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Das
Potenzial lebensälterer Menschen heben: ein wichtiger Faktor im Kampf gegen den
Personalmangel |
Knapp 20. Mio. Menschen in Deutschland werden zu den Baby-Boomern gezählt. Rein rechnerisch wird diese Generation bis 2036 komplett das Renteneintrittsalter erreicht haben. Ihre Arbeitskraft und ihr Know-how zumindest in Teilen zu binden, ist eine der zentralen personalpolitischen Themen. Die Baby-Boomer besser zu verstehen, ist dabei sehr bedeutsam. Die folgenden Zahlen und Fakten sollen helfen.
Als Baby-Boomer werden in Deutschland meist die Jahrgänge bezeichnet, die zwischen 1956 und 1964 geboren wurden. Sie sind also heute zwischen 60 und 70 Jahre alt. Den Baby-Boomern gehörten – entsprechend diesen Geburtsjahrgängen – zu Ende 2023 hierzulande 12,4 Mio. Menschen an. Das entsprach 14,6% der Gesamtbevölkerung.[1] Es gibt auch Berechnungsgrundlagen, die auf rund 20 Mio. Baby-Boomer kommen.[2]
Ein Blick auf die Erwerbsbeteiligung der Baby-Boomer
65,4% der 60- bis 64-Jährigen gehen einer Erwerbstätigkeit nach. In Zahlen sind das 4,08 Mio. Personen. Hochqualifizierte sind in dieser Altersgruppe mit einer Erwerbstätigenquote von 75% deutlich häufiger am Erwerbsleben beteiligt als Geringqualifizierte mit 53 %. Unter den Frauen* in diesem Lebensalter gehen 61,5% (1,95 Mio.) einer beruflichen Tätigkeit nach. Bei den Männern* sind es 69,4% (2,13 Mio.).
Von den 65- bis 69-Jährigen sind 20,2% erwerbstätig – das sind 1,03 Mio. Menschen. 16,8% (446.000) der Frauen* und 23,9% der Männer* (583.000) in dieser Altersgruppe üben eine Erwerbstätigkeit aus.[3]
Interessant ist, dass zwischen 2013 und 2023 ist die Erwerbsbeteiligung lebensälterer Beschäftigter so stark angestiegen wie in keiner andern Alterskohorte. So ist die Erwerbsbeteiligung der 60- bis 64-Jährigen von 50% (2013) auf 65% (2023, siehe oben) angewachsen. Und auch bei Personen jenseits des Renteneintrittsalters ist eine starke Erhöhung der Erwerbsbeteiligung bemerkbar: Waren in 2013 noch 13% der 65- bis 69-Jährigen berufstätig gewesen, steigerte sich der Anteil bis 2023 auf 20%.[4]
Baby-Boomer prägen die Engpassberufe
Die Baby-Boomer bilden in den so genannten Mangelberufen – also in Berufen, in denen wesentlich mehr offene Stellen als Arbeitnehmende vorhanden sind – eine überdurchschnittlich große Gruppe.[5] Beispiele für den Anteil an abhängig Beschäftigten in einem Alter ab 55 Jahren in Engpassberufen sind:
44% Bus-/ Straßenbahnfahrer*innen, 39% Berufskraftfahrer*innen (Güterverkehr/ LKW), 36% Verkauf von Fleischwaren, 34% Gartenbau, 33% Straßen-/ Tunnelwärter*innen, 30% jeweils Vermessungstechnik/ Maurerhandwerk/ Fleischverarbeitung/ techn. Servicekräfte in Wartung und Instandhaltung, 29% jeweils Metallbau sowie Köch*innen, 28% Ver- und Entsorgung, 27% jeweils Verkauf Back-/ Konditoreiwaren/ Elektrotechnik/ Altenpflege, 26% Versicherungskaufleute.
Entsprechend sind auch in zahlreichen Branchen derzeit noch die Baby-Boomer stark vertreten. Der Anteil der Beschäftigten ab 55 Jahren liegt über alle Branchen hinweg betrachtet bei 25%. Hier der Anteil der abhängig Beschäftigten ab 55 Jahren in diversen Branchen[6]:
33% Grundstücks- & Wohnungswesen, 31% Sonstige Dienstleistungen, 28% jeweils Land-/ Forstwirtschaft & Fischerei/ Verkehr & Lagerei, 27% Öffentliche Verwaltung/ Verteidigung/ Sozialversicherung, 25% jeweils Finanz-/ Versicherungsdienstleistungen/ verarbeitendes Gewerbe & Bergbau & sonstige Industrie/ Gesundheits- & Sozialwesen, 24% jeweils Handel/ Instandhaltung & Reparatur von Kfz/ Baugewerbe, 23% Freiberufliche wissenschaftliche/ technische und sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen, 22% Erziehung & Unterricht, 19% Gastgewerbe, 17% Information & Kommunikation.
