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| Die Juni-Ausgabe "Vereinbarkeit in Zahlen" zeigt, die Belastung der Beschäftigten ist hoch (Quelle: berufundfamilie Service GmbH/ Luis Villasmil on Unsplash) |
Ob Studierende in der Doppelbelastung, Eltern im permanenten „Mental Load“ oder Betroffene von strukturellem Sexismus am Arbeitsplatz – die Zahlen in der Juni-Ausgabe „Vereinbarkeit in Zahlen“ zeigen deutlich: Das Thema Vereinbarkeit ist dringlicher denn je und fordert strukturelle Antworten.
Jede*r Fünfte in Deutschland alleinlebend
In Deutschland lebten im Jahr 2024 rund 17,3 Mio. Menschen allein, was gut jeder fünften Person der Bevölkerung entspricht. Das belegen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Damit setzt sich ein langfristiger Trend fort, denn in den vergangenen 20 Jahren ist die Zahl der Einpersonenhaushalte erheblich gestiegen: 2005 lebten noch 14,2 Mio. Menschen allein. EU-weit ist der Ein-Personenhaushalt der häufigste Haushaltstyp, in Deutschland sind das 42,1% aller Haushalte.
Der Anteil der Alleinlebenden variiert stark je nach Altersgruppe, Geschlecht und Wohnort. Besonders hoch ist er unter älteren Menschen: In der Altersgruppe ab 65 Jahren wohnt gut jede dritte Person allein (35,2%), bei den über 85-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte (55,8%). Dahinter folgt die Altersgruppe zwischen 25 und 34 Jahren, in ihr leben 28,7% in einem Single-Haushalt.
Im europäischen Vergleich nimmt Deutschland eine Spitzenposition ein. Mit einer Quote von 20,9% liegt die Bundesrepublik deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,5%. Lediglich in fünf nord- beziehungsweise nordosteuropäischen Staaten – Litauen, Finnland, Dänemark, Estland und Schweden – wohnt ein noch größerer Teil der Bevölkerung allein, während der Anteil in der Slowakei mit nur 3% europaweit am niedrigsten ist.
Statistisches Bundesamt, Anteil der Alleinlebenden in Deutschland höher als im EU-Durchschnitt, Juni 2026
https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Bevoelkerung/Alleinlebende.html
Immer mehr lebensältere Beschäftigte am deutschen Arbeitsmarkt
Dem deutschen Arbeitsmarkt steht in den kommenden Jahren ein massiver Umbruch bevor. Bis zum Jahr 2040 erreichen rund 13,3 Mio. das gesetzliche Renteneintrittsalter. Laut Daten des Statistischen Bundesamts auf Basis des Mikrozensus 2025 betrifft dies fast 1/3 (30%) aller Menschen, die dem Arbeitsmarkt zuletzt als Erwerbstätige oder Erwerbslose zur Verfügung standen. Da die nachfolgenden, jüngeren Generationen zahlenmäßig deutlich kleiner sind, können sie diesen Verlust nicht ausgleichen. Zum Vergleich: Während die Altersgruppen der 55- bis 59-Jährigen (5,5 Mio.) und der 60- bis 64-Jährigen (4,5 Mio.) im Jahr 2025 zusammen noch 10 Mio. Erwerbspersonen stellten, erreicht keine der jüngeren Generationen diese Marken.
Um dem drohenden Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, wird verstärkt darüber diskutiert, die Erwerbsbeteiligung älterer Menschen zu erhöhen, dieser Trend zeichnet sich bereits in den vergangenen Jahren ab. Der Anteil der über 55-Jährigen an allen Erwerbspersonen stieg von 20,7% im Jahr 2015 auf fast 27% im Jahr 2025. Diese Entwicklung ist neben der allgemeinen Alterung der Gesellschaft auch auf eine gezielte Aktivierung von Beschäftigten vor dem Ruhestand sowie auf die stufenweise Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zurückzuführen. Sichtbar wird dies auch bei den über 65-Jährigen, deren Anteil an den Erwerbspersonen im selben Zehnjahreszeitraum von 2,5% auf 4,3% zulegte.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/babyboomer-rente-100.html
34% der Studierenden klagen über die Mehrfachbelastung von Arbeit und Studium
Laut des TK-Dossiers 2026 "Wie geht's Deutschlands Studierenden?" der Techniker Krankenkasse (TK) stagniert die mentale Belastung von Studierenden in Deutschland seit der Coronapandemie auf einem anhaltend hohen Niveau.
