Dienstag, 30. März 2021

Vereinbarkeit in Zahlen: Corona im Fokus

 

Stichwörter zum Thema Vereinbarkeit (©berufundfamilie Service GmbH)


Für produktives Arbeiten im Home-Office ist die Wohnsituation von großer Bedeutung. 63 % sind für eine verbindliche Frauenquote in Führungspositionen. Der Anteil der Familien, in denen ausschließlich Frauen* die Sorgearbeit leisten, hat sich im Lockdown verdoppelt. Mehr Infos aus der Studienwelt zum Thema Vereinbarkeit lesen Sie hier.


Wohnsituation im Homeoffice ist entscheidend


Eine Befragung der TU Darmstadt kurz nach Beginn des Lockdowns unter Bürobeschäftigten zeigt: Die Wohnsituation hat einen entscheidenden Einfluss auf das erfolgreiche Arbeiten von Beschäftigten im Home-Office. In der Längsschnittstudie befassten sich die Wissenschaftler*innen mit verschiedenen Fragen: Wie und wo wird zuhause gearbeitet? Wie sehen Beschäftigte die Arbeit zuhause? Wie produktiv ist die Arbeit im Home-Office und was ist entscheidend für den Erfolg? Die Studie umfasst dabei drei Befragungswellen in Juni, August und Oktober 2020.

Es wird deutlich: Home-Office und Wahrnehmung in der Gesellschaft liegen auseinander. Es waren bereits vor der Pandemie viele Beschäftigte auch im Home-Office tätig. Mehr als ein Drittel der Beschäftigten fand, dass sie im Home-Office weniger produktiv seien. Je größer die Erfahrungen mit Home-Office im Laufe des Jahres wurden, desto deutlicher wurde diese Wahrnehmung.

Ein triftiger Grund dafür ist der Arbeitsort. Die Wohnsituation erwies sich als wichtigster Faktor, um produktiv im Home-Office zu sein. Selbst die Art der Arbeit oder die Kinderanzahl waren weniger entscheidend für die Befragten.
Die Studie macht deutlich: Je zufriedener Beschäftigte mit ihrer Wohnsituation waren, desto zufriedener und produktiver waren sie bei der Arbeit von zuhause aus.
Für Singles war das Home-Office zudem besonders schwer. Den befragten Singles fehlten insbesondere der soziale Austausch und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten im Home-Office.

TU Darmstadt, Gewinner und Verlierer im Homeoffice, März 2021
https://www.forum-csr.net/News/15831/Homeofficewergewinntwerverliert.html



Corona-Pandemie beeinflusst die Rolle von Führungskräften


Eine wesentliche Erkenntnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Initiative Chefsache unter mehr als 1.000 Beschäftigten ist: Je häufiger Führungskräfte im Home-Office sind und damit selbstbestimmter arbeiten, desto wichtiger ist eine offene Unternehmenskultur. 
Sie ist besonders wichtig dabei, dass Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber beizubehalten. 42 % der befragten Führungskräfte arbeiteten im Januar 2021 von zuhause aus. Der Anteil lag damit 20 % höher als im Vorjahreszeitraum.

Das Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber litt unter den Lockdown-Bedingungen: 81 % der Befragten äußerten, dass sie ihr Zugehörigkeitsgefühl zum Arbeitgeber ausgeprägt sei, 2020 lag dieser Anteil noch bei 84 %. Dies könnte laut Umfrage mit der erschwerten Führung auf Distanz zusammenhängen.

Die Führungskräfte verlieren zudem das Interesse an einer offenen Unternehmenskultur. Im Januar 2020 äußerten 59 % der Befragten, dass sie Interesse an einer offenen Unternehmenskultur haben. Im Januar 2021 sank der Anteil auf 47 %. Bei allen Beschäftigten lag dieser Rückgang im Interesse an einer offenen Unternehmenskultur nicht vor (53 vs. 51%) Eine Mehrheit der Führungskräfte (74 %) vermisst das Arbeitsleben im Vorkrisenmodus.

