Dienstag, 30. Juni 2020

Vereinbarkeit in Zahlen: Zurück ins Büro?

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt und dem Themenfeld Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)

Der „Vereinbarkeitsklassiker“ Home-Office bleibt während der Coronapandemie einer der am häufigsten untersuchten Aspekte. Aber auch die Weiterbildung und die Bindung von Beschäftigten an ihren Arbeitgeber sind u.a. Stoff für Umfragen und Studien. Mehr in der Juni-Ausgabe unserer Blogserie „Vereinbarkeit in Zahlen“.



Verbundenheit mit Arbeitgeber ist während Coronazeiten gestiegen


65 % der Beschäftigten zeigen sich während der Coronapandemie zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. 59 % sind mit dem Krisenmanagement ihrer Organisation zufrieden. Bei 60 % ist Zufriedenheit bzgl. der internen Kommunikation vorhanden. Knapp 40 % der Mitarbeitenden fühlen sich momentan sogar stärker verbunden mit ihrem Arbeitgeber als vor der Coronapandemie.

Gründe für die gestiegene Verbundenheit sind die zunehmende Bedeutung des Wir-Gefühls, das für 58 % während Coronazeiten zugenommen hat. Zudem ist für rund jeweils ein Drittel der eigene Beitrag zum Unternehmenserfolg klarer und der Sinn ihrer Arbeit für die größer geworden.

Lediglich 8 % der Beschäftigten sehen ihren Arbeitsplatz gefährdet, während über 77 % ihn gesichert finden – in größeren Konzernen gehen sogar 85 % von einem sicheren Arbeitsplatz aus.

Innofact, Corona-Arbeitgeber-Studie, Mai 2020
https://innofact-marktforschung.de/news/innofact-castenow-studie-corona-krise-staerkt-bindung-und-vertrauen-zwischen-arbeitnehmern-und-arbeitgebern/



Homeschooling erschwert Vereinbarkeit


49 % der dienen im Rahmen des Homeschooling als Kommunikator*innen für die Schulen. Nur in rund einem Drittel der Fälle erhalten die Schüler*innen direkt die Unterlagen. Dadurch hängt ein Großteil der Kommunikation zwischen Schule und Schüler*innen an den Eltern, was sich erschwerend auf die die Vereinbarkeit von Schule, Familie und Beruf auswirkt. 7,4 Stunden sind Eltern im Durchschnitt pro Woche mit in das beschäftigt - 10,2 Stunden bei Primarschulen und 5,8 Stunden bei Sekundarschulen.

BearingPoint, Home Schooling - die Chance für das digitale Bildungswesen, Mai 2020
https://www.presseportal.de/pm/68073/4608025



Beschäftigte im Home-Office zieht es in den Pausen nach draußen


32 % der Xing-Mitglieder, die während der Coronapandemie vorrangig im Home-Office tätig waren, haben sich in Pausen im Freien bewegt, sind gejoggt, spazieren gegangen oder mit dem Rad gefahren. Knapp dahinter (31 %) folgten regelmäßige Haushaltsarbeiten, z.B. Putzen und Waschen. 27 % kochten und/ oder backten. 21% beschäftigten sich mit ihren Kindern, z.B. mit Homeschooling oder Basteln. 18 % haben ihre Home-Office-Pausen mit Fitnessübungen und Yoga gefüllt.

Auch interessant: 28 % haben ihr Pausenprogramm gegenüber dem Büro auf der Arbeitsstätte nicht verändert und keine neuen Tätigkeiten ausprobiert. 43 % berichten, dass die Pausen im Home-Office erholsamer waren/seien als die im Büro.

Xing, New Work Corona-Barometer – Gestaltung von Home-Office-Pausen, Juni 2020
https://www.new-work.se/de/newsroom/pressemitteilungen/2020-1-Corona-Barometer-Pause



Beschäftigte in Deutschland möchten zurück in Büro


In Frankreich, Großbritannien, Schweden, den Vereinigten Staaten und in Japan hindert auch nach drei Monaten der Coronapandemie und damit verbundenem Home-Office mindestens die Hälfte der Befragten „die Angst vor dem Virus“ davor, in Büro zurückzukehren. Die Top-Antwort der deutschen Mitarbeitenden auf die Frage, welche Hindernisse es bzgl. einer Rückkehr auf den Arbeitsplatz gibt, lautet mit 36 % „Es gibt keine nennenswerten Hindernisse.“. Der Wunsch nach Home-Office scheint derzeit nicht mehr sonderlich groß zu sein: Weniger als jed*r fünfte Beschäftigte (18 %) in Deutschland nannte als Hindernis für die Rückkehr, dass sie*er von zu Hause aus arbeiten wolle.

