böckler-Stiftung mit rund 5.000 Arbeitnehmenden und Erwerbssuchenden. Dabei zeigt sich, dass insbesondere Kinderlose und Väter* mit hohem Home-Office-Anteil für weniger engagiert gehalten werden und dadurch weniger für Stellen empfohlen werden.
Während die Empfehlungsrate für Mütter* bei häufigem Home-Office ebenfalls sinkt, ist die damit verbundene Stigmatisierung im Vergleich zu den anderen Personengruppen weniger stark ausgeprägt. Dies hänge sicherlich damit zusammen, dass Müttern*, die Kinder betreuen, eher zugestanden werde, dass sie nicht im Büro präsent sein müssen. Dennoch haben Mütter* mit anderen Nachteilen im beruflichen Kontext zu tun, wie andere Studien bereits nachweisen konnten. Die Stigmatisierung von Beschäftigten im Home-Office sei besonders hoch, wenn nur wenige Beschäftigte der Organisation von zu Hause aus arbeiten. Mit zunehmender Verbreitung des Home-Office nehme diese Stigmatisierung jedoch ab.
Wenn in der Organisation eine Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten existiere, verschwindet dieser Nachteil – allerdings nur dann, wenn die Vereinbarung für alle Beschäftigte in der Organisation gilt. Vereinbarungen, die beispielsweise nur für Mütter* oder Eltern gelten, entfalte genauso wenig Wirkung wie gar keine Vereinbarung.
Im Rahmen des Experiments wurden etwa 5.000 Teilnehmende der WSI-Erwerbspersonenbefragung gebeten, auf einer Skala von 0 bis 10 ihre Empfehlung für eine*n fiktive*n Kandidat*in für eine bestimmte Position abzugeben.
Zusätzlich zu ihrer Empfehlung bewerteten die Befragten die Arbeitsbereitschaft und Produktivität. Diese Einschätzung basierte auf einem Steckbrief, der Informationen wie Alter, Geschlecht, Kinder und Homeoffice-Häufigkeit enthielt.
https://www.boeckler.de/de/pressemitteilungen-2675-regelmaessiges-homeoffice-kann-aufstiegschancen-gefaehrden-67357.htm
Frauen* als Hauptverdienerinnen im Haushalt weiterhin selten
Männer* bleiben bei Paaren die Hauptverdiener, nur etwa jede zehnte Frau* in Deutschland verdiente hierzulande letztes Jahr mehr als der Ehe- oder Lebenspartner. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts vor. In 56,6% der Haushalte hatte der Mann* das höchste Einkommen. Faktoren, die zu diesem Ungleichgewicht führen, sind weithin bekannt: Frauen* sind häufiger in Teilzeit tätig, sobald Kinder hinzukommen, verschärft sich diese Ungleichheit zudem. In 33,1% der Fälle lag das Einkommen des Mannes* und der Frau* ähnlich hoch. Bei kinderlosen Paaren ist der Einkommensunterschied zwar geringer, aber dennoch deutlich: In 11,8% der Haushalte verdienen Frauen* mehr, in 51,1% Männer*.
Die Verteilung der Haushaltseinkommen stagniert zudem seit mehreren Jahren: Seit 2021 bleibt der Anteil der Frauen* (10,5%) ähnlich. Bei den Männern* zeichnet sich im gleichen Zeitraum ein kleiner Rückgang ab, 2021 waren noch 58,8% der Männer* Hauptverdiener jetzt sind es 56,6%.
https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/hauptverdiener-einkommen-frauen-paare-partnerschaft-100.html
Einkommenseinbußen bei Frauen* nach Heirat
Eine Studie des ifo-Instituts und der Universität Oslo zeigt, dass eine Heirat für Frauen* mit Einkommenseinbußen von rund 20% einhergeht. Gründe dafür seien, dass viele Frauen* nach der Heirat weniger arbeiten oder sogar ganz aufhören. Für Männer* ändere sich hingegen nichts. Das Einkommen der Frauen* verringere sich auch ohne, dass Kinder im Spiel seien. Auch Fehlanreize des Steuersystems haben hier Einfluss: ¼ der Einkommenssenkungen liegen im hiesigen Ehegattensplitting begründet. Zudem bleiben Geschlechterrollen ein relevanter Einflussfaktor: Frauen aus dem Osten Deutschlands, die mit einem moderneren Rollenverständnis als Frauen* aus dem Westen sozialisiert wurden, verzeichnen geringere Einbußen in der Ehe.