Initiative Chefsache, New Work Bericht, Januar 2021
https://initiative-chefsache.de/wie-die-covid19-pandemie-die-chancengerechtigkeit-beeinflusst/
https://www.finanzen.net/nachricht/aktien/umfrage-pandemie-veraendert-arbeitsweise-von-fuehrungskraeften-9928636


Corona-Krise belastet Beschäftigte stark


Eine repräsentative Umfrage des Beratungsunternehmen Gallups offenbart: Jeder dritte Beschäftigte (35 %) fühlt sich ausgebrannt. Damit ist dieser Anteil um 9 % im Vergleich zu 2019 gestiegen. Für die Umfrage wurden im November und Dezember 2020 1.000 zufällig ausgewählte Beschäftigte ab 18 Jahren in Deutschland befragt. Auch der Wunsch nach einem Jobwechsel bei den Beschäftigten steigt. Lediglich 61 % möchten sicher auch im nächsten Jahr bei ihrem Arbeitgeber bleiben.

Im Vorjahr waren es noch 73 % der befragten Beschäftigten. In Bezug auf das Krisenmanagement ihres Arbeitgebers zu Corona-Zeiten sind die Befragten gespalten: Drei Viertel sind mit ihrer Geschäftsführung zufrieden. Blickt man auf die direkte Führung, ändert sich das Bild jedoch. Hier geben 32 % an, dass sich ihre Organisation nur mäßig oder gar nicht für das Wohlbefinden der eigenen Beschäftigten interessiere. Insbesondere im Hinblick auf die Corona-Risiken zeigt sich die Skepsis. Hier fühlt sich nur jeder dritte Beschäftigte derzeit sicher am Arbeitsplatz.

Gallup, Gallup Index, März 2021
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/gallup-studie-corona-spaltet-die-arbeitnehmer-17250942.html 
https://www.handelsblatt.com/dpa/konjunktur/wirtschaft-handel-und-finanzen-umfrage-mehr-beschaeftigte-fuehlen-sich-ausgebrannt/27016688.html?ticket=ST-70475-xjsGvubKu9boXe6cUl4D-ap2



Coronapandemie mit Auswirkungen auf berufliche Weiterbildungen


Eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag der Haufe-Akademie unter 1.004 Angestellten in Deutschland im Dezember 2020 zeigt: Corona verstärkt die Unterschiede bei Weiterbildungen zwischen jungen und älteren Beschäftigten. So gab rund ein Fünftel der Befragten, die 56 oder älter waren, an, dass Weiterbildungen in der Pandemie weniger wichtig geworden seien. 
Bei den unter 35-Jährigen waren es nur 5%. Auch insgesamt zögern insbesondere ältere Beschäftigte bei der beruflichen Weiterbildung. Zwei Drittel dieser Gruppe halten Weiterbildungen generell für wichtig. Bei den jüngeren Befragten sind es dagegen 87 %. Insgesamt hielten 78 % aller Befragten es für wichtig oder sehr wichtig sich beruflich weiterzubilden.

60 % der befragten Beschäftigten haben 2020 eine Weiterbildung besucht. Auffällig: Trotz Corona fanden 82 % der Weiterbildungen in Präsenz statt. 88 % der Arbeitnehmer* innen hätten Online- oder Mischformate präferiert. Immerhin ein Drittel gab jedoch als Grund gegen Online-Kurse an, dass sie sich bei Weiterbildungen in Präsenz besser konzentrieren könnten.

Forsa & Haufe- Akademie, Umfrage, Dezember 2020
https://www.faz.net/aktuell/karriere-hochschule/buero-co/lebenslanges-lernen-juengere-bilden-sich-eher-weiter-17216942.html



Ungleiche Verteilung der Sorgearbeit wächst während Corona


Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) auf Basis von pairfam-Daten zeigt: Mehrheitlich haben Mütter* die coronabedingten Schließungen von Schulen und Kitas im Frühjahr durch die eigene Betreuung aufgefangen. Hierzu wurden die Daten einer Corona-Zusatzerhebung bestehend aus 3. 000 Menschen des Beziehungs- und Familienpanels pairfam aus dem Frühjahr 2020 ausgewertet. Die Studie beinhaltet hierbei 967 befragte Paarhaushalte mit Kindern.

Es zeigt sich deutlich: Frauen* tragen die Hauptlast der Sorgearbeit. Der Anteil der Familien in Deutschland, in denen Frauen* ausschließlich für die Kinderbetreuung zuständig sind, stieg im Vergleich zu 2019 von 8 % auf 16 %. Er hat sich damit verdoppelt. Auch bei der Hausarbeit erhöhte sich der Anteil: 2020 erledigten in 27 % der Familien fast ausschließlich die Frauen* die Hausarbeit. 2019 waren es noch 22 %. Ein weiteres Ergebnis der Auswertung: Dort wo die Sorgearbeit schon vor der Pandemie gleichmäßiger aufgeteilt war, veränderte sich nichts.

