Dienstag, 21. Mai 2019

Praxisbeispiel: Die St. Elisabeth-Stiftung und ihre „Internen Vereinbarkeitsaudits“

St. Elisabeth-Stiftung: Innovativ mit internen Vereinbarkeitsaudits  (©St. Elisabeth-Stiftung)

Die St. Elisabeth-Stiftung verfolgt seit acht Jahren mit dem audit berufundfamilie eine strategische Vereinbarkeitspolitik. Und man könnte denken, dass sie von Audits gar nicht genug bekommen kann, denn: Die in Bad Waldsee ansässige Trägerin verschiedener sozialer Einrichtungen und Dienste führt seit einiger Zeit „Interne Vereinbarkeitsaudits“ durch. Wie wertvoll diese für die Weiterentwicklung der familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik sind, erläutert Veronika Leichtle, Personalreferentin der St. Elisabeth-Stiftung, im Interview. 

Frau Leichtle, wer ist die St. Elisabeth-Stiftung und welche Aufgaben verfolgt sie?

Mit 2.019 Mitarbeitenden sind wir in der St. Elisabeth-Stiftung unter dem Leitsatz „Wir sind da und helfen, wenn Menschen uns brauchen“ für rund 2.700 hilfebedürftige Menschen in unseren sozialen Einrichtungen und Betrieben v.a. der Alten- und Behindertenhilfe sowie im Gesundheitsbereich zwischen Stuttgart und dem Bodensee im Einsatz.

Welchen Stellenwert hat die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben bei Ihnen und welche Rolle spielt das audit berufundfamilie dabei?

Wir sind seit 2011 mit dem audit berufundfamilie zertifiziert und versuchen jeden Tag, unsere Angebote und Maßnahmen zu kommunizieren und weiterzuentwickeln, um unsere Mitarbeitenden bestmöglich bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen zu können.

Die St. Elisabeth-Stiftung ist sehr „verschieden“ und unterschiedlich aufgestellt, sowohl örtlich als auch inhaltlich. Wir haben viele Mitarbeitende, die in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf und somit nach Dienstplan und im 24 Stunden-Schichtbetrieb arbeiten; das ist besonders anspruchsvoll im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Oft müssen Individual-Lösungen gefunden werden und es können nicht alle unsere Angebote in allen Bereichen gleich genutzt werden.

Wir sind natürlich auch beschäftigt mit dem Fachkräftemangel in der Pflege. Daher wollen wir als familienfreundlicher und moderner Dienstgeber die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben besonders in den Fokus nehmen und damit für unsere potentiellen neuen Mitarbeitenden attraktiv sein.

Information und Kommunikation sind zentrale Elemente einer gelingenden familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik. Die St. Elisabeth-Stiftung hat sich dazu etwas ganz Besonderes ausgedacht. Können Sie kurz berichten?
Wir haben in 2017 mit der Re-Auditierung Konsolidierung die dritte Auditierung durch die berufundfamilie Service GmbH erlebt und in deren Rahmen auch die Idee zu unseren „Internen Vereinbarkeitsaudits“ genauer ausgearbeitet. Die Idee war, dass wir selbst mit unseren Mitarbeitenden ins Gespräch gehen wollen, um die Bedarfe genauer zu erkennen und unsere Maßnahmen eigenständig weiterentwickeln und Veränderungen aktiver selber gestalten zu können. Der erste „Durchlauf“ im Herbst 2018 war sehr erfolgreich und erfreulich. Unsere zehn Themenpaten und Themenpatinnen – das sind sozusagen die „Botschafter/-innen“ für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in der St. Elisabeth-Stiftung in jedem unserer Geschäftsbereiche – haben mit 16 verschiedenen Mitarbeitenden Interviews geführt, dokumentiert und die Ergebnisse wurden zentral zusammengeführt, ausgewertet und entsprechend intern veröffentlicht. Jede/-r, die/der möchte, kann die Ergebnisse einsehen.

Und gibt es schon Erfahrungen? Wie kommen die „Internen Vereinbarkeitsaudits“ intern an?

Wir hatten eigentlich nur positive Rückmeldungen. Sowohl von den Interviewenden als auch von unserer Leitungsebene. Auch von Seiten der Mitarbeitenden hatten wir für die Interviews mehrere freiwillige Meldungen und sonst war auch jede/-r bereit, mitzumachen, die /der angefragt wurde. Auch die Ergebnisse sind aussagekräftig und wir können gut und konkret damit weiterarbeiten. Wir bekommen z.B. Informationen, welche Angebote wir noch stärker kommunizieren und „bewerben“ müssen und welche vielleicht schon ausreichend bekannt sind. Erfreulich war auch, dass die Ergebnisse zeigten, dass die Führungskräfte, deren Mitarbeitende wir befragt hatten, im Durchschnitt sehr gut über die private Situation der Person informiert ist und diese auch bei der Einsatzplanung und Aufgabenverteilung berücksichtigt. Wir haben natürlich auch viele wertvolle Anregungen und neue Ideen erhalten.

Geplant für dieses Jahr ist der zweite Durchgang mit noch einer größeren Anzahl an Interviews und dann der Vergleich der Ergebnisse mit denen des Vorjahres. Da freuen wir uns darauf und sind natürlich auch sehr gespannt.

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