Mittwoch, 26. August 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Hohe Erwartungen

Neue,richtungsweisende Studien aus der Arbeitswelt (Kollage: Jon Tyson on Unsplash/ berufundfamilie Service GmbH)
 
Neuer Monat, Neue Studien! Beschäftigte hierzulande benutzen KI auf internationalem Niveau profitieren davon aber seltener. Über 50% der Azubis fühlen sich psychisch belastet und 2/5 der Beschäftigten meinen, dass Leistung sich nicht mehr lohnt. Mehr Zahlenfutter erwartet Sie in der August-Ausgabe unserer Blogreihe „Vereinbarkeit in Zahlen“.



Deutsche Erwerbstätige setzen KI auf internationalem Niveau ein, erzielen damit im Arbeitsalltag aber deutlich seltener einen spürbaren Nutzen


Die kürzlich veröffentlichte Studie der Boston Consulting Group unter 11.000 Befragten weltweit (917 davon in Deutschland) offenbart, dass deutsche Beschäftigte genauso häufig mit generativer KI arbeiten wie der weltweite Durchschnitt, in erster Linie für Routineaufgaben wie Recherchen, Zusammenfassungen oder Textentwürfe. Trotz ähnlicher Nutzungsraten führt die Einbindung von KI in Deutschland aber seltener zu messbaren Produktivitätsgewinnen oder Kostensenkungen als in anderen Vergleichsländern. Grund hierfür: Der Einsatz von KI im deutschen Arbeitsalltag erfolgt eher punktuell und auf individueller Ebene, anstatt systematisch und organisationsweit eingebunden zu sein. Es mangelt zu dem an Weiterbildungsprogrammen und klaren strategischen Vorgaben zur KI- Nutzung seitens der Führungsebene.

Das spiegelt sich auch bei den Beschäftigten wider: Bei den Mitarbeitenden ohne Führungsrolle verzeichnen global 57% ein Plus an Zufriedenheit, verglichen mit 51% in Deutschland. Besonders drastisch ist der Abstand in den Führungsetagen, wo 71% der Führungskräfte weltweit, aber lediglich 52% der Befragten in Deutschland einen positiven Einfluss auf ihren Arbeitsalltag feststellen. Diese geringe Zufriedenheit zeigt sich auch in der wahrgenommenen Zeitersparnis: Auf internationaler Ebene berichten 42% von einer Zeitersparnis von mind. 1 Arbeitstag pro Woche, in Deutschland sagen das nur 28%.

Boston Consulting Group, „AI at Work 2026“, Juni 2026
https://www.bcg.com/press/3june2026-studie-zur-arbeitswelt-deutschland-nutzt-ki-so-haufig-wie-andere-lander-profitiert-aber-seltener





Junge Berufstätige sehen sich nach Arbeitsplatzsicherheit



Die 1LIVE-Jobstudie „Arbeitgeber der Zukunft 2026/27“ (durchgeführt vom IFAK Institut unter rund 2.000 Personen zwischen 14 und 34 Jahren) widerlegt das Klischee, die junge Generation strebe vorrangig nach „Lifestyle-Teilzeit“, offenbart dafür aber erhebliche Belastungen im Berufsalltag: Knapp jeder dritte junge Erwerbstätige bzw. Auszubildende tritt mindestens einmal monatlich mit einem unguten Gefühl bzw. „Bauchschmerzen“ den Dienst an.

Blickt man auf die entscheidenden Faktoren für die Wahl des Arbeitgebers rangieren eine angemessene Vergütung samt Zusatzleistungen sowie ein gutes Betriebsklima und eine positive Unternehmenskultur mit jeweils 48% an der Spitze, gefolgt von Arbeitsplatzsicherheit (44%). Eine gute Work-Life-Balance (38%), das Unternehmensimage (27%), der Digitalisierungsgrad (22%) und gesellschaftliche Sinnstiftung (21%) folgen auf den weiteren Plätzen.

Zu den beliebtesten Branchen zählen krisenfeste, auf menschliche Arbeit ausgerichtete und gegenüber KI als beständig wahrgenommene Bereiche wie „Gesundheit, Soziales & Pflege“ (25%), der „Öffentliche Dienst & Verwaltung“ (24%) sowie „Wirtschaft, Finanzen & Management“ (20%).

1LIVE-Jobstudie, August 2026
SPERRFRIST 18.08., 06:00 Uhr / Neue 1LIVE-Jobstudie: Jeder Dritte geht regelmäßig ... | Presseportal




Über 20% der Azubis leiden unter Leistungs- und Zeitdruck


Der DGB-Ausbildungsreport 2026 (Befragung von über 13.000 Auszubildenden aus den 25 meistgewählten dualen Ausbildungsberufen) bescheinigt dem dualen Ausbildungssystem grundsätzlich solide Zufriedenheitswerte, offenbart jedoch gravierende Defizite bei der mentalen Gesundheit, der Betreuung und der Zukunftsperspektive.