Auch die die unterschiedliche Wahrnehmung zur Aufteilung der Sorgearbeit hat sich während der Pandemie verändert. 24 % der Mütter* gaben an, sie hätten im Lockdown die Kinderbetreuung allein gestemmt – unter den Vätern* waren dies dagegen nur 5 %.

Deutsches Institut für Wirtschafsforschung (DIW Berlin), Corona-Zusatzbefragung, März 2021
https://www.diw.de/de/diw_01.c.812230.de/publikationen/wochenberichte/2021_09_1/sorgearbeit_waehrend_der_corona-pandemie__muetter_uebernehme___n_anteil_____vor_allem_bei_schon_zuvor_ungleicher_aufteilung.html?pic=figure1#figure1 



Jede zweite Frau* zweifelt am Willen des Arbeitgebers 


In verschiedenen Randstad-Studien wurden berufstätige Frauen* zu diversen Themen in der Arbeitswelt befragt. Ein zentrales Ergebnis: 48 % der befragten Frauen* glauben nicht, daran, dass ihr Arbeitgeber entschlossen ist, sie beruflich zu fördern. Bei den befragten Männern* lag dieser Anteil bei 40 %. Ungeachtet dieser Tatsache gaben 71 % der befragten Frauen* an, regelmäßig daran zu arbeiten, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen zu erweitern, um damit ihre Beschäftigungsfähigkeit zu steigern.
In Bezug auf die Work-Life- Balance gaben 51 % der Frauen* an, dass es wichtig für sie sei, flexibel arbeiten zu können. 43 % der Befragten legen bei der Arbeitgeberwahl Wert auf eine gute Work-Life-Balance.
75 % der Befragten gaben zudem an, dass sie ihre Arbeitszeit flexibel einteilen und damit Beruf und Privatleben besser vereinbaren können. Auch die Arbeitsatmosphäre ist ein wichtiges Kriterium bei der Arbeitgeberwahl. 56 % der befragten Frauen* gaben an, ihnen sei eine angenehme Arbeitsatmosphäre wichtig. Dies sagten nur 44 % der Männer*.

Ranstad, Frauen in der Arbeitswelt, März 2021
https://blog.wiwo.de/management/2021/03/08/randstad-umfrage-jede-zweite-frau-denkt-dass-ihr-arbeitgeber-sie-nicht-foerdern-will-und-jede-dritte-sieht-sich-nach-einer-neuen-company-um/
https://www.randstad.de/hr-portal/unternehmensfuehrung/frauen-arbeitswelt-chancen-herausforderungen/



Große Zustimmung für Gleichstellung und weiterer Handlungsbedarf


95 % der Frauen* und Männer* räumen der Gleichstellung für eine demokratische Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein. 80 % verbinden mit Gleichstellung etwas Positives. Insbesondere die Entlastung von Frauen* bei Familienarbeit, die gestiegene Zeit für Beruf und Karriere und bessere Chance auf Führungspositionen sehen zwei Drittel der Befragten als positive Effekte der Gleichstellungspolitik. Auch für Männer* bringt die Gleichstellungspolitik Vorteile: so können sie mehr Zeit in die Familie investieren und der Druck aus der Versorgerrolle nimmt ab. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage von Kantar im Auftrag des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend. Für die Umfrage wurden 1.000 computergestützte Telefoninterviews geführt.

63 % der Befragten sprechen sich für eine verbindliche Frauenquote aus, um so die männliche Dominanz in Führungspositionen zu senken. Ein Großteil sieht trotz der Fortschritte noch viel Handlungsbedarf. Lediglich 14 % stimmen der Aussage zu, dass die Gleichstellungspolitik schon alles erreicht habe. Daran ändert auch die Corona-Krise nichts: nur 36 % der Befragten sehen in ihr eine Chance für mehr Gleichstellung. 90 % der Befragten erhoffen sich zudem für zukünftige Generationen ,dass diese sich unabhängig von Geschlechterstereotypen entfalten können.

Bundesfamilienministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend & Kantar, Mehr Gleichstellung im Beruf, mehr Partnerschaftlichkeit im Privaten, März 2021
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/ministerin-giffey-gleichstellung-von-frauen-und-maennern-ist-eine-gemeinsame-gesellschaftsaufgabe-177092


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