Für das Dossier wurden im Januar 2026 bundesweit 1.000 Studierende ab 18 Jahren durch das Meinungsforschungsinstitut Forsa befragt. Die Befragung offenbart eine hohe Stressbelastung. Aktuell fühlen sich 41% der Studierenden häufig gestresst. Dies ist zwar ein minimaler Rückgang im Vergleich zu 2023 (44%), liegt aber immer noch drastisch über dem Vor-Pandemie-Wert von 2015, als sich lediglich 23% häufig gestresst fühlten.
Mit diesen Befragungsergebnissen geht auch eine hohe Burnout-Gefährdung einher.
35% der Studierenden weisen eine hohe oder sehr hohe emotionale Erschöpfung auf, welche als Leitsymptom für Burnout gilt. Auch dieser Wert ist im Vergleich zu 2023 (37%) kaum gesunken und liegt deutlich über dem Niveau einer vergleichbaren Studie aus dem Jahr 2017 (24%).
Als Hauptursache für den Stress im Hochschulkontext kristallisieren sich Prüfungen heraus, durch die sich fast die Hälfte der Studierenden (49%) unter Druck gesetzt fühlt. Danach folgen die Doppelbelastung durch Studium und Arbeit (34%), die Angst vor schlechten Noten (28%), zu schwieriger oder umfangreicher Lernstoff (28%) sowie finanzielle Sorgen (24%).
Techniker Krankenkasse, TK-Dossier: Wie geht’s Deutschlands Studierenden? Juni 2026
https://www.tk.de/presse/themen/praevention/gesundheitsstudien/stressbelastung-bei-studierenden-auf-hohem-niveau-2218636
Gesunkene Erwerbstätigenzahlen, höhere Arbeitszeit
Im ersten Quartal 2026 ist die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 160.000 auf 45,64 Mio. Personen gesunken, wie aus der Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervorgeht. Trotz dieses Rückgangs stieg die Stundenproduktivität im Vergleich zum Vorjahresquartal um 0,5%, da weniger Beschäftigte insgesamt mehr arbeiten.
Dabei zeigt sich eine deutliche Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt: Während 270.000 Vollzeitjobs verloren gingen, wurden nur 150.000 neue Teilzeitstellen geschaffen. Dadurch kletterte die Teilzeitquote auf den Rekordwert von 40,1%. Gleichzeitig arbeiten Beschäftigte in Teilzeit immer länger – ihre Wochenarbeitszeit stieg um 0,3 Stunden auf 18,88 Stunden –, während klassische Minijobs weiter zurückgehen. Die Wochenarbeitszeit von Vollzeitbeschäftigten blieb mit 38,15 Stunden nahezu konstant, sodass die durchschnittliche Arbeitszeit aller Arbeitnehmenden bei 30,42 Stunden lag.
Auf das gesamte Quartal gerechnet leistete jeder Erwerbstätige im Schnitt 344,2 Stunden. Das Gesamtarbeitsvolumen sank minimal auf 15,7 Mrd. Stunden. Positiv entwickelten sich zudem die Nebenfaktoren: Der Krankenstand ging im Vorjahresvergleich von 6,5 auf 6,1% zurück, und auch die Zahl der Menschen in Kurzarbeit sank deutlich um 91.000 auf nun 438.000 Personen.
