85% der Personalverantwortlichen halten Familienfreundlichkeit für zentral zur Fachkräftebindung und -gewinnung. Beschäftigte mit Migrationsgeschichte arbeiten überdurchschnittlich oft in Mangelberufen und erstmals geht der geäußerte Kinderwunsch zurück. Mehr Studien zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben liefert unsere September-Ausgabe von „Vereinbarkeit in Zahlen“.
Auch in Krisenzeiten:
88 % der Organisationen befinden Familienfreundlichkeit für wichtig
Der aktuelle Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit zeigt, dass Arbeitgeber trotz der wirtschaftlichen Krisenlage an familienfreundlichen Maßnahmen festhalten. So gaben 88 % der Befragten an, dass Familienfreundlichkeit im Unternehmen wichtig sei – ein neuer Höchstwert. Auch bei Organisationen, die selbst kriseln, teilen noch 85 % diese Aussage.
Familienfreundlichkeit wird dabei von 85 % der Personalverantwortlichen als unerlässlich für die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte gesehen.
Die befragten Beschäftigten gewichten flexible und planbare Arbeitszeiten dabei gleichermaßen: Während die eine Hälfte Flexibilität bevorzugt, legt die andere Priorität auf Verlässlichkeit. Das zeigt: Flexibilität ist nicht per se der Schlüssel für mehr Vereinbarkeit. Dort, wo sich Arbeitszeiten häufig aus betrieblichen Gründen ändern, sinkt die Zufriedenheit mit der Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich.
So nutzen in Branchen mit festen Schichtmodellen bereits 77 % der Arbeitgeber Selbstorganisation, d. h. Beschäftigte können untereinander tauschen. Allein durch solche Maßnahmen bewerten ¾ der Schichtarbeitenden die Vereinbarkeit ihrer Arbeitszeiten mit familiären Verpflichtungen trotz betrieblicher Herausforderungen als gut.
Spontane Umplanungen belasten die Vereinbarkeit generell spürbar. Bei stabilen Arbeitszeiten sind rund 89 % der Beschäftigten zufrieden. Greift der Arbeitgeber jedoch häufig kurzfristig in den Dienstplan ein, sinkt die Zufriedenheit auf unter 53 %.
Eine Gruppe von Beschäftigten gerät bei der Umsetzung von Vereinbarkeitsangeboten zunehmend in den Fokus: Beschäftigte mit Pflegeverantwortung. Acht von zehn Unternehmen messen entsprechenden Hilfsangeboten eine immer größere Bedeutung zu.
Die Ergebnisse der gemeinsamen Studie des BMFSFJ und des IW Köln unter 5.000 Beschäftigten und 1.000 Unternehmen sind repräsentativ.
BMFSFJ / IW Köln, Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2026, August 2026
https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/unternehmensmonitor-familienfreundlichkeit-2026-293878
Beschäftigte mit Migrationsgeschichte arbeiten überdurchschnittlich oft in Mangelberufen
Durch eine aktuelle Auswertung des Statistischen Bundesamts wird deutlich, dass viele Beschäftigte mit Migrationsgeschichte hierzulande in Mangelberufen arbeiten. Allein im Kochberuf liegt ihr Anteil bei 56 %, auch bei Bus- und Straßenbahnfahrer*innen sind es 47 %.
Auch in den folgenden Bereichen sind Beschäftigte mit Migrationsgeschichte übermäßig tätig: Berufskraftfahrt im Güterverkehr (41 %), Hotelservice (40 %), Pflegeberufe (33 %), zahnmedizinische Fachangestellte (32 %) oder Bauelektrik (29 %).
Den niedrigsten Anteil an Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte in einem Engpassberuf gab es im Rettungsdienst (7 %), im Verkauf von Fleischwaren (13 %) und in der Landwirtschaft (15 %).
Insgesamt 27 % der abhängig Beschäftigten in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Das Statistische Bundesamt definiert dies wie folgt: Sie selbst oder beide Elternteile sind seit 1950 ins Land eingewandert.
Statistisches Bundesamt, Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte 2025 in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich stark vertreten, September 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_N066_13.html
3,8 Mio. Beschäftigte würden gern weniger, 1.5 Mio. Beschäftigte gerne mehr arbeiten
Nach Erstergebnissen des Mikrozensus 2025, die das Statistische Bundesamt veröffentlichte, wünschten sich hierzulande 3,8 Mio. Erwerbstätige im Alter von 15 bis 74 Jahren eine Senkung ihrer Arbeitszeit, während 1,5 Mio. Erwerbstätige mehr arbeiten möchten.
Diejenigen, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollten, arbeiteten gewöhnlich durchschnittlich 40,9 Stunden pro Woche und strebten eine Senkung um durchschnittlich 10,5 Stunden an. Befragte mit dem Wunsch nach Mehrarbeit arbeiteten im Schnitt 26,2 Stunden pro Woche und wünschten sich eine Ausweitung der Arbeitszeit um ebenfalls durchschnittlich 10,5 Stunden.
Würden sämtliche Arbeitszeitwünsche aller Erwerbstätigen umgesetzt, würde dies rein rechnerisch zu einer Verringerung der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit (aktuell 34,7 Stunden) um 36 Minuten pro Kopf führen.
Die Auswertung zeigt, dass die Ausprägung der Wünsche deutlich nach Beschäftigungsform und Geschlecht variiert.
