Donnerstag, 28. Mai 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Zwischen Pflegeverantwortung, Teilzeitrekord und KI im Arbeitsalltag

Neue Studien aus der Arbeitswelt in der Mai-Ausgabe "Vereinbarkeit in Zahlen"
 (Foto: Piret Liver on Unsplash/ berufundfamilie Service GmbH)

Die Mai-Ausgabe „Vereinbarkeit in Zahlen“ zeichnet ein klares Bild: Während die Pflege von Angehörigen Erwerbsbiografien massiv belastet und die Teilzeitquote ein neues Rekordhoch erreicht, verändert Künstliche Intelligenz rasant unseren Arbeitsalltag. Gleichzeitig wird deutlich: Bildung bleibt ein entscheidende Faktor für die Dauer der Lebensarbeitszeit.




45% der Beschäftigten mit Pflegeverantwortung reduzieren Erwerbsarbeit


Der neue WIdOmonitor mit dem Titel „Zur Lage pflegender Angehöriger“, untersucht die Lebens-, Berufs- und Belastungssituation von pflegenden Angehörigen in Deutschland. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie sich die informelle Pflege auf die Erwerbstätigkeit auswirkt und wie hoch die psychische sowie körperliche Belastung der Befragten mit Pflegeverantwortung ist. Der WidOmonitor des Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) basiert auf einer bundesweiten, repräsentativen forsa-Befragung unter 1.490 Personen mit Pflegeverantwortung.

Die informelle Pflege bleibt mehrheitlich „Frauensache“, denn 60,4% der Pflegenden sind Frauen. 59% der pflegenden Angehörigen sind erwerbstätig (31,3% Vollzeit, 27,7% Teilzeit). Fast die Hälfte der Teilzeiterwerbstätigen (45,2%) musste die ursprüngliche Arbeitszeit wegen der Pflege reduzieren.

Insgesamt gelten über 40% aller pflegenden Angehörigen als hochbelastet. Besonders stark betroffen sind dabei Erwerbstätige, 46,9% der Beschäftigten mit Pflegeverantwortung fühlen sich körperlich und psychisch hochbelastet, bei nicht erwerbstätigen Pflegepersonen liegt dieser Anteil bei 38,3%.
Trotz des hohen Drucks verzeichnet die Studie eine auffallend geringe Nutzung bestehender Entlastungsangebote.
Herausforderungen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege führen zu spürbaren Brüchen in Erwerbsbiografien und Einkommen. Die Studien-Autor*innen fordern daher, dass Entlastungs- und Unterstützungsangebote ausgebaut und flexibler an die realen, sich im Zeitverlauf verändernden Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen angepasst werden müssen – insbesondere mit Fokus auf die Erwerbstätigkeit.

WidOmonitor „Zur Lage pflegender Beschäftigter“, Mai 2026
https://www.wido.de/news-presse/pressemitteilungen/2026/widomonitor/?L=0





Nahe zu jede*r Dritte arbeitet hierzulande in Teilzeit


Aktuelle Daten des Statistischen Bundesamt zeigen: Der Trend zur Teilzeitarbeit in Deutschland hält an. So lag die Teilzeitquote unter abhängig Beschäftigten im Jahr 2025 mit 31,9% auf einem neuen Höchststand. Das bedeutet, dass mittlerweile fast jede dritte erwerbstätige Person in Teilzeit arbeitet. Es zeigt sich aber auch, dass heute mit einer höheren durchschnittlichen Stundenanzahl in Teilzeit gearbeitet wird als noch vor zehn Jahren.
Die wöchentliche Arbeitszeit stieg seit 2015 um zwei Stunden auf durchschnittlich 21,3 Stunden an, während die Wochenarbeitszeit im Vollzeitbereich im gleichen Zeitraum von 40,5 auf 39,2 Stunden leicht zurückging.

Bei der Verteilung der reduzierten Arbeitszeit zeigen sich nach wie vor gravierende Geschlechterunterschiede. Mit einer Quote von 48,2% arbeitet fast jede zweite Frau in Teilzeit, wohingegen dies bei den Männern nur auf gut jeden achten (12,8%) zutrifft. Besonders ausgeprägt ist dieses Gefälle bei jungen Familien: Während 66,4% der erwerbstätigen Mütter mit Kindern unter 18 Jahren ihre Arbeitszeit reduzieren, sind es bei den Vätern lediglich 8,6%. Im Jahr 2015 waren 48% aller Frauen in Teilzeit tätig und 10,6% aller Männer.

