Dienstag, 29. Dezember 2020

Vereinbarkeit in Zahlen: Numerisch Beeindruckendes am Ende des Krisenjahres

 

Stichwörter zu aktuellen Studien aus der Arbeitswelt und dem Themenfeld Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)


72 Prozent der Beschäftigten bevorzugen hybrides Arbeiten. Etwa 2/3 der pflegenden Angehörigen ist im Alter von 50-70 Jahren. Mehr beeindruckende Fakten aus der Welt der Studien, die auch Learnings aus dem Coronajahr beinhalten, in dieser neuen Ausgabe der Blogserie „Vereinbarkeit in Zahlen“.


Erlebtes Gerechtigkeitsempfinden ist stark von Führungskräften abhängig


Die erlebte Gerechtigkeit durch Führungskräfte beeinflusst die krankheitsbedingten Fehlzeiten von Beschäftigten. Insgesamt 2.500 Arbeitnehmer*innen von 18 bis 65 Jahren wurden zu ihrem Gerechtigkeitsempfinden am Arbeitsplatz und den Auswirkungen auf die Gesundheit befragt. 23,3 % empfinden Wut und Ärger, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen durch ihre Führungskraft, 25,8 % klagen sogar körperliche Auswirkungen wie Rücken- und Gelenkschmerzen. Empfundene Gerechtigkeit im Unternehmen und durch die Führungskraft bedingen die Bindung des Beschäftigten an das jeweilige Unternehmen.

Dies ist insbesondere im Ringen um Fachkräfte eine wichtige Information zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität und dem empfunden Wir-Gefühl. Besonders wichtig sind den Befragten zudem Anerkennung, Vertrauen und faire Streitkultur im Unternehmen. 46,4 % der Befragten fehlen gerechte Konfliktlösungen und 40,8 % fehlt es an Wertschätzung.

Wissenschaftliches Institut AOK (WidO) & Universität Bielefeld & Beuth Hochschule für Technik Berlin, Fehlzeitenreport 2020, September 2020
https://www.aok-bv.de/presse/pressemitteilungen/2020/index_23944.html 


Pflege von Angehörigen durch erhöhtes Renteneintrittsalter erschwert 


Das höhere Renteneintrittsalter für Berufstätige verschärft die Pflege-Situation und ihre pflegebedürftigen Angehörigen. Besonders betroffen von der Anhebung sind Frauen*. So sind etwa 2/3 der Pflegenden im Alter von 50-70 Jahren. Frauen* reduzierten zudem oftmals ihre Arbeitszeit oder wählten Frühverrentungsmöglichkeiten. 

Dies führe häufig zu Einbußen bei Einkommen und später der Rente. Männer* sind dagegen weiterhin unterrepräsentiert in der Pflege von Angehörigen. Eine bessere Aufteilung der Sorgearbeit wird allerdings angesichts der stetig steigenden Zahlen der Pflegebedürftigen immer notwendiger. Laut DIW-Forscher Björn Müller könnten Politikmaßnahmen wie etwa eine Ausweitung des Pflegegelds oder Lohnersatzleistungen hier Anreize schaffen. 


DIW, Auswirkungen rentenpolitischer Entscheidungen auf Pflege, November 2020
https://www.diw.de/de/diw_01.c.802867.de/engpaesse_bei_pflege_durch_angehoerige_koennten_durch_bessere_vereinbarkeit_mit_beruf_verhindert_werden.html


Coronakrise als Stresstest für Eltern 


Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöht in Coronazeiten das Stresslevel von Eltern. Laut einer Forsa-Umfrage in Elternhaushalten im Auftrag für die Minijob-Zentrale empfinden 60 % der Befragten Stress. Jeder Dritte leider sogar unter körperlichen Auswirkungen wie Kopfschmerzen. 45 % belasten Sorge und Ängste und jeder zweite Befragte spürt einen enormen Druck durch die Auswirkungen der Coronapandemie.

