Mittwoch, 21. Januar 2026

Zur Debatte, Herr Schmitz: Warum es nicht darum geht, sich Vereinbarkeit und Vielfalt zu leisten

Es braucht gelingende Vereinbarkeit und Wertschätzung der Vielfalt, damit Beschäftigte Leistung entfalten können
(Hintergrundfoto: Allie Lehmann on deathtothestockphoto.com,Porträtaufnahme Oliver Schmitz: berufundfamilie Service GmbH) 

„Leistungsstark: Vereinbarkeit und Vielfalt“ lautet unser Jahresmotto 2026. Unseren Geschäftsführer Oliver Schmitz haben wir zu den Zusammenhängen der familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik, des Vielfaltsmangements und der Leistungsentfaltung befragt – und inwiefern ein Zusammenwirken gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten gefragt ist.

Seit 28 Jahren begleitet die berufundfamilie Arbeitgeber dabei, sich mittels einer vereinbarkeitsfördernden Personalpolitik zukunftsorientiert aufzustellen – neuerdings auch verstärkt mit einer vielfaltsgerechten Ausrichtung. In den Anfängen galt dies bei der Mehrzahl der Organisationen noch als Luxus – als ein „Das leisten wir uns.“. Wie hat sich der Stellenwert einer familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik im Laufe der Zeit entwickelt?

Der wahre „Charakter“ zeigt sich häufig erst in der Krise. In der Finanzkrise wurden Beschäftigte noch im großen Stil entlassen, wofür man später hat zahlen müssen, als die Konjunktur wieder angesprungen ist. Bei der Corona-Krise war man deutlich bemühter und ist zum Teil sehr stark auf die Belange der Beschäftigten eingegangen, was sich im Anschluss bezahlt gemacht hat. Man versteht zunehmend, dass es Vereinbarkeit braucht, um Beschäftigte leistungsfähig und leistungsbereit zu halten.

Gilt das auch für das Themenfeld Vielfalt?

Es gibt nicht wenige Organisationen die sich schon lange und intensiv mit dem Thema Vielfalt beschäftigen. Trotzdem kommt es erst langsam auch in der Breite an, dass es wichtig ist, sich mit dem Thema zu beschäftigen – allein schon, um mit der bereits vorhandenen Vielfalt konstruktiv umgehen zu können. Denn wir werden nicht nur vielfältiger, wir sind bereits vielfältiger als es den meisten bewusst ist – da liegt eine große Chance drin!

Das finanzielle Korsett ist enger geschnürt. An Personal mangelt es vielerorts in großem Maße. Führt das dazu, dass Arbeitgeber weniger in Kulturthemen investieren?

Da gilt, was ich eingangs gesagt habe: Man bleibt jetzt häufig auch in krisenhaften Situationen näher an den Beschäftigten und versucht auf deren Belange einzugehen. Natürlich können sich auch die Grenzen des Machbaren verschieben. Bei der großen Anzahl an Arbeitgebern, die wir begleiten, gibt es auch immer wieder mal Arbeitgeber, die sich vorübergehend in schwierigen Zeiten befinden. Da heißt es aber, mit Augenmass dran zu bleiben, um das Erreichte zu sichern, insbesondere die entstandene Kultur zu sichern. Auch wenn ich evtl. einzelne Angebote vorübergehend etwas runterfahren muss, wenn ich dies transparent und unter Einbindung der Belegschaft mache, dann entsteht dafür auch Verständnis und man kann weitestegehnd die Kultur bewahren, die über viele Jahre aufgebaut wurde.

Gibt es Unterschiede hinsichtlich der Größe der Organisationen oder ihrer Branchenzugehörigkeit? Bleiben größere Unternehmen eher bei einer systematischen Umsetzung als kleine? Wer ist eher bereit, jetzt einzusteigen?

Ob man am Thema dran bleibt, hat weniger mit Größe oder Branche zu tun. Es liegt häufig vielmehr am Management. Dasselbe gilt auch für diejenigen, die jetzt einsteigen. Wir haben zahlreiche Arbeitgeber auch in derzeit krisenhaften Branchen, die trotzdem am Ball bleiben, weil das Management entsprechend weitsichtig ist und es die passenden Antreiber*innen in der Belegschaft gibt.

Warum wäre es fatal, wenn Arbeitgeber das Engagement für Vereinbarkeit und Vielfalt zurückfahren?

Weil man seine gelebte Kultur beschädigt, die man sich häufig über eine lange Zeit hinweg aufgebaut hat und die nicht durch ein paar Maßnahmen leicht wiederzugewinnen ist. Am Ende leidet auch die Arbeitgebermarke, was bei der Bindung und der Gewinnung von Beschäftigten auch negativ messbar sein wird.

Würdest du sagen, dass insbesondere in diesen volatilen Zeiten Arbeitgeber eine Mitverantwortung tragen, Zeichen für Vereinbarkeit und Vielfalt zu setzen?

Wir leben in einer Zeit mit häufig „künstlich“ herbeigeführter Aufregung. Das merken wir gerade auch bei den Vielfaltsthemen. Gegner*innen versuchen, Dinge häufig nicht durch Gegenargumente sondern durch Polarisierung und Dramatisierung zu deskreditieren. Hier als Arbeitgeber Haltung zu bewahren und ganz sachlich und konstruktiv mit den Themen umzugehen, ist eine Gewinn für die eigene Organisation und setzt auch ein Zeichen in der Gesellschaft!

Zum Abschluss: Welcher Satz gefällt dir besser?:
a) Vereinbarkeit und Vielfalt muss man sich leisten, um Leistung abliefern zu können.
b) Leistung braucht Vereinbarkeit, Leistung braucht Vielfalt.


Eindeutig b), denn nur durch eine sinnvolle Vereinbarkeit und einen konstruktiven Umgang mit Vielfalt, kann ich die Potenziale an Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft nutzen, die in meiner Belegschaft vorhanden sind!

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