Mit 65,7% äußert sich zwar die Mehrheit der Auszubildenden zufrieden oder sehr zufrieden mit der Ausbildung – in Betrieben mit betrieblicher Interessenvertretung liegt dieser Wert sogar bei 75,7%. Allerdings klagen 50,6% der Befragten über psychischen Belastungen. Als wesentliche Ursachen im Arbeitsalltag werden Leistungs- und Zeitdruck (20,9%), Personalmangel (19,6%) und ein hoher Verantwortungsdruck (19,2%) genannt. Auch private Belastungsfaktoren wie die finanzielle Situation (49,9%) und die schwierige Wohnungsituation (35%) spielen eine Rolle.

Hinzu kommt, dass 41,7% der belasteten Auszubildenden im Ernstfall niemanden haben, um über Probleme zu sprechen. Neben psychischen Faktoren prägen Überstunden (35,4%) und ausbildungsfremde Tätigkeiten (16,3%) den Alltag. Zudem herrscht bei 37,1% der Auszubildenden im Abschlussjahr Ungewissheit über eine Übernahme; nur 14,1% wissen bereits sicher, dass sie nicht übernommen werden.

DGB-Ausbildungsreport 2026
https://www.dgb.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/dgb-ausbildungsreport-2026-starke-interessenvertretung-im-betrieb-sichert-gute-ausbildung/



2/5 der Beschäftigten meinen: Leistung lohnt sich nicht



Eine repräsentative Online-Umfrage des Statistik-Instituts Statista im Auftrag des Spiegel unter 1.000 Erwerbstätigen zeigt, dass 2/5 der Beschäftigten in Deutschland nicht mehr daran glauben, dass sich Leistung im Beruf generell auszahlt. Zwar sind 59% – vor allem jene, die sich selbst als leistungsbereit einstufen – weiterhin von diesem Zusammenhang überzeugt und 44% wären grundsätzlich bereit, mehr als das formal Erforderliche zu leisten, doch vermissen viele eine entsprechende Gegenleistung. Rund ¼ arbeitet mangels finanzieller Vergütung nicht mehr, während für jeweils rund 1/5 fehlende Wertschätzung sowie der Verlust von Freizeit, Lebensqualität und Familienzeit ausschlaggebend sind.

Beim Verständnis von Leistung stehen für über 2/3 der Befragten Sorgfalt und Qualität an oberster Stelle. Bei den 55- bis 65-Jährigen definieren über 80% Leistung danach. Die jüngere Generation (18 bis 24 Jahre) blickt facettenreicher auf den Begriff und bezieht auch Weiterbildung, Zusatzaufgaben oder das Übertreffen von Zielen ein. Zugleich klagen 42% der Beschäftigten unter 34 über hohen Leistungsdruck, wobei Frauen ein stärkeres Belastungsgefühl als Männer äußern:45% begründen das hohe Pensum durch Personalmangel und Einsparungen.

Infolgedessen wünschen sich rund 2/3 der Erwerbstätigen eine Reduzierung ihrer Arbeitszeit zugunsten von Freizeit und Erholung. Während 41% mit der klassischen Fünftagewoche zufrieden sind, befürwortet fast die Hälfte eine Viertagewoche (23% bei voller, 20% bei verkürzter Stundenzahl).

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/umfrage-zu-motivation-und-arbeitszeit-mehr-als-jeder-dritte-glaubt-nicht-an-leistungsversprechen-15887571.html



Homeoffice: Gekommen, um zu bleiben


Eine Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 1.400 Organisationen macht deutlich, dass das Arbeiten von zu Hause aus in der deutschen Wirtschaft dauerhaft etabliert ist und auch in den kommenden zwei Jahren auf unverändert hohem Niveau bleiben dürfte.

Vor allem in der Informationswirtschaft (IT-, Medien- und Beratungsunternehmen) wird mittlerweile rund ¼ der gesamten Arbeitszeit im Homeoffice verrichtet. Hybride Modelle sind dort längst Standard: 2/3 l der befragten Arbeitgeber ermöglichen mindestens zwei Homeoffice-Tage pro Woche, etwa die Hälfte erlaubt sogar drei oder mehr Tage.

Im produktionsnahen, ortsgebundenen Sektor ist mobiles Arbeiten naturgemäß seltener. Doch auch hier gewährt jeder zweite Arbeitgeber zumindest einen Tag pro Woche im Homeoffice, knapp 1/3 sogar zwei oder mehr. Verglichen mit den Werten vor Ausbruch der Corona-Pandemie kommt das einer Verdopplung der Arbeitsleistung aus den eigenen vier Wänden gleich.

https://www.spiegel.de/karriere/homeoffice-studie-unternehmen-erwarten-dauerhaft-hohes-niveau-beim-arbeiten-von-zu-hause-a-de3850f2-2e44-4f4d-85dc-c7b1764b2fc5


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