Forsa & Minijob-Zentrale: Eltern in der Corona-Krise, November 2020
https://de.investing.com/news/coronavirus/virustickerumfrage--60-prozent-der-eltern-fuhlen-in-coronakrise-gestresst-2075221



Viele Arbeitgeber unterstützten entscheidend Eltern bei Betreuungsproblemen im Corona-Lockdown 


Die Mehrheit (59 %) der Deutschen hat die Zeit der Corona-Beschränkungen im Frühjahr gut gemeistert, 15 % hatten große Probleme. Insbesondere Alleinerziehende und berufstätige Paar-Familien hatten bei der Neuorganisation der Kinderbetreuung Probleme. Familien- und lebensphasenbewusste Maßnahmen innerhalb eines Betriebes ermöglichten vielen Eltern ihre Kinder gut zu betreuen und waren damit entscheidend für eine gute Bewältigung der Krise. 


Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Familien in der Corona-Zeit, April/ Mai 2020
www.bmfsfj.de/familien-in-der-corona-zeit


Stark nachgefragt: Hybride Arbeitsmodelle 


Das Future Forum hat im Zeitraum vom 30. Juni bis 11. August 2020 9.000 Arbeitnehmer*innen in sechs Ländern, darunter auch Deutschland, zu ihren Erfahrungen mit Remote Work befragt. Ein Ergebnis, der Befragung ist, dass die Beschäftigten zufriedener sind, wenn sie im Home-Office arbeiten können. Insbesondere Beschäftigte mit flexiblen Arbeitszeiten zeigten sich zufriedener. Der Verlust sozialer Bindungen und ein damit einhergehendes fehlendes Zugehörigkeitsgefühl zeigte sich als Problemfeld der Arbeit auf Distanz. Wohl auch deshalb bevorzugen 72 % der Befragten hybrides Arbeiten, also eine Mischung aus Remote Work und Büroarbeit.

Future Forum, Remote Employee Experience Index; Juni – August 2020
https://www.humanresourcesmanager.de/news/remote-work-macht-beschaeftigte-gluecklicher.html  


Umsetzung von Home-Office weitgehend problemfrei, allerdings erschwerte Vereinbarkeit von Beruf und Familie 


Einer ifo-Befragung von 1188 Manager*innen und Personalleiter*innen zu folge verlief die Umstellung auf Home-Office bei 84 % weitgehend problemfrei. Probleme entstanden laut den Befragten insbesondere durch fehlende technische Voraussetzungen (55 %) oder fehlender Bandbreite (40 %). Für 54 % erschwerte sich dagegen die Kommunikation zwischen den Angestellten, 40 % beklagten eine mangelnde Abstimmung und für 54 % wurde die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwieriger.

ifo, Umsetzung Home-Office, November 2020
https://www.ifo.de/node/59824

Digitalisierung wirkt entlastend 


In einer Sonderanalyse der DAK-Gesundheit zum Thema Digitalisierung und Home-Office wurden 5.845 Personen befragt. Im Vergleich zu vor der Coronakrise nahezu die Hälfte aller Befragten sich durch die Arbeit mit digitalen Tools entlastet fühlen – vor Corona sahen das lediglich 35 % der Befragten so. Der Anteil, derer, die die Digitalisierung als belastend empfunden sank von 43 % auf 15 %. Ein wichtiger Grund dafür kann die Erhöhung der Teilnehmenden an Video-/ und Telefonkonferenzen sein: von 17 % auf 35 %. Im Vergleich zur ersten Befragung arbeiteten bereits 28 % täglich im Home-Office.

