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| Neue Studien aus der Arbeitswelt in der Blogreihe "Vereinbarkeit in Zahlen" (Quelle: berufundfamilie Service GmbH) |
Return-to-Office-Initiativen beeinflussen die Jobzufriedenheit negativ, 58,7% der Beschäftigten spüren eine deutlich erhöhte Arbeitsbelastung und das Ghosting auf dem Arbeitsmarkt greift um sich. Mehr aktuellen Zahlen aus der Arbeitswelt in der April-Ausgabe „Vereinbarkeit in Zahlen“.
Return-to-Office-Initiativen senken Jobzufriedenheit
Eine aktuelle Studie des WSI (Hans-Böckler-Stiftung) von Dr. Yvonne Lott und Dr. Eileen Peters belegt, dass „Return-to-Office“-Initiativen (RTO) deutliche Spuren bei der Belegschaft hinterlassen. Rund 34% der mobil Arbeitenden in Deutschland wurden zuletzt wieder verstärkt ins Büro beordert. Die Folgen: Im Vergleich zu Beschäftigten ohne solche Vorgaben sinkt die durchschnittliche Jobzufriedenheit, während das Belastungsempfinden steigt. Besonders kritisch sehen Mütter die Rückkehrpflicht, da sie oft parallel die Kinderbetreuung organisieren. Darüber hinaus bewerten Führungskräfte die Präsenzpflicht deutlich positiver als Beschäftigte ohne Leitungsfunktion.
Im Durchschnitt fordern Arbeitgeber bei solchen Initiativen eine Präsenz von drei Tagen pro Woche. Nur etwa die Hälfte der Befragten erhielt eine offizielle Begründung für die Rückberufung ins Büro. Wenn eine Begründung vorliegt, ist die Akzeptanz der Maßnahme tendenziell höher. 60% der Arbeitnehmenden vermuten hinter den Maßnahmen eher den Wunsch nach Kontrolle und mangelndes Vertrauen seitens der Arbeitgeber als sachliche Gründe.
Unter den Beschäftigten, denen die Rückkehr ins Büro offiziell begründet wurde, dominieren zwischenmenschliche Aspekte: Weit oben stehen der kollegiale Austausch (86%) und eine effizientere Teamarbeit (76%). Wirtschaftliche oder organisatorische Argumente wie eine höhere Produktivität (knapp 50 %) sowie verbesserte Arbeitsabläufe oder die Auslastung der Büroflächen (jeweils über 33%) werden hingegen deutlich seltener von den Arbeitgebern als Grund genannt.
Yvonne Lott, Eileen Peters: Zurück ins Büro? Verbreitung, Hintergründe und Folgen von Return-to-Office-Initiativen. WSI Policy Brief Nr. 96, März 2026.
https://www.wsi.de/de/pressemitteilungen-15991-erwerbstaetige-mit-vorgaben-fuer-weniger-homeoffice-konfrontiert-75531.htm
1 Tag mehr im Homeoffice könnte 32 Mio. Liter Kraftstoff sparen
Die 19. Befragungswelle der bekannten Konstanzer Homeoffice-Studie legt dar, dass eine Ausweitung des Homeoffice um einen zusätzlichen Tag ein erhebliches Potenzial zur Kraftstoffeinsparung in Deutschland bietet. Laut der Studie könnten täglich mehr als 32 Mio. Liter Kraftstoff eingespart werden. Dies entspricht etwa 19% des gesamten täglichen Kraftstoffverbrauchs im deutschen Personen- und Güterverkehr.
62% der Befragten halten mehr Homeoffice angesichts gestiegener Energiepreise für sinnvoll. Dennoch haben bisher nur 20% ihr Pendelverhalten tatsächlich an die höheren Kosten angepasst. Grund dafür sind eher strukturelle Hindernisse als mangelnde Motivation. So empfindet 1/3 der Befragten die eigene Präsenz im Büro häufig als inhaltlich unbegründet, während 20% wahrnehmen, dass die Zeit vor Ort von vielen lediglich „abgesessen“ wird.
Die Studie zeigt auch: Die Vorbehalte von Führungskräften gegenüber Homeoffice sind spürbar zurückgegangen: Befürworteten 2024 noch 33% eine striktere Präsenzpflicht, sind es nun nur noch 22%. Lediglich 21% der Beschäftigten berichten von verschärften Regeln zur Rückkehr ins Büro. Dies deckt sich mit der Erkenntnis, dass erzwungene Anwesenheit keinen Produktivitätsschub bewirkt, sondern lediglich die Erschöpfung der Mitarbeitenden steigert.