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Arbeitszeitrechnung, Juni 2026
Zahl der Erwerbstätigen nimmt ab, doch ihre Arbeitszeit steigt - IAB - Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
4 von 5 Eltern klagen über mentale Belastung im Alltag
Eine repräsentative Familienstudie der R+V Versicherung aus dem April 2026 zeigt, dass die mentale Belastung (Mental Load) von Familien in Deutschland hoch ist. Demnach fühlen sich vier von fünf Eltern (80%) mit Kindern unter 18 Jahren im Alltag mental belastet, wobei mehr als ein Viertel (27%) diese Belastung sogar als sehr stark empfindet. Besonders betroffen sind kinderreiche Familien und Eltern mit kleinen Kindern. Zu den primären Belastungsfaktoren gehören das Gefühl, ständig an alles denken zu müssen. Dies trifft mit 89% vor allem auf Mütter zu, hinzu kommen Dauerstress, Erschöpfung und ein Mangel an Zeit für sich selbst.
Um diesen Druck abzubauen, nutzen betroffene Eltern vorwiegend persönliche Auszeiten wie Spaziergänge, Musik, Entspannungspausen oder vertraute Gespräche im Familien- und Freundeskreis. Allerdings gibt es laut der Studie auch eine klare Forderung nach struktureller Hilfe: 3/4 der Befragten wünschen sich mehr staatliches Engagement in Schulen und im Gesundheitssystem, und 72% vermissen passgenaue Unterstützungsangebote.
Für die Mental-Load-Studie wurden 1.000 Familien mit Kindern unter 18 befragt.
R+V-Mental Load-Studie, April 2026
https://www.ruv.de/vorsorge/gedankenkreisel/film/familien-unter-dauerdruck
Die, erste branchenübergreifende und repräsentative Studie zu Sexismus in der deutschen Arbeitswelt von der EAF Berlin in Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zeigt, dass Sexismus kein Einzelphänomen, sondern ein strukturelles Problem im Berufsleben darstellt. Demnach haben bereits 63% aller Erwerbstätigen in Deutschland Sexismus im Job erlebt. Besonders betroffen sind Frauen mit 70% sowie genderqueere Personen mit 81%, während die Vorfälle zu 82% mehrheitlich von Männern ausgehen.
Die Erfahrungen bringen gravierende Konsequenzen mit sich: 41% der Betroffenen klagen über emotionale und 31% über psychische Folgen, während jeweils 24% unter körperlichen und sozialen Auswirkungen leiden. Darüber hinaus wirkt sich Sexismus negativ auf die berufliche und finanzielle Situation aus. So berichten 18% von Karrierenachteilen wie Kündigungen, Abteilungswechseln oder ausbleibenden Beförderungen und 13% verzeichnen finanzielle Einbußen.
Trotz dieser Belastungen offenbart die Studie eine sehr geringe Nutzung formeller Beschwerdewege. Lediglich 7% der Befragten wenden sich an ihre direkte Führungskraft, und nur 2% suchen Unterstützung bei internen Anlaufstellen wie dem Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragten oder Beschwerdestellen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
https://www.ruv.de/vorsorge/gedankenkreisel/film/familien-unter-dauerdruck
63% aller Erwerbstätigen waren bereits von Sexismus betroffen
Die Erfahrungen bringen gravierende Konsequenzen mit sich: 41% der Betroffenen klagen über emotionale und 31% über psychische Folgen, während jeweils 24% unter körperlichen und sozialen Auswirkungen leiden. Darüber hinaus wirkt sich Sexismus negativ auf die berufliche und finanzielle Situation aus. So berichten 18% von Karrierenachteilen wie Kündigungen, Abteilungswechseln oder ausbleibenden Beförderungen und 13% verzeichnen finanzielle Einbußen.
Trotz dieser Belastungen offenbart die Studie eine sehr geringe Nutzung formeller Beschwerdewege. Lediglich 7% der Befragten wenden sich an ihre direkte Führungskraft, und nur 2% suchen Unterstützung bei internen Anlaufstellen wie dem Betriebsrat, Gleichstellungsbeauftragten oder Beschwerdestellen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG).
Studie „Sexismus am Arbeitsplatz“, Mai 2026
https://gemeinsam-gegen-sexismus.de/studie-sexismus-arbeitsplatz/
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