Dienstag, 28. Mai 2019

Vereinbarkeit in Zahlen: Zwischen tatsächlichem Ungleichgewicht und gewünschter Balance

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt (©berufundfamilie Service GmbH)

In der heutigen Ausgabe von „Vereinbarkeit in Zahlen“ stehen u.a. Frauen im Fokus: Frauen und Karriereorientierung, Frauen und unbezahlte Arbeit. Die zusammengetragenen Studienergebnisse nehmen zudem die Aspekte Pflege, Home-Office, Teilzeit und Ablenkung am Arbeitsplatz ins Visier. Dabei wird insgesamt klar: Es gibt noch zu viel Ungleichgewicht zwischen den diversen Zielgruppen.


Ältere pflegen häufiger


Fast jede zehnte Person ab 17 Jahren unterstützt oder pflegt jemanden. Insbesondere die 55- bis 64-Jährigen sind in der privaten Pflege aktiv: 13 % von ihnen pflegen.

Die 17- bis 64-Jährigen unterstützen am häufigsten eine Person, die in einem anderen Haushalt lebt. Ältere Pflegende betreuen in nahezu der Hälfte der Fälle eine Person, die im selben Haushalt lebt.

DZA (Deutsches Zentrum für Altersfragen), Hilfe- und Pflegetätigkeiten im Lebensverlauf: Wer pflegt, für wen, wo und wie?, April 2019
https://www.dza.de/informationsdienste/index.php?eID=tx_securedownloads&p=530&u=0&g=0&t=1556360571&hash=8e0174dc5cef80535322e6e492f727392a13984e&file=/fileadmin/dza/pdf/factsheets/FactSheet_Hilfe_und_Pflegetaetigkeiten.pdf



Mehr vertragliche Arbeitszeit für Eltern im Home-Office


Kinderlose Beschäftigte, die im Home-Office tätig sind, leisten durchschnittlich 1 Stunde wöchentlich mehr Überstunden, ohne für diese bezahlt zu werden. Aber: Ihre Zufriedenheit im Beruf steigt. Bei Eltern hingegen nimmt im Home-Office vertragliche Arbeitszeit zu. Im Home-Office tätige Mütter steigern ihre vertragliche Arbeitszeit im Schnitt um 3,5 Stunden in der Woche und Väter 0,4 Stunden. Die Frauen verdienen damit 16 % mehr und die Männer ca. 2 % mehr.

ZEW, Working from Home: Heterogeneous Effects on Hours Worked and Wages, Mai 2019
https://www.zew.de/de/presse/pressearchiv/homeoffice-foerdert-karrieren-von-muettern/ http://ftp.zew.de/pub/zew-docs/dp/dp19015.pdf



Teilzeit = Freiheit?


80 % der Deutschen können sich vorstellen, z.B. in Leih-, Teilzeit- oder Projektarbeit tätig zu sein.

Ausschlaggebend (48 %) ist, damit sein Grundeinkommen sichern zu können. Für 35 % spricht dafür, sich um die eigenen Kinder oder Angehörige kümmern zu können. 30 % versprechen sich eine große Auswahl zwischen verschiedenen Projekten und Tätigkeiten.

Manpower Group, Global Candidate Preferences, Mai 2019
https://www.manpowergroupsolutions.de/neuigkeiten/studien-und-research/so-wollen-wir-arbeiten/



Wird Karriere weiblich?


Weibliche Fach- und Führungskräfte denken durchaus karriereorientiert. Aber: Sie schätzen ihre Chancen auf Karriere schlechter ein als die ihrer männlichen Kollegen. Bei 30 % der Frauen in Führungspositionen steht ein weiterer Aufstieg an erster Stelle. Auf 27 % der männlichen Führungskräfte trifft dies ebenfalls zu.

Hochschule Augsburg, Best Agers, April 2019
https://www.hs-augsburg.de/homes/eregnet/Veroeffentlichungen/Best%20Agers%202018%20Ergebnisbericht.pdf



Frauen und unbezahlte Arbeit


4 Stunden und 29 Minuten bringen Frauen in Deutschland durchschnittlich täglich für unbezahlte Arbeit auf. Dazu zählen Haushalt, Kümmern um Kinder und andere Angehörige, Vereins- und Wohltätigkeitsarbeit. Damit liegen sie fast genau im Mittel der 41 untersuchten Länder.

Internationale Arbeitsorganisation (ILO) & die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, Arbeitsbedingungen, Mai 2019
https://www.ilo.org/global/publications/books/WCMS_696174/lang--en/index.htm



Nach eigener Aussage teilen sich 2/3 der erwerbstätigen Paare die Aufgaben im Haushalt nicht gleich auf. 2,5 Mal so groß ist die Verantwortung der weiblichen Partner für die Wäsche und 2 Mal so hoch für Kochen und Saubermachen. Und die Aufgaben werden nicht deutlich geringer, wenn der männliche Partner in Teilzeit tätig ist oder gar nicht erwerbstätig ist.

BCG, Häusliche Aufgabenverteilung, Mai 2019
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/beruf-und-familie-wenn-alles-an-ihr-haengt-1.4444055



Kollegiale Ablenkung


Ablenkung am Arbeitsplatz – bei 86 % der Beschäftigten kommt das zumindest gelegentlich vor. 64 % lassen sich weniger als 30 Minuten täglich ablenken, 21 % zwischen 30 und 60 Minuten und 10 % mehr als eine Stunde.

Vor allem die Kolleg*innen sorgen für Ablenkung: Für 62 % sind es private Gespräche mit Kolleg*innen und für 42 % die Geräuschkulisse, die von Kolleg*innen verursacht wird. Dicht dahinter folgt das Smartphone als Ablenkungsmedium. 32 % beschäftigen sich mit privaten Messengern und 26 % mit dem Verfassen und Lesen von privaten E-Mails.

YouGov & Statista, Ablenkungen am Arbeitsplatz, März 2019
https://yougov.de/news/2019/03/21/grosse-mehrheit-der-erwerbstatigen-lasst-sich-bei-/


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