Die 19. Welle der Konstanzer Homeoffice-Studie beleuchtete erstmals die strategische Strukturierung hybrider Arbeit. Dabei zeigt sich, dass bei 1/3 bis die Hälfte aller Organisationen klare Leitlinien zum hybriden Arbeiten fehlen. Dabei lohnt sich die Investition in feste Regeln messbar, Arbeitgeber mit fundierten Konzepten für mobiles Arbeiten profitieren von engagierteren Teams, einer höheren Produktivität und einem stärkeren kollegialen Zusammenhalt.
Konstanzer Homeoffice-Studie, 19. Befragungswelle, April 2026
https://www.uni-konstanz.de/universitaet/aktuelles-und-medien/aktuelle-meldungen/aktuelles-1/homeoffice-koennte-taeglich-millionen-liter-kraftstoff-sparen/
¼ der Erwerbstätigen arbeitet teilweise im Homeoffice
Nur noch 24% der Homeoffice-Nutzenden arbeiteten 2025 ausschließlich von zu Hause aus (im Jahr 2021 waren es noch 40%). 46% der Nutzenden arbeiteten weniger als die Hälfte der Zeit im Homeoffice und waren somit häufiger am klassischen Arbeitsplatz anzutreffen.
Mit einem Anteil von 25% liegt Deutschland leicht über dem Durchschnitt der Europäischen Union.
Statistisches Bundesamt, Anteil leicht gestiegen: 25 % der Erwerbstätigen arbeiteten 2025 im Homeoffice, April 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/04/PD26_N024_13.html
Mehrheit der Beschäftigten spürt höhere Arbeitsbelastung deutlich
Der HR Data Report von Civey und der HR-Plattform Factorial offenbart, dass die Arbeitsbelastung hierzulande in den 12 Monaten deutlich gestiegen ist. Für die repräsentative Umfrage wurden 500 Entscheidungstragende im HR-Bereich sowie 2.750 Erwerbstätige in Deutschland online befragt. So berichten 58,7% der Befragten über eine höhere Arbeitsbelastung. Die wichtigsten Gründe für diese Belastung seien laut den Beschäftigten: Fachkräftemangel, wirtschaftliche Unsicherheit und zunehmende Bürokratie. Nicht nur die Beschäftigten spüren diesen Druck auch bei den Personalabteilungen zeigt sich diese Entwicklung: Nahezu die Hälfte der HR-Verantwortlichen (49,5%) registriert bereits steigende Krankenstände, während gleichzeitig die Motivation und das Engagement der Belegschaft spürbar nachlassen (41,7%). Diese Entwicklung wird durch den anhaltenden Fachkräftemangel verschärft, der sich in deutlich längeren Besetzungszeiten für offene Stellen widerspiegelt (29,5%).
Die Prognosen für die nahe Zukunft deuten zudem auf eine weitere Intensivierung hin: Knapp zwei Drittel der HR-Expert*innen (64,9%) rechnen damit, dass die Anforderungen in den kommenden zwölf Monaten noch einmal steigen werden. Neben wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fungiert dabei vor allem der technologische Fortschritt als Katalysator. So identifiziert bereits jede*r fünfte Beschäftigte KI als einen der zentralen Treiber für den tiefgreifenden Wandel der aktuellen Arbeitsstrukturen.
Civey/Factorial, HR Data Report 2026, Februar 2026
https://www.presseportal.de/pm/143914/6242182
Knapp 64% der Bewerber*innen klagen über Ghosting
Ghosting im Bewerbungsprozess durch Arbeitgeber nimmt immer zu. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Appinio im Auftrag der Jobplattform Indeed. Knapp 80% der Befragten glauben, dass Arbeitgeber immer häufiger nicht auf Bewerbungen reagieren, konkret geben 63,5% der Bewerber*innen an, keinerlei Rückmeldung auf ihre Unterlagen erhalten zu haben.
Als größte Hürden im Bewerbungsprozess identifizieren 41,5% der Befragten den hohen zeitlichen und bürokratischen Aufwand. Zudem wünschen sich 63% der Befragten klarere Informationen in Stellenausschreibungen, insbesondere bezüglich der Gehaltsangaben. Tatsächlich enthalten laut Indeed-Daten derzeit jedoch nur 11,5% der Anzeigen konkrete Gehaltsspannen.
Der Frust über das Ausbleiben von Rückmeldungen führe dazu, dass unzufriedene Fachkräfte länger in ungeeigneten Positionen verbleiben, anstatt sich neu zu orientieren. Dies kann negative Auswirkungen auf die allgemeine Arbeitsproduktivität haben.
Für die repräsentativen Ergebnisse wurden 500 Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 66 Jahren befragt.
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/arbeitsmarkt-umfrage-ghosting-bei-bewerbungen-nimmt-zu/100219241.html
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