Der Wunsch nach einer Arbeitszeitreduktion stammte überwiegend von Vollzeitbeschäftigten (3,3 Mio. Vollzeittätige vs. 0,5 Mio. Teilzeittätige). Umgekehrt wünschten sich vor allem Teilzeitbeschäftigte eine Aufstockung ihrer Stunden (1,1 Mio. Teilzeitbeschäftigte vs. 0,4 Mio. Vollzeitbeschäftigte).
Vollzeittätige Männer arbeiteten im Schnitt 41,1 Stunden pro Woche (Frauen: 39,6 Stunden). Männer in Vollzeit äußerten seltener den Wunsch nach einer Arbeitszeitreduktion als vollzeittätige Frauen (10,3 % gegenüber 13,5 %) und wünschten sich etwas häufiger eine Arbeitszeiterhöhung (1,8 % gegenüber 1,1 %).
Frauen in Teilzeit wiesen mit 22,1 Stunden eine höhere gewöhnliche Wochenarbeitszeit auf als teilzeittätige Männer (19,9 Stunden). Den Wunsch nach einer Erhöhung ihrer Arbeitszeit äußerten teilzeittätige Frauen mit 7,4 % seltener als teilzeittätige Männer (10,4 %).
Statistisches Bundesamt, Arbeitszeitwünsche 2025: 3,8 Millionen Erwerbstätige wollten weniger und 1,5 Millionen wollten mehr arbeiten, September 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/09/PD26_314_13.html
Fertility Gap in Deutschland deutlich
Laut aktuellen Daten des Familiendemografischen Panels (FReDA), einer vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) halbjährlich durchgeführten repräsentativen Studie unter rund 30.000 Befragten, klafft in Deutschland eine deutliche Lücke zwischen dem Wunsch nach Kindern und der Realität (der sogenannte Fertility Gap). Während sich rund 90 % der jungen Erwachsenen Kinder wünschen und die ideale Kinderzahl in einer hindernisfreien Welt konstant bei durchschnittlich 2,2 Kindern liegt, sinkt die tatsächliche Geburtenrate seit 2021 kontinuierlich von 1,58 auf zuletzt 1,32 Kinder pro Frau.
Erstmals zeigt sich dieser Rückgang nun auch beim geäußerten Kinderwunsch. So wünschen sich Frauen durchschnittlich 1,7 Kinder und Männer 1,6 (zuvor stabil bei 1,8).
Als Ursachen für das Zögern bei der Familienplanung machen die Forschenden vor allem ökonomische Hürden und globale Zukunftsängste aus. Zwar werden Betreuungsangebote wie Kita-Plätze grundsätzlich positiv bewertet, jedoch hemmen fehlender passender Wohnraum sowie Sorgen um Einkommen und berufliche Perspektiven die Umsetzung von Kinderwünschen. So steigt die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten drei Jahren ein Kind zu planen, um rund 5 %, wenn Zufriedenheit mit Wohnraum und Berufssituation herrscht. Zusätzlich wirken Krisen und Ängste als starke Hemmnisse: Den größten Einfluss hat die Sorge vor Kriegen (85 % besorgt oder sehr besorgt), gefolgt von der Furcht vor einem Schaden für die Demokratie sowie Bedenken hinsichtlich des Klimawandels.
FReDa: Das familiendemographische Panel, Geburtentief und sinkende Kinderwünsche: Wie Zukunftssorgen und regionale Bedingungen die Familienplanung junger Menschen begleiten, September 2026
https://www.tagesschau.de/wissen/kinderwunsch-deutschland-wirklichkeit-100.html
33 % der pflegenden Angehörigen wünschen sich Beratungsangebote
Eine im Fachjournal Psychology & Health veröffentlichte Untersuchung, für die Daten von über 81.000 pflegenden Angehörigen weltweit aus vorliegenden Studien ausgewertet wurden, verdeutlicht die erhebliche mentale Belastung dieser Gruppe sowie das deutliche Defizit bei der Inanspruchnahme von Hilfe.
Die Untersuchung konzentrierte sich primär auf Frauen, die mehrheitlich ihren chronisch kranken Partner versorgten. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Krebserkrankungen, gefolgt von Herzkrankheiten, Parkinson oder den Folgen eines Schlaganfalls.
Pflegende Angehörige weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein signifikant höheres Risiko für psychische Folgeerkrankungen wie Depressionen, Angstzustände sowie chronische emotionale Erschöpfung auf. Obwohl der Bedarf an professioneller Begleitung enorm ist, klafft zwischen Wunsch und Realität eine große Lücke: Während sich rund 33% (etwa jede dritte pflegende Person) eine professionelle beraterische Unterstützung wünschten, nahmen tatsächlich unter 16% (weniger als jede sechste Person) eine entsprechende Leistung in Anspruch.
Dieses Missverhältnis ist vor allem auf Verdrängungs- und Abwehrmechanismen zurückzuführen. Insbesondere bei der Pflege von schwerstkranken oder hochbetagten Angehörigen stellen Betroffene ihre eigenen Bedürfnisse häufig hintenan und spielen die persönlichen Belastungsgrenzen herunter. Bleibt die Unterstützung in solchen Phasen aus, gefährdet dies nicht nur die physische und psychische Gesundheit der Pflegenden selbst, sondern mindert langfristig auch deren Kapazität, die pflegebedürftige Person adäquat zu versorgen.
https://www.geo.de/wissen/pflege--studie--pflegende-angehoerige-benoetigen-mehr-psychische-hilfe-38275492.html
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