https://www.ifo.de/pressemitteilung/2025-03-07/einkommen-von-frauen-sinken-nach-heirat
Besonders jüngere Beschäftigte und Auszubildende von Mobbing betroffen
Der aktuelle Mobbingreport der Uni Leipzig im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt, dass das Alter bei Mobbingerfahrungen am Arbeitsplatz relevant ist. Besonders jüngere Beschäftigte und Auszubildende litten häufiger unter Mobbing am Arbeitsplatz als lebensältere Beschäftigte. So gaben 11,4% der 18- bis 29-Jährigen an, dass sie am Arbeitsplatz gemobbt wurden, bei den Beschäftigten im Alter von 50 bis 59 waren es lediglich 3,2%.
Auch der soziökonomische Status spielt eine Rolle bei Mobbingerfahrungen am Arbeitsplatz: So waren 8,1% der Menschen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status von Mobbing betroffen, bei jenen mit einem hohen sozioökonomischen Status waren es gerade einmal 3,6%. Auch Menschen mit Migrationsgeschichte waren besonders häufig von Mobbing betroffen – hier äußerte jede*r Fünfte (20%), dass er bereits Mobbingerfahrungen am Arbeitsplatz gemacht hat. Bei Beschäftigten, die nicht unter Mobbing litten, hatten 13,5% eine Migrationsgeschichte.
In der Studie wird zudem hervorgehoben, welche gesundheitlichen und arbeitsbezogenen Folgen Mobbing am Arbeitsplatz hat.
Beschäftigte, die unter Mobbing litten, waren weniger zufrieden mit der Arbeit und bewerteten ihren Gesundheitszustand schlechter als Beschäftigte ohne Mobbingerfahrungen.
Für den Mobbingreport wurden insgesamt rund 5.000 Beschäftigte in Deutschland repräsentativ befragt. Zur Befragung kamen zudem noch Interviews mit Betroffenen, Expert*innen und Führungskräften.
https://www.uniklinikum-leipzig.de/presse/Seiten/Pressemitteilung_8017.aspx
Teilzeitbeschäftigte oft erschöpfter als Vollzeitbeschäftigte
Die Annahme, dass Personen, die weniger arbeiten, sich weniger erschöpft fühlen, lässt sich durch aktuelle Zahlen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht bestätigen. So seien Vollzeitbeschäftigte hierzulande sogar weniger erschöpft als die befragten Teilzeitkräfte: 38% der Vollzeitbeschäftigten mit einer Wochenarbeitszeit von 35 bis 40 Stunden, fühlten sich häufig körperlich erschöpft, bei den Teilzeitbeschäftigten klagten 42% über Erschöpfung.
Dies kann u.a. im sozialen Umfeld der Teilzeitbeschäftigten begründet sein: So arbeiten besonders oft Frauen* in Teilzeit, um Job und Care-Arbeit vereinbaren zu können. Diese Doppelbelastung könne dazu beitragen, dass sich Teilzeitbeschäftigte trotz geringerer Arbeitszeit erschöpfter fühlen als Vollzeitkräfte. Die Arbeitszufriedenheit liegt bei beiden Beschäftigten ungefähr gleich hoch (Vollzeit: 91%, Teilzeit: 93%).
Im Vergleich zu Beschäftigten mit normalen Arbeitszeiten, leiden diejenigen, die regelmäßig mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten, verstärkt unter körperlicher und emotionaler Erschöpfung. Trotzdem würden viele aus finanziellen Gründen, Karriereambitionen oder schlichtweg Freude an ihrer Tätigkeit freiwillig länger arbeiten.
Die empfundene Erschöpfung nach der Arbeit hänge nicht nur von der Dauer der Arbeitszeit ab, sondern auch maßgeblich vom sozialen Miteinander, dem Arbeitsklima und der Flexibilität am Arbeitsplatz.