Neben der familiären Situation ist das Alter ein wichtiger Faktor für den Wechsel in die Teilzeit. Mit zunehmendem Alter steigt die Quote massiv an. Während unter den 55-Jährigen erst knapp 1/3 der Beschäftigten in Teilzeit beschäftigt ist, ist es bei den erwerbstätigen 65-Jährigen bereits mehr als die Hälfte. Unter den über 70-jährigen Erwerbstätigen liegt der Anteil der Teilzeitkräfte sogar bei gut 90%.

Statistisches Bundesamt, Vollzeitbeschäftigte arbeiteten 2025 im Schnitt 39,9 Wochenstunden, Mai 2026
https://www.zdfheute.de/wirtschaft/teilzeit-quote-arbeit-rekord-100.html





Fast jede*r zweite Erwerbstätige nutzt mittlerweile KI-Tools im Berufsalltag


Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des TÜV-Verbands hat den aktuellen Status, die Dynamik sowie die Rahmenbedingungen von Künstlicher Intelligenz (KI) in der deutschen Arbeitswelt untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich KI in kürzester Zeit zu einem Standardwerkzeug entwickelt hat. Fast jeder zweite Erwerbstätige (45%) nutzt mittlerweile KI-Tools im Berufsalltag. Die Bandbreite der Anwendungen ist dabei vielfältig, wobei die Informationssuche mit 78% der Nennungen den Spitzenplatz einnimmt, gefolgt von der Erstellung von Texten (46%) und der kreativen Ideenfindung (41%). Dass dieser Trend unumkehrbar ist, spiegelt sich auch in den Zukunftserwartungen der Beschäftigten wider.

60% der Befragten gehen davon aus, dass KI in fünf Jahren eine große oder sehr große Rolle in ihrem Beruf spielen wird. Dieser Anteil ist zum Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig blickt rund 1/3 der Beschäftigten mit Sorge auf diese Entwicklung und sieht die eigene Tätigkeit durch den technologischen Fortschritt als zumindest teilweise ersetzbar an.

Die Erhebung offenbart zudem Defizite bei den organisatorischen Strukturen und der Qualifikation. Die Absicherung hinkt dem tatsächlichen Nutzungsverhalten hinterher: So berichten nur 32% der Beschäftigten von klaren KI-Richtlinien in ihrer Organisation, während eine Mehrheit von 54% völlig ohne verbindliche Regeln mit den Tools arbeitet. Zudem haben lediglich 38% der KI-Nutzer*innen im Rahmen ihres Jobs gezielt eine KI-Weiterbildung absolviert.
Ohne klare Vorgaben und Schulungen riskieren Arbeitgeber die Entstehung einer unkontrollierten „Schatten-KI“. Laut Studienverantwortlichen heißt das, dass Arbeitgeber verbindliche Richtlinien implementieren und gezielte Qualifizierungsangebote schaffen sollten.

https://logistik-heute.de/news/studie-fast-jeder-zweite-nutzt-kuenstliche-intelligenz-bei-der-arbeit-258220.html



Lebensarbeitszeit steigt mit höherem Bildungsniveau


Eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für demografische Forschung (MPIDR) ging der Frage nach, wie sich das Bildungsniveau von Beschäftigten auf deren Lebensarbeitszeit und das tatsächliche Renteneintrittsalter in Deutschland auswirkt.
Die statistischen Ergebnisse der Studie belegen einen deutlichen und direkten Einfluss der Bildung auf die Dauer des Erwerbslebens. Personen mit einem hohen Bildungsabschluss – wie einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss – arbeiten im Durchschnitt deutlich länger als Menschen ohne beruflichen Abschluss. Konkret liegt die Lebensarbeitszeit von Beschäftigten mit Studienabschluss um mehrere Jahre über der von Geringqualifizierten. So ist sie bei Männern mit akademischem Abschluss mehr als neun Jahre länger als bei Männern mit niedriger Bildung (31,3 Jahre). Bei Frauen sind es sogar 14 Jahre (31,9 im Vergleich zu 17,9 Jahren). Darüber hinaus zeigt sich dieser Effekt auch beim tatsächlichen Renteneintritt: Hochgebildete scheiden im Schnitt wesentlich später aus dem Berufsleben aus und wechseln seltener in den vorzeitigen Ruhestand.

Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)/ Max-Planck-Institut für demografische Forschung, Je höher der Bildungsabschluss, desto länger die Lebenszeit in Erwerbsarbeit, Mai 2026
https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/je-hoeher-die-bildung-desto-laenger-die-lebensarbeitszeit-7716


 

 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen