Mittwoch, 25. Februar 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Alles eine Frage der Zeit

Wenn Zeit Produktivität, Wohlbefinden und mehr bestimmt
(Foto: Diana on pexels.com, Wortwolke: berufundfamilie Service GmbH)

Zeit ist Geld – der Spruch bewahrheitet sich mit Blick auf das im Büro verbrachte Arbeitspensum, denn Anwesenheit reduziert vermeidbare Neben- und Energiekosten. Zudem zahlt sich die Verringerung der Gesamtarbeitszeit in Form der 4-Tage-Woche aus. Viel Zeit im Home-Office kann sich hingegen negativ auf die Gesamtproduktivität von Beschäftigten auswirken. Mehr aktuelle Studienerkenntnisse teilen wir in der heutigen neuen Ausgabe der Blogserie „Vereinbarkeit in Zahlen“.


Weniger Arbeitstage, hohe Produktivität, mehr Wohlbefinden


Nachdem 41 deutsche Unternehmen für 6 Monate eine 4-Tage-Woche testeten, zeigt sich: 73% führen die 4-Tage-Woche fort. 90% der involvierten Beschäftigten bescherte die 4-Tage-Woche nämlich ein erhöhtes Wohlbefinden. Bei 69% verbesserte sich die Work-Life-Balance, bei 25% sogar deutlich. 6% stellten weder eine Verschlechterung noch eine Verbesserung fest.

Die klassische 4-Tage-Woche wurde jedoch abgewählt. Die an der Untersuchung teilnehmenden Arbeitgeber setzten bereits während der Pilotphase auf flexiblere Lösungen der Arbeitszeitreduzierung: Flexible Wochenreduzierungen, monatliche Arbeitszeitkontingente oder Rotationssysteme – alle im Sinne der Reduzierung der Gesamtarbeitszeit – erwiesen bzw. erweisen sich als praktikabler. Die Studie belegt damit auch: Es gibt kein One-Size-Fits-All-Modell.

Universität Münster, Backmann, J., Hoch, F., Hüby, J., Platz, M., Sinnemann, M.F., Die 4-Tage-Woche in Deutschland: Ein Follow-Up zwei Jahre nach dem Start der Pilotstudie, 2026, https://www.4tagewoche.org/


Zeit mit Kolleg*innen zahlt auf Gesamtproduktivität ein


Im Home-Office sind Beschäftigte bei Routineaufgaben etwa 20% produktiver als im Büro. Bei einem Heimarbeit-Anteil ab ca. 60% (der Gesamtarbeitszeit) leidet allerdings die Gesamtproduktivität. Gründe sind vor allem das Fehlen informellen Austauschs und spontaner Problemlösungen mit Kolleg*innen.

Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO & Techniker Krankenkasse (TK), Höhere Produktivität im Homeoffice?, 2026, https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/studie-homeoffice-produktiver-2212078


Beschäftigte bewerten kleine private Zeitinseln im Home-Office positiv


Nach eigener Angabe sind 74% der Erwerbstätigen im Home-Office täglich weniger als 30 Minuten mit privaten Aufgaben beschäftigt. 31,1% empfinden kleine private Tätigkeiten (wie beispielsweise das Staubsaugen) als „Inseln der Entspannung“. 25% bauen mit ihnen Stress ab. 41,1% sind der Meinung, dass sie auch angesichts kleiner Pausen ihre beruflichen Aufgaben bis zum Feierabend erledigen können. Daher finden über 83% private Tätigkeiten im Home-Office „völlig okay“, solange die beruflichen Ergebnisse erbracht werden.

timo24.de, Home-Office, 2026, https://www.timo24.de/blog/studie-home-office-alltag-zwischen-dienst-und-dhl/


Mehr Zeit mit dem Team verringert Neben- und Energiekosten


Laut Untersuchung von LIZ Smart Office nimmt die spontane Verlagerung der Arbeit ins Home-Office ab. Die Zahl der ad hoc eingeläuteten Home-Office-Tage hat sich verringert, während die Zahl der geplanten Präsenztage und damit mit dem Team auf der Arbeitsstätte deutlich zunehmen. Spannend: Damit werden durch Leerstand verursachte Neben- und Energiekosten dezimiert. Ungenutzte Büroflächen und Meetingräume führen zu bis zu 30% vermeidbaren Neben- und Energiekosten.

LIZ Smart Office, Homeoffice-Daten, 2026, vgl. https://www.digitalbusiness-magazin.de/hybrides-arbeiten-ki-entscheidet-ueber-praesenz-kosten-und-vereinbarkeit-a-c5fe13a2d78acf7a05216003cda8583b/


Erzwungene Arbeitszeitreduzierung wegen Betreuungsausfall bei 1/3 der Eltern


54% der erwerbstätigen oder arbeitsuchenden Eltern waren im Herbst 2025 an mindestens einem Tag mit Kürzungen der Betreuungszeiten oder der Schließung der Kita bzw. Ausbleiben der Tageselternbetreuung oder schulischen Ganztagesbetreuung konfrontiert. Nahezu 1/3 der betroffenen Elternteile musste zwecks Ausgleichs der Betreuungslücke seine Arbeitszeit verkürzen. Zum größten Teil übernehmen Frauen die zusätzliche bzw. im Notfall anstehende Carearbeit. Aber auch Männer, die eher in Vollzeit tätig sind, verringern etwas häufiger ihre Arbeitszeit.

WSI/ Hans Böckler Stiftung, WSI-Erwerbspersonenbefragung, November 2025, https://www.wsi.de/de/pressemitteilungen-15991-schliessungen-oder-verkuerzte-zeiten-bei-der-kinderbetreuung-74924.htm


Jüngere Generation hat mehr gemeinsame Zeit mit Kindern


Die American Heritage Time Use-Studie ergab, das US-amerikanische Eltern der sogenannten Generation Y (Millennials) heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen als es ihre Eltern – die der Generation X oder den Babyboomern angehören – mit ihnen taten. Millennial-Mütter sind 160 Minuten länger täglich mit ihrem Nachwuchs zusammen als die GenX-Mütter – das sind 12% mehr.

American Heritage Time Use Study, 2025, vgl. https://www.economist.com/graphic-detail/2026/01/09/millennials-spend-more-time-than-past-generations-with-their-children und https://www.fr.de/panorama/darf-nicht-sein-unterschied-zwischen-millennial-und-boomer-eltern-verbluefft-zr-94141010.html

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