Mittwoch, 28. Oktober 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Balanceakt

Ein Balanceakt für viele Arbeitgeber: Vereinbarkeit ermöglichen
(Quelle: Daria Liudnaya on pexels.com/ 
berufundfamilie Service GmbH)

Das Signal „People First“ ist für Arbeitgeber der wichtigste Antreiber, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu fördern. Fehlende Vereinbarkeit gefährdet in 20 Jahren 229.000 Arbeitsplätze. Home-Office-Möglichkeiten verändert die räumliche Struktur des Arbeitsmarkts. Diese und weitere aktuelle Erkenntnisse aus der Welt der Studien sind in dieser Ausgabe der Blogreihe „Vereinbarkeit in Zahlen“ zusammengefasst.



Bedeutung der Vereinbarkeit wächst bei Arbeitgebern


Aus welchen Gründen halten Arbeitgeber es wichtig, die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben aktiv zu unterstützen? Bereits 2023 befragte das IW Köln im Auftrag des Bundesfamilienministeriums Unternehmen in Deutschland dazu. In der aktuellen Wiederholungsbefragung zeigt sich: Bei allen Begründungen ist die Zustimmung der Arbeitgeber gestiegen – außer bei „Gewinnung qualifizierter Beschäftigter“. Hier lag der Wert 2023 bei 83,3%, derzeit bei 81,3%.

Die weiteren Aspekte:

  • 90,6% – Signal für alle Beschäftigten, dass dem Unternehmen Mitarbeitendenbedürfnisse wichtig sind (2023: 87,5%)
  • 90,3% – Bindung von Beschäftigten (2023: 88%)
  • 88,3% – Um Beschäftigten mit familiären Verpflichtungen zu ermöglichen, ihre vertragliche Arbeitszeit aufrechtzuerhalten bzw. aufzustocken (2023: 84%)
  • 83,5% – Unterstützung von Vätern ebenso wie von Müttern (2023: 76,5%)
  • 79,5% – Unterstützung von Beschäftigten mit privaten Pflegeaufgaben (2023: 64,8%)
  • 76,8% – Erleichterte Rückkehr von Beschäftigten nach der Eltern- oder Pflegezeit (2023: 73%)
  • 71,7% – Förderung des beruflichen Aufstiegs von Frauen und Männern innerhalb des Betriebs (2023: 65,5%)

BMBFSFJ/ IW Köln: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2026, August 2026
https://www.iwd.de/artikel/vereinbarkeit-von-familie-und-beruf-fuer-unternehmen-wichtig-691337/




Mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Pflege kostet schon jetzt 184.000 Stellen


Im aktuellen Jahr (2026) geht durch eine unzureichende bzw. fehlende Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ein Erwerbsvolumen von 184.000 Vollzeitstellen verloren. Laut der gemeinsamen Untersuchung der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG könnten das Volumen auf 229.000 Vollzeitstellen ansteigen. Diese Entwicklung geht mit der stetig wachsenden Zahl von Beschäftigten einher, die parallel eine*n Angehörige*n pflegen: 2023 waren es 8,7%, bis 2045 werden 13,3% erwartet.


Eva Moser, Paula Kostrzewa und Dr. Stefan Moog, Prognos AG (in Kooperation mit Bertelsmann Stiftung): Informelle Pflege und Erwerbstätigkeit, Oktober 2026
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/angehoerigen-pflege-fehlende-vereinbarkeit-mit-dem-job-gefaehrdet-im-jahr-2045-mehr-als-200000-stellen




Konventionelle Geschlechtermuster zeigen sich bereits vor konkretem Pflegefall



Partnerschaftliche Aufteilung bei der Pflege von Angehörigen? Weit gefehlt. Die Befragung von knapp 2.000 Beschäftigten durch bilendi für voiio zeigt: Schon bevor der Pflegefall eintritt, werden die Rollen verteilt. So planen 30% der Frauen, Angehörige selbst regelmäßig zu pflegen, während es bei den Männern 24% sind. Um Behördengänge und Anträge planen sich 53% der Frauen und 43% der Männer zu kümmern. Für die emotionale Unterstützung sehen sich 51% der Frauen und 41% der Männer zuständig. Männer fühlen sich eher für den finanziellen Bereich zuständig – nämlich zu 26%, während 20% der Frauen diese Aufgaben bei sich sehen.

Die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit, die sich bereits bei der Kinderbetreuung im sogenannten Gender Care Gap zeigt, setzt sich auch bei der Pflege der Elterngeneration fort. Dies kann langfristig negative Auswirkungen auf die beruflichen Aufstiegschancen und die Einkommensentwicklung der betroffenen Frauen haben.


voiio/ bilendi: Pflegewelle trifft Arbeitsmarkt, Oktober 2026
https://www.lifepr.de/inaktiv/voiio-gmbh/pflege-und-beruf-frauen-pflegen-mnner-zahlen/boxid/1075605





Belegt: Kinderbetreuungsausbau erhöht Erwerbstätigkeit von Müttern deutlich



Anhand von Sozialversicherungsdaten untersuchte das IAB, inwiefern sich regionale Unterschiede im Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung für unter Dreijährige in Deutschland auf die Erwerbsverläufe von Müttern auswirken. Die zentralen Ergebnisse:

  • Der Ausbau der Kinderbetreuung trägt maßgeblich dazu bei, die Erwerbsbeteiligung von Müttern zu steigern.
  • Mit Kinderbetreuung ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Mütter in Vollzeit und in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten. Gleichzeitig wirkt sich der Ausbau der Kinderbetreuung positiv auf ihre Lohnentwicklung aus.
  • Die Einkommenssteigerungen von Müttern bleiben auch nach dem Ende der Kita-Nutzung bestehen.
  • Besonders profitieren Mütter in Regionen, in denen sie nach der Geburt zunächst hohe Einkommensverluste verzeichnen und nur eingeschränkt auf informelle Betreuungsangebote, beispielsweise durch Großeltern, zurückgreifen können.

Lisa-Marie Duletzki, IAB – Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Ausbau der Kinderbetreuung erhöht die Erwerbstätigkeit von Müttern deutlich, IAB-Kurzbericht, 15/2026 (September 2026)
https://doku.iab.de/kurzber/2026/kb2026-15.pdf




Beschäftigte wählen bewusst wachsende Pendeldistanzen



Von 2019 bis 2023 ist die durchschnittliche Pendeldistanz von Büroangestellten von 27,5 auf 32 Kilometer gestiegen. In Berufen mit einem hohen Home-Office-Potenzial haben sich die Pendeldistanzen im Durchschnitt um 17% erhöht, während der Anstieg in anderen Berufen lediglich 5 bis 6% betrug. Beschäftigte, die in eine Tätigkeit mit besseren Home-Office-Möglichkeiten wechselten, nahmen durchschnittlich zehn Kilometer längere Arbeitswege in Kauf.

Laut der IAB-Analyse entscheiden sich immer mehr Beschäftigte für Home-Office-freundliche Tätigkeiten in Städten mit hohen Wohnkosten, während sie ihren Wohnsitz in Regionen mit niedrigeren Mieten verlegen. Beschäftigte nehmen also bewusst längere Pendelwege in Kauf – insbesondere, wenn die Möglichkeit für Home-Office gegeben ist. In der Folge verändert sich die räumliche Struktur der Arbeitsmärkte.


IAB – Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung: Wie mobiles Arbeiten Pendelwege und Wohnorte in Deutschland verändert hat, Oktober 2026 https://iab-forum.de/wie-mobiles-arbeiten-pendelwege-und-wohnorte-in-deutschland-veraendert-hat/

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