Die Analyse basiert auf der Arbeitszeiterhebung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) aus dem Jahr 2021, in der über 17.000 Beschäftigte im Alter von 15 bis 65 nach ihrer Arbeitszeit, Erschöpfungsgrad und Arbeitszufriedenheit befragt wurden.
www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/IW-Trends/PDF/2025/IW-Trends_2025-01-03_Hammermann.pdf
Für 44% der Beschäftigten sind regelmäßige Überstunden normal
Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt, für viele Beschäftigte in Deutschland sind Überstunden fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Knapp die Hälfte (44%) der Befragten gab an, dass sie regelmäßig Überstunden machen. 20% machten demnach im Durchschnitt 1 bis 5 Stunden mehr in der Woche als vertraglich geregelt, weitere 24% arbeiteten auch mehr als 5 Stunden. Mehr als 48 Wochenstunden, einschließlich Überstunden, leisteten 10,1% der Vollzeitbeschäftigten.
Es zeigt sich zudem, dass Überstunden im Home-Office öfter vorkamen: Bei 52% der Beschäftigten, die regelmäßig oder gelegentlich von zu Hause aus arbeiteten, fielen durchschnittlich mehr als eine Überstunde an. Bei Beschäftigten, die ausschließlich in der Organisation arbeiteten, lag der Anteil bei 31%.
Mit der Höhe der Qualifikation, steigt auch die Anzahl der Überstunden. 66% der Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten kommen ohne Überstunden aus, bei Jobs, für die ein Hochschulabschluss benötigt wird, sagen dies nur 42%.
Auch die Verdichtung der Arbeit und der Zeitdruck bedingen Überstunden: 16% der Befragten, die bei ihrer Arbeit keinen Druck verspüren, machten mehr als 5 Überstunden wöchentlich, bei jenen Beschäftigen, die sich oft gehetzt fühlten, waren es 37%.
4 von 10 Beschäftigten äußerten zudem, dass sie gelegentlich unbezahlt für ihren Arbeitgeber außerhalb der normalen Arbeitszeit tätig sind. 15% tun dies nach eigener Einschätzung sogar sehr oft bzw. oft.
https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/giftcocktail-fur-die-gesundheit-uberstunden-fur-44-prozent-der-beschaftigten-ublich-13415911.html
Väteranteil beim Elterngeld sinkt erstmals wieder
Wie aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen, ist die Zahl der Mütter* und Väter*, die Elterngeld beantragten, das dritte Jahr in Folge gesunken. Sie sank um 10,6% im Vergleich zu 2021. Die Geburtenrate lag im selben Zeitraum jedoch um etwa 15% niedriger. Die Zahl der Elterngeld-Empfänger*innen ging im Vergleich zu 2023 um 5,4% (95.000 Personen) zurück. Bei den Männern* sank die Zahl auf 432.000 (6,6%) und bei Frauen auf 1,24 Mio. (5%). Allerdings gebe es immer mehr Elterngeld Plus-Bezieher*innen. So planten 613.000 Bezieher*innen im Jahr 2024 das Elterngeld Plus zu nutzen – 42,3% der berechtigten Mütter* und 20,6% der Väter*.
Erstmals seit 2015 ging auch der Anteil der Väter*, die Elterngeld bezogen, leicht zurück von 26,2% (2023) auf 25,8% von 26,2%. 2015 war der Väteranteil bei 20,9%. Bundesweit den höchsten Väteranteil hatte wie bereits 2023 Sachsen mit 29,5%, dann folgen Baden-Württemberg (28,1%) und Bayern (27,8%), das Schlusslicht war das Saarland mit 20,6%.
Die geplante Elterngeldbezugsdauer bei Frauen* blieb 2024 unverändert bei durchschnittlich 14,8 Monaten. Im Gegensatz dazu planten Männer* mit durchschnittlich 3,8 Monaten eine deutlich kürzere Bezugsdauer.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/elterngeld-statistisches-bundesamt-102.html
50% mehr Fehltage durch Depressionen
Immer mehr Personen in Deutschland werden wegen Depressionen krankgeschrieben, das geht aus dem Psychreport 2025 der Krankenkasse DAK hervor. So stieg die Zahl der Fehltage 2024 deshalb um 50%.
