Mittwoch, 29. Juli 2026

Vereinbarkeit in Zahlen: Ausblick in Krisenzeiten

Die aktuelle Studienlage zeichnet trübe Aussichten für die Arbeitswelt (Quelle: berufundfamilie Service GmbH)

Psychische Erkrankungen sind der häufigste Krankschreibungsgrund, jede*r Dritte leidet unter gesundheitlichen Beschwerden wegen der Hitze und Studierende blicken pessimistisch auf ihren Berufseinstieg. Zudem zeigen aktuelle Zahlen die Realität von Alleinerziehenden und Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland. Wir haben die wichtigsten Studienergebnisse und Statistiken in unserer Juli-Ausgabe „Vereinbarkeit in Zahlen“ zusammengefasst.




Nahezu jede*r Dritte klagt über gesundheitliche Beschwerden wegen Hitze


Der aktuelle DAK-Hitzereport offenbart: Gesundheitsprobleme durch Hitze sind allgegenwärtig und fast jede*r Dritte klagt über gesundheitliche Beschwerden. Besonders häufig kommen dabei vor: Abgeschlagenheit, Schlafprobleme, Kreislaufbeschwerden und Kopfschmerzen. Weibliche Befragte (40 %) sind dabei doppelt so häufig betroffen wie Männer (21 %).

Hitzebedingte Gesundheitsbeschwerden zeigen sich vermehrt bei den 30- bis 44-Jährigen (35 %) sowie bei Bewohner*innen von Großstädten (38 %), was auf das höhere Temperaturniveau in urbanen Räumen zurückzuführen ist. Am stärksten schlägt sich die Hitzebelastung jedoch bei körperlich fordernden Berufen nieder: 89 % der Beschäftigten in Handwerk, Bauwesen und Produktion sowie 86 % des Pflegepersonals geben entsprechende Beschwerden an.

DAK-Hitzereport 2026, Juli 2026
https://www.dak.de/dak/gesundheit/familie-leben/reisen-freizeit/dak-hitzereport-gesundheitsprobleme_41732



Arbeiten bis zum Renteneintrittsalter für viele Beschäftigte unrealistisch


Durch den DGB-Index „Gute Arbeit“ wird deutlich, dass 4 von 10 Beschäftigten daran zweifeln, dass sie ihren Beruf bis zum Renteneintrittsalter ausüben können. Besonders groß sind die Zweifel im Handwerk, im Baugewerbe sowie in der Pflege. Hier glaubt gerade einmal die Hälfte der Befragten daran, dass sie ihren Job bis zur Rente ausüben werden.

In zahlreichen Berufsfeldern zweifelt die Mehrheit der Beschäftigten daran, das Rentenalter im aktiven Dienst zu erreichen. An der Spitze stehen Fachkräfte aus dem Bereich Sanitär-, Heizungs- und Klempnertechnik mit 72 %, dicht gefolgt von der Krankenpflege mit 71 %. Auch in der Altenpflege (67 %), im Hochbau (66 %) und in den Erziehungsberufen (57 %) blickt ein Großteil der Mitarbeiter skeptisch auf die eigene berufliche Zukunft.

DGB-Index „Gute Arbeit“, Durchhalten bis zur Rente? Eine Frage der Arbeitsbedingungen, Juni 2026
https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++6f8c36b8-747b-11f1-8ebc-b792cdc69622




7,8 Mio. Menschen in Deutschland haben eine Schwerbehinderung


Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts haben 7,8 Mio. Menschen (9,4 %) hierzulande eine Schwerbehinderung. 49,9 % der Schwerbehinderten waren Männer, 50,1 % Frauen.
Behinderungen bestehen selten seit der Geburt oder im Kindesalter (nur bei rund 3 %), sondern entstehen meist erst im fortgeschrittenen Alter. So war gut ein Drittel (34 % oder 2,7 Millionen) der schwerbehinderten Menschen zum Jahresende 2025 im Alter ab 75 Jahren. Etwas weniger als die Hälfte (45 %) der Schwerbehinderten ist zwischen 55 und 74 Jahren alt. 3 % der Schwerbehinderten sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren.

Fast alle schweren Behinderungen entstehen im Laufe des Lebens durch Krankheiten – das betrifft mehr als 91 % der Fälle. Nur bei rund 3 % ist die Behinderung angeboren oder im Babyalter aufgetreten, und nur etwa 1 % lässt sich auf Unfälle oder Berufskrankheiten zurückführen. Die übrigen Gründe machen zusammen gut 4 % aus.

Mehr als die Hälfte aller schwerbehinderten Menschen (57 %) lebt mit einer körperlichen Beeinträchtigung. Das betrifft vor allem innere Organe (27 %), die Beweglichkeit von Armen und Beinen (10 %) oder Probleme an Rumpf und Wirbelsäule (9 %). Blindheit und Sehbehinderungen (4 %), Einschränkungen beim Hören, Sprechen oder dem Gleichgewicht (4 %) sowie der Verlust von Brustgewebe (2 %) kommen seltener vor. Eine geistige oder seelische Behinderung betrifft 16 % der Menschen, während bei 9 % zerebrale Störungen vorliegen. Bei den restlichen 19 % ist die genaue Hauptursache nicht näher dokumentiert.
Auch der Schweregrad unterscheidet sich: Etwas mehr als jede*r Fünfte (21 %) hat den maximalen Behinderungsgrad von 100. Der mit 36 % größte Anteil der Betroffenen weist einen Grad von 50 auf.