Vergleichsweise öfter in Teilzeit tätig
34% der Beschäftigten im Alter zwischen 55 und unter 65 Jahren arbeiten in Teilzeit. Das sind 4% mehr als der Durchschnitt aller Erwerbstätigen (15 bis unter 65 Jahre). Der Teilzeitanteil älterer beschäftigter Frauen* liegt bei 58% – 8% höher als derjenige der 15- bis unter 65-Jährigen. Bei den männlichen älteren Beschäftigten lag der Teilzeitanteil mit 11% unter dem aller Beschäftigten (12%).[7]
Offen für längere Erwerbstätigkeit und neue Jobs
Teilzeit ist nicht für alle Lebensälteren das Nonplusultra. Für 17% der Beschäftigten ab 50 Jahren kommt eine Tätigkeit im Rentenalter in Vollzeit in Frage. 43% der über 50-Jährigen können sich vorstellen, im Rentenalter in Teilzeit weiter erwerbstätig zu sein.[8]
Und es kann ein neues Umfeld sein: Nahezu jede*r Fünfte (19%) der mindestens 50-jährigen Erwerbstätigen ist offen für einen neuen Job. Als Gründe benennen 50% ein zu niedriges Gehalt und 37% ein zu hohes Stresslevel. 35% sind nicht mit der strategischen Ausrichtung ihres Arbeitgebers zufrieden. Weitere 35% hadern mit der schlechten Führung – mehr als bei den Altersgruppen der 18- bis 29-Jährigen (27%) und der 30- bis 49-Jährigen (30%).[9]
Wünsche an den Arbeitgeber umfasst auch zahlreiche Vereinbarkeitsangebote
Auf folgende Faktoren legen Erwerbstätige ab einem Alter von 50 Jahren bei einem Arbeitgeber Wert[10]:
- 71% Zusammenhalt unter Kolleg*innen
- 64% sinnerfüllter Job
- 58% mehr Gehalt
- 42% Sorge um die psychische Gesundheit von Arbeitgeberseite
- 38% Angebote für die Gesundheitsvorsorge
- 26% nachhaltiges Handeln der Organisation
Attraktive Arbeitsbedingungen sind für Beschäftigte 50+[11]:
- 67% 4-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich
- 41% Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten
- 36% Remote Work
- 14% Workation
Private Aufgaben und Diskriminierungserfahrungen
Eine Erhebung im Jahr 2016 ergab, dass jede*r zehnte Beschäftigte (9,6%) im Alter zwischen 55 und 64 Jahren einer privaten Pflegeaufgabe nachgeht. Jede neunte Frau* (11,5%) und jeder dreizehnte Mann (7,6%) kümmerten sich neben dem Job und eine pflegebedürftige Person.[12] Vor dem Hintergrund der bis heute bereits drastisch und weiterhin steigenden Zahlen an Pflegebedürftigen dürften die Anteile der privat pflegenden Beschäftigten ebenfalls deutlich gestiegen sein.
16,7% der Menschen in Deutschland, die zwischen 60 und 69 Jahre alt sind, üben ein Ehrenamt aus. Getoppt wird der Anteil nur von den über 70-Jährigen (19,1%) und den 50- bis 59-Jährigen (19,7%).[13]
34% der Erwerbstätigen im Alter zwischen 50 und 67 Jahren hat schon einmal eine Diskriminierungserfahrung in Zusammenhang mit dem eigenen Alter gemacht. Meistens – nämlich zu 57% - ging die Diskriminierung von einer Führungskraft aus. In 34% der Fälle handelten die Kolleg*innen diskriminierend.[14]
35% der 50- bis 67-jährigen Arbeitnehmenden haben im Rahmen eines Bewerbungsprozesses Diskriminierung aufgrund ihres Alters erlebt.[15]
Lesetipp
Neben dem Zahlenüberblick zu den Baby-Boomern gibt es in unserem Blog auch Faktensammlungen zur Generation Z und zu den Sandwich-Generationen, zu denen die Generation Y und die Generation X gezählt wird.
[1] Statista, Baby Boomer - was kennzeichnet die Generation?, 2024; https://de.statista.com/themen/11619/baby-boomer/
[2] Vgl. Philipp Deschermeier / Holger Schäfer, IW-Kurzbericht 78/2024, IW Köln; https://www.iwkoeln.de/studien/philipp-deschermeier-holger-schaefer-die-babyboomer-gehen-in-rente.html
[3] Statistisches Bundesamt, Erwerbstätigkeit – Erwerbsbeteiligung, 2024; https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Tabellen/erwerbstaetige-erwerbstaetigenquote.html
[4] Statistisches Bundesamt, Erwerbstätigkeit älterer Menschen, 2024; https://www.destatis.de/DE/Themen/Querschnitt/Demografischer-Wandel/Aeltere-Menschen/erwerbstaetigkeit.html#:~:text=Die%20Erwerbsbeteiligung%20der%2060%2D%20bis,in%20kurzer%20Zeit%20stark%20erh%C3%B6ht.
[5, 6] Statistisches Bundesamt, Anteil der Babyboomer in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich hoch, 2025; https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2025/01/PD25_N001_13.html
[7] Bundesagentur für Arbeit, Situation Älterer am Arbeitsmarkt, 2024; https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Statischer-Content/Statistiken/Themen-im-Fokus/Demografie/Generische-Publikationen/Aeltere-amArbeitsmarkt.pdf
[8] Königsteiner Gruppe, Karriere 50 plus, 2023; https://presse.koenigsteiner.com/2023/03/13/karriere-50-plus-whitepaper/, vgl. https://www.berliner-woche.de/mitte/c-jobs-und-karriere/generation-50-plus-will-trotz-rente-weiterarbeiten_a415222 [9, 10, 11] XING, So wichtig ist die Generation 50+ für die Zukunft der Wirtschaft, 2024; https://nwx.new-work.se/themenwelten/gesellschaft/xing-generationen-auswertung-generation-50-gelassen-erfahren-loyal-und-am-arbeitsmarkt-oft-ubersehen
[12] Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP), ZQP-Themenreport „Vereinbarkeit von Beruf und Pflege“, 2016; https://www.zqp.de/wp-content/uploads/Report_Vereinbarkeit_Beruf_Pflege_Pflegende_Angehoerige.pdf
[13] Verbrauchs- und Medienanalyse – VuMA 2022, 2022; https://de.statista.com/infografik/28885/anteil-der-ehrenamtlichen-in-deutschland/
[14, 15] XING, Diversity-Studie 2024, 2024; https://new-work.se/de/newsroom/pressemitteilungen/xing-diversitystudie-2024
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