Die DAK verzeichnete einen Anstieg der Fehltage von 122 Tagen im Jahr 2023 auf 183 Tage je 100 Beschäftigte im Jahr 2024. Depressionen waren dabei die häufigste psychische Ursache für Krankschreibungen, während die Zahlen bei Belastungsreaktionen und Anpassungsstörungen zurückgingen.
Der Anstieg betrifft laut der Untersuchung alle Altersgruppen, wobei bei den Jüngeren ein seit Jahren stetiger Zuwachs zu beobachten ist, während bei den Älteren 2024 ein plötzlicher, deutlicher Anstieg verzeichnet wurde. Bei den über 60-Jährigen gab es etwa einen deutlichen Anstieg der Fehlzeiten aufgrund von Depressionen, von 169 auf 249 Tage pro 100 Beschäftigte innerhalb eines Jahres.
Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen dauern oft länger. Die durchschnittliche Ausfallzeit betrug laut der Erhebung knapp 33 Tage, was einem leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr entspricht. Besonders auffällig ist der Anstieg um 14% bei Krankschreibungen zwischen 29 und 42 Tagen.
Der Report zeigt zudem, dass Beschäftigte in Kitas und der Altenpflege besonders stark von Depressionen betroffen sind.
DAK-Psychreport 2025, Entwicklungen der psychischen Erkrankungen im Job: 2014-2024, März 2025
https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/depressionen-krankenkassen-bericht-100.html
Über 50% der Menschen erlebt regelmäßig Rassismus
Die aktuelle Ausgabe des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors liefert ein erschreckendes Bild: Für mehr als die Hälfte der Angehörigen einer ethnischen oder religiösen Minderheit in Deutschland ist Diskriminierung Alltag.
Laut der Studie gaben 62% der schwarzen Männer* und 63% der schwarzen Frauen* an, dass sie im letzten Jahr mindestens einmal im Monat alltägliche Diskriminierung erlebt haben. Laut eigener Einschätzung war die Hautfarbe in über vier von fünf Fällen die Ursache für die Diskriminierung.
Auch 61% der muslimischen Frauen* berichteten in der Befragung von August 2024 bis Januar 2025, dass sie mindestens einmal im Monat Diskriminierung erlebten.
Im Vergleich dazu erlebten 32% der Menschen, die nicht als Angehörige ethnischer Minderheiten wahrgenommen werden, mindestens einmal im Monat Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Alter oder anderen Merkmalen und Zuschreibungen.
23% der deutschen Bevölkerung waren außerdem der Meinung, dass ethnische und religiöse Minderheiten zu viele Forderungen nach Gleichberechtigung stellen würden.
Unter den etwa 9.500 Befragten im Alter von 18 bis 73 Jahren vertraten 22% zudem die Auffassung, dass Minderheiten in den letzten Jahren übermäßig wirtschaftliche Vorteile erlangt hätten.
Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor, Verborgene Muster, sichtbare Folgen.
Rassismus & Diskriminierung in Deutschland, März 2025
https://www.rassismusmonitor.de/publikationen/monitoring-rassismus-und-diskriminierung-in-deutschland/
Berufsleben: Besonders viele Beschäftigte von Altersdiskriminierung betroffen
Aus der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GMS im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes geht hervor, dass 45% der Personen über 16 in Deutschland bereits Altersdiskriminierung erfahren haben. Sowohl ältere als auch jüngere Menschen seien betroffen. In der Altersgruppe 16 bis 44 gaben 52% der Befragten an, bereits mindestens einmal von Altersdiskriminierung betroffen gewesen zu sein. Bei den Befragten Ü65 berichteten 35% von solchen Erlebnissen – und damit deutlich weniger.
Am häufigsten kommt Altersdiskriminierung dabei im Berufsleben vor: 39% der Betroffen sagten, dass sie bei der Arbeit aufgrund ihres Alters ausgegrenzt wurden.
In absteigender Reihenfolge kamen danach der Gesundheitsbereich (27%), Geschäfte und Dienstleistungen (24%) und der Wohnungsmarkt (22%).
Es wurden über 2.000 Personen befragt.
https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-03/antidiskriminierungsstelle-altersdiskriminierung-studie-ferda-ataman
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