Statistisches Bundesamt, 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen leben in Deutschland, Juli 2026
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_246_227.html




Studierende zeigen sich pessimistisch in Sachen Berufseinstieg


Die EY-Studierendenstudie, eine Befragung unter mehr als 2.000 Studierenden, zeigt, wie wenig Zuversicht zurzeit unter den Studierenden herrscht. Lediglich 39 % der Befragten glauben noch, dass sie nach dem Abschluss zügig eine passende Stelle finden (ein deutliches Minus von 15 Prozentpunkten im Vergleich zu 2024).

Während in der Medizin (50 %) und den Rechtswissenschaften (49 %) die Hoffnungen vergleichsweise hoch sind, blicken Studierende der Naturwissenschaften (29 %) am skeptischsten in die berufliche Zukunft. Die Befragung der Studierenden zeigt zudem, dass nicht mehr das Gehalt (43 %) der wichtigste Faktor bei der Arbeitgeberwahl ist, sondern ein sicherer Arbeitsplatz (52 %). Frauen ist dies tendenziell etwas wichtiger als Männern.

Fast die Hälfte (45 %) rechnet mit einer Verschlechterung der Wirtschaftslage in Deutschland; nur 13 % erwarten einen Aufschwung. Studentinnen (53 % Pessimismus) blicken deutlich besorgter in die Zukunft als ihre männlichen Kommilitonen (38 %).

Trotz der weltpolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten zeigt sich der Großteil (80 %) mit der eigenen aktuellen Situation zufrieden. An erster Stelle stehen für die Befragten das familiäre Umfeld (81 %) und Freundschaften (65 %). Der berufliche Aufstieg ist für gut die Hälfte (52 %) von Bedeutung.

EY-Studierendenstudie 2026
https://www.ey.com/de_de/newsroom/2026/06/ey-studierendenstudie-2026-werte-ziele-perspektiven





Psychische Erkrankungen häufigster Krankschreibungsgrund



Die Krankenstandsanalyse der DAK-Gesundheit zeigt deutlich, dass psychische Erkrankungen weiterhin auf dem Vormarsch sind. Aus den Daten von ca. 2,2 Mio. erwerbstätigen Versicherten lässt sich ablesen, dass psychische Erkrankungen Atemwegserkrankungen als Krankschreibungsgrund Nr. 1 abgelöst haben. Atemwegserkrankungen gingen um 21 % stark zurück. Psychische Erkrankungen stiegen hingegen um 9 %. Auf Platz 3 folgen wie im Vorjahr Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Bei jüngeren Beschäftigten (unter 55 Jahren, besonders stark bei den 15- bis 24-Jährigen) sank der Krankenstand deutlich. Bei den über 60-Jährigen stieg der Krankenstand hingegen um 0,3 Prozentpunkte. Hier gab es zwar insgesamt weniger Fälle, aber die Dauer der Erkrankungen war länger. Die durchschnittliche Fehlzeit pro Krankschreibung stieg leicht von 9,5 Tagen (1. Halbjahr 2025) auf 9,7 Tage.

DAK Gesundheitsreport, Juli 2026
https://www.dak.de/presse/bundesthemen/gesundheitsreport/krankenstand-im-ersten-halbjahr-2026-leicht-gesunken_223354



Fast jede fünfte Familie besteht aus Alleinerziehenden und ihren Kindern



Rund um die Debatte zur möglichen Streichung des Unterhaltsvorschusses für Kinder ab 16 Jahren veröffentlichte das Statistische Bundesamt neue Zahlen zur Situation der Alleinerziehenden in Deutschland. 2025 waren insgesamt 1,62 Mio. Personen in Deutschland alleinerziehend mit minderjährigen Kindern. Das ist fast jede fünfte Familie mit Kindern unter 18 Jahren. Insgesamt lebten 2,36 Mio. Kinder unter 18 Jahren mit nur einem Elternteil zusammen – das entspricht 16,8 % aller Minderjährigen in Deutschland.

Immer noch ist die Mehrheit der Alleinerziehenden weiblich (84,4 %); bei den alleinerziehenden Vätern gab es jedoch einen Anstieg von 11,1 % im Jahr 2015 auf 15,6 % im Jahr 2025. Mit Blick auf die Diskussion zum Unterhaltsvorschuss sind 21,2 % aller Alleinerziehenden betroffen.

Blickt man auf die Erwerbstätigenquote, lag diese bei den Alleinerziehenden bei 71,8 %. Alleinerziehende Mütter sind dabei häufiger in Vollzeit tätig als Mütter in einer Partnerschaft. Alleinerziehende Väter arbeiteten dagegen seltener in Vollzeit als Väter in Paarbeziehungen.

Alleinerziehende sind überdurchschnittlich stark von Armut bedroht: 28,9 % lagen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze. Die Armutsgefährdungsquote ist damit mehr als doppelt so hoch wie bei Paaren mit Kindern (12,0 %) und liegt deutlich über dem Gesamtdurchschnitt aller Haushalte (16,1 %).

Statistisches Bundesamt, 1,62 Millionen Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern leben in Deutschland, Juli 2026https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N051_12.html

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