Sonderanalyse der DAK: Digitalisierung und Home-Office in der Corona-Krise, Juli 2020 
https://www.managerseminare.de/ms_Artikel/Arbeit-in-der-Corona-Krise-Digitalisierung-eher-entlastend-als-belastend,280464


Produktivität im Home-Office: Wahrnehmung von Arbeitnehmenden und Arbeitgebern gehen auseinander 


Nach einer Umfrage unter 7.000 Arbeitnehmenden der DAK aus dem Sommer hatten 56 % das Gefühl produktiver im Home-Office zu sein. Eine Umfrage des ifo-Instituts unter 1.097 Unternehmen offenbart jedoch die andere Sicht der Arbeitgeber: Nur 5,7 % der Befragten nehmen eine Steigerung der Produktivität ihrer Mitarbeitenden wahr, 30, 4 % bemerken keine Veränderungen und 27 % nehmen sogar eine gesunkene Produktivität wahr.

ifo-Institut: Produktivität im Home-Office, Oktober 2020
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/home-office-streit-um-die-arbeit-daheim-1.5115900


Home-Office und mobile Arbeit: mehr Gestaltungsmöglichkeiten, höhere Belastung 


Der Report des DGB-Index Gute Arbeit offenbart: Die Beschäftigten haben in mobiler Arbeit mehr Gestaltungsmöglichkeiten, jedoch steigt auch die Belastung. Von 39 % der Beschäftigten im Home-Office müssen wird häufig oder sehr häufig erwartet, dass sie außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sind. Bei Beschäftigten mit festem Arbeitsplatz liegt dieser Wert lediglich bei 15 %. Auch die Arbeitszeitbelastung liegt bei mobil Arbeitenden höher als bei Beschäftigten mit einem festen Arbeitsplatz.

DGB, DGB-Index Gute Arbeit, Dezember 2020
https://www.dgb.de/themen/++co++aeb6f25e-38ce-11eb-82a4-001a4a160123


Deutsche gebildete Männer* mit Kindern befinden sich vermehrt im Home-Office 


Laut einer Studie der GFK unter 2.000 Beschäftigten aus Deutschland, Großbritannien und Frankreich zeigt sich: Eine Mehrheit der Befragten in Deutschland, die seit dem Lockdown im Home-Office arbeiteten, ist männlich und mit hohem Bildungsabschluss. Die Hälfte der Befragten lebt zudem mit Kindern unter 18 Jahren zusammen. Insbesondere die Zeitersparnis (66 %), die sinkende Umweltbelastung durch den gesparten Arbeitsweg empfanden 44 % als positiven Effekt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nannten 51 % als wichtigen Pluspunkt, jedoch gaben 35 % auch an, dass die Grenze zwischen Arbeitszeit und Privatleben durch das Home-Office verschwimmen. Ein Viertel der Befragten klagt über Einsamkeit, fehlende soziale Interaktion und fehlendes Zugehörigkeitsgefühl durch das Home-Office.

GFK, Deutsche im Home Office: Männlich, gebildet und mit Kindern, November 2020
https://www.gfk.com/de/presse/Work-from-Home-Germany?hsLang=de


Zoom-Fatigue als Problem der virtuellen Zusammenarbeit 


Laut einer Umfrage des Instituts für Beschäftigung und Employability IBE unter 422 Geschäftsführenden, Führungskräften und Personalführenden leiden 60 % an einer Müdigkeit durch virtuelle Meetings über Zoom, Webex und Co. 64 % der Befragten fühlen sich durch diese Müdigkeit belastet, wenn sie auftritt. Insbesondere Gereiztheit und Konzentrationsprobleme und auch Kopf- und Rückenschmerzen werden als Begleiterscheinungen geschildert. 70 % der Zoom-Ermüdeten geben zudem an, dass ihnen Small Talks oder das bei analogen Meetings übliche Netzwerken nebenher fehlt.

Verbesserungspotenzial zur Reduzierung zur Müdigkeit sehen die Befragten in einer Begrenzung der Meeting-Zeit (78 %) oder Pausen zwischen den Meetings (72 %) und 56 % würden sich über eine humorvolle Moderation freuen.

Institut für Beschäftigung und Employability, Zoom-Fatigue, September 2020
https://www.ibe-ludwigshafen.de/zoom_fatigue/


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