Allerdings äußerten mehr als 70 % der Deutschen den Wunsch, dass Home-Office grundsätzlich häufiger wird. Noch größer ist der Wunsch nach flexiblem Arbeiten – mit 77 % Zustimmung.

Kekst CNC, Rückkehr an den Arbeitsplatz?, Juni 2020
Vgl. https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wenige-deutsche-wollen-von-zu-hause-arbeiten-16813579.html



Wunsch nach Work-Life-Balance ist gestiegen


70 % der für die Studie befragten Xing-Mitglieder arbeiteten Anfang Mai teilweise oder ausschließlich im Home-Office. 51 % freuen sich jedoch wieder auf das Arbeiten im Büro. Am meisten vermissen die Befragten (91 %) ihre Kolleg*innen und die sozialen Kontakte im Büro. Rund 66 % schätzen die bessere Trennung von Arbeit und Beruf und 41 % die bessere Arbeitsausstattung. Zudem geben 37 % an, im Büro produktiver zu sein als im Home-Office.

76 % erwarten deutliche Änderungen für die Zukunft: 40 % meinen, dass sich aufgrund der Erfahrungen Arbeitszeiten ändern werden, wobei für ebenfalls 40 % die Trennung von Beruf und Privatleben im Home-Office schwierig ist. Ein Effekt ist: Mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland ist die Work-Life-Balance wichtiger geworden, 46 % schauen mehr auf Sicherheit im Job, 44 % leben mehr Wert auf flexible Arbeitszeiten.

Xing, New Work Corona-Barometer – Zukunft der Arbeitswelt, Juni 2020
https://www.new-work.se/de/newsroom/pressemitteilungen/2020-1-das-corona-barometer-zur-aktuellen-situation-am-arbeitsmarkt



Digitaler Weiterbildungsschub durch Coronapandemie


Bei 44,5 % der Unternehmen haben sich die Weiterbildungsaktivitäten seit Beginn der Coronapandemie nicht verändert. Bei einem Viertel (25,9 %) sind sie gesunken, aber bei 12 % sogar gestiegen.

Bemerkbar ist ein positiver Trend bei der Nutzung digitaler Lernmedien: 36 % der Unternehmen bauten die Nutzung digitaler Lernangebote aus. Selbst jedes zehnte Unternehmen, das seine Weiterbildungsaktivitäten insgesamt verringert hat, wandte sich aktuellen Situation digitalen Formaten zu.

KOFA & IW Köln, Weiterbildung in der Corona-Pandemie, Juni 2020
https://bildungsklick.de/fileadmin/user_upload/www.bildungsklick.de/PDFs/Weiterbildung_waehrend_Corona-Pandemie.pdf



Deutsche kommen vergleichsweise gut durch die Coronakrise


Im Vergleich zu anderen Europäer*innen sind die Deutschen vergleichsweise gut durch die Coronakrise gekommen. Während in Deutschland rund ein Drittel (32 %) der Haushalte bislang Einkommenseinbußen hinnehmen musste, waren es in Italien 57 % und in Spanien sogar 61 %.

PwC, Auswirkungen der Pandemie auf Konsumverhalten und Handel, Juni 2020
https://www.pwc.de/de/handel-und-konsumguter/deutsche-verbraucher-kommen-vergleichsweise-gut-durch-die-coronakrise.html



Höhere Geburtenrate hängt an wirtschaftlichen Erwägungen


Während der französische Staat in der Vergangenheit viel Geld in die Kinderbetreuung investierte, wurde dies in der Bundesrepublik vernachlässigt. Deshalb – so eine zentrale Aussage der Studie – mussten sich die Frauen in der Bundesrepublik oft zwischen Kind und Karriere entscheiden. Eine Abwägung, die vor allem bei Frauen mit Universitätsabschluss und hohem Einkommen auf Kosten des Nachwuchses ging.

Allerdings bezieht sich der Zeitraum, den die Autoren untersucht haben, auf Frauen im gebärfähigen Alter zwischen 1994 und 2007. Die Zahlen sind also veraltet, da es in Deutschland keine jüngeren Datensätze gibt.

ZEW, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit in Frankreich und Deutschland, Juni 2020
https://www.pressebox.de/inaktiv/zew-leibniz-zentrum-fuer-europaeische-wirtschaftsforschung-gmbh-mannheim/Vereinbarkeit-von-Familie-und-Beruf/boxid/1008538


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