Mittwoch, 23. Oktober 2019

Zertifizierung zur Vereinbarkeit – Beschäftigte lassen sich nicht blenden

Zertifizierung für Vereinbarkeit: Kontinuierliche Verbesserungen sind Beschäftigten wichtig (©deathtothestocksphoto.com)

Die Zahl der Arbeitgebersiegel hat in den vergangenen Jahren sprunghaft zugenommen. Untersuchungen zeigen, dass Beschäftigte und Studierende insbesondere die Auszeichnungen für glaubwürdig erachten, die sich spezifisch einem Themenfeld widmen. Im Auftrag der berufundfamilie Service GmbH hat das Meinungsforschungsunternehmen Civey 2.500 Erwerbstätige Ende September 2019 zu ihren Kriterien an Zertifizierung und Zertifikatsanbieter für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben befragt. Wir verraten hier die wesentlichen Standpunkte der Beschäftigten.


Vereinbarkeit ist ein Entscheidungskriterium für Erwerbstätige: Fast acht von zehn Beschäftigten (76,3 %) ist die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben bei der Wahl eines Arbeitgebers wichtig. Lediglich bei 6,3 % der Beschäftigten fällt die Vereinbarkeit bei der Arbeitgeberwahl gar nicht ins Gewicht. Für Arbeitgeber bedeutet das, dass Ihre Attraktivität auf Erwerbstätige durch eine wahrnehmbare familien- und lebensphasenbewusste Personalpolitik deutlich steigt.

Das findet Bestätigung in den Antworten auf die direkte Frage zur Arbeitgeberattraktivität. Jeder zweite Beschäftigte (52 %) hält einen Arbeitgeber für attraktiver, wenn dieser für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben unabhängig zertifiziert ist. Nur jeder Zehnte (10,9 %) hat keinen Zweifel an der Attraktivität des Arbeitgebers, wenn dieser kein unabhängiges Vereinbarkeistzertifikat vorweisen kann.

Schlechte Vereinbarkeit ist für 64,4 % ein Kündigungsgrund


Der hohe Stellenwert des Zertifikats und der damit einhergehenden Positionierung als familien- und lebensphasenbewusster Arbeitgeber wird auch von folgenden Ergebnissen gestützt: Jeder zweite Beschäftigte (52,6 %) würde sich bei gleichen Bedingungen für einen Arbeitgeber entscheiden, der zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben zertifiziert ist. Nur für 8 % der Beschäftigten ist die Zertifizierung auf keinen Fall entscheidend.

Allerdings zählt das Label „Zertifikat“ alleine nicht. Der Arbeitgeber muss sich in der Praxis beweisen. Denn: Sechs von zehn Beschäftigten (64,4 %) würden den Job wechseln, wenn sich die Angebote des Arbeitgebers zur Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben für sie als schlecht erweisen. Nur jede/r Zehnte (9 %) sieht in der schlechten Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben keinen Grund, den Arbeitgeber zu verlassen.

Unabhängige Zertifizierung und kontinuierliche Verbesserung der Vereinbarkeitspolitik gefordert


Die externe und unabhängige Begutachtung ist bei den Erwerbstätigen auch das Top-Kriterium für ein Arbeitgeberzertifikat, das die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben bewertet: Mehr als jedem Dritten (36,8 %) ist dies wichtig. Und 31,6 % finden es essenziell, dass das Zertifikat für den Nachweis kontinuierlicher Verbesserung der familien- und lebensphasenbewussten Personalpolitik steht. Demnach erwarten Beschäftigte, dass Vereinbarkeitsfragen fortlaufend bearbeitet bzw. optimiert werden. Das spricht für einen strategischen Prozess, der auf der Ebene der Unternehmenskultur verankert wird. Ideal ist den Umfrageergebnissen zufolge die Kombination mit der Bewertung des Status quo bzgl. der betrieblichen Vereinbarkeitsangebote: 28,4 % ist die Bewertung des aktuellen Stands wichtig. Immerhin mehr als jeder Zehnte legt Wert auf die langjährige Bekanntheit des Zertifikats (12,4 %) und seine überregionale Anerkennung (11,4 %).

Auch der Anbieter, der die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben zertifiziert, sollte sich nach Meinung der Erwerbstätigen vor allem durch Unabhängigkeit auszeichnen. 44,1 % ist die Unabhängigkeit wichtig. Dass es aber den Beschäftigten nach auch inhaltlich vorangehen soll, zeigt sich darin, dass nahezu vier von zehn Beschäftigten (37 %) die fachliche Kompetenz in der Begleitung wichtig ist. Das deutet erneut darauf hin, dass Beschäftigte erwarten, dass sich ihr Arbeitgeber hinsichtlich seiner Vereinbarkeitspolitik systematisch und strategisch beraten lässt, um sich weiterzuentwickeln. Auf Rang 3 der Wichtigkeitsskala liegt die langfristige Erfahrung des Zertifizierungsanbieters: 20,9 % vertrauen auf das langjährige Know-how.


Mehr zur der Umfrage unter: https://bit.ly/33AiwnR

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