Mittwoch, 30. Juni 2021

Vereinbarkeit in Zahlen: Hybrides Arbeiten als Zukunftsmodell

Stichwörter zur Arbeitswelt (©berufundfamilie Service GmbH)

Attraktive Arbeitgeber sind erfolgreicher, 63 % wünschen sich auch nach Corona Arbeitszeitflexibilität. Hybride Arbeitsmodelle werden künftig erwartet und jeder zweite Beschäftigte möchte Home-Office beibehalten. Mehr zu Studien aus der Arbeitswelt hier in unserer Blogreihe „Vereinbarkeit in Zahlen“.

 

Attraktive Arbeitgeber haben mehr Erfolg 

 

Eine Trendstudie der Universität St. Gallen mit rund 8300 Befragten aus 53 deutschen Unternehmen zeigt, dass Unternehmen, die von ihren Beschäftigten als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden, wirtschaftlich erfolgreicher sind. Das Unternehmenswachstum attraktiver Arbeitgeber ist um 28 % höher – im Vergleich zu als unattraktiv wahrgenommenen Arbeitgebern. Die Innovationskraft liegt um 24 % und die Unternehmensleistung immerhin noch um 19 % höher. Hauptgrund für diese Unterschiede ist die höhere Produktivität der Mitarbeitenden. Bei attraktiven Arbeitgebern ist diese um 23 % höher.

Die Mitarbeitendenbindung ist bei als attraktiv gesehenen Unternehmen höher. Der wichtigste Faktor für Arbeitgeberattraktivität ist laut der Studie eine moderne Unternehmenskultur mit flexiblen Arbeitsstrukturen. Darüber hinaus spielen Vertrauen und die Möglichkeit aktiv an Innovationen und Unternehmensentwicklung mitzuwirken, eine entscheidende Rolle für die Arbeitgeberattraktivität eines Unternehmens. Es zeigen sich auch Unterschiede in Bezug auf die Faktoren zwischen den Generationen. Für die Generation X sind Vertrauen und Freiraum für Führung besonders wichtig, Für die Generation Y ist das interne Unternehmertum besonders relevant und die Generation Z braucht ein produktives Umfeld.

Universität St. Gallen & zeag GmbH, Top-Job Trendstudie, Mai 2021
https://www.managerseminare.de/ms_Artikel/Arbeitgeberattraktivitaet-Beliebte-Unternehmen-sind-erfolgreicher,281798
https://www.topjob.de/wissenswertes/detail/trendstudie-arbeitgeberattraktivitaet/



Erwerbstätigkeit und Homeschooling als Belastungsprobe für die Vereinbarkeit


Eine Online-Befragung der Universität Bielefeld gemeinsam mit der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Evangelischen Klinikum Bethel unter 517 Eltern zeigt: Erwerbstätigkeit und Homeschooling gleichzeitig haben negative Auswirkungen auf das allgemeine Wohlbefinden und die Zufriedenheit der Eltern.

Insbesondere Eltern jüngerer Kinder sind besonders stark belastet. Vor allem Kinder im Grundschulalter hätten im Homeschooling Verständnis-, Konzentrations- und Motivationsprobleme. Dies führt dazu, dass mehr als die Hälfte der Grundschüler*innen von den Eltern beim Lernen motiviert werden müssen. Dies nehmen die Befragten als sehr herausfordernd wahr - mit der Folge, dass mehr als die Hälfte der befragten Mütter* und Väter* dieser Kinder gereizt auf Rückfragen seitens der Kinder reagieren. Durch das Homeschooling sinkt die Zufriedenheit der Eltern. 60 % der Familien mit Grundschulkindern streiten sich dadurch häufiger.

Universität Bielefeld & Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie: Familien in der Corona-Pandemie: Wie hoch ist die Belastung durch „Homeschooling“ , Juni 2021
https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/homeschooling-belastung-eltern-studie-bielefeld-100.html


Deutsche Büroangestellte sehen Optimierungsbedarf

 

In der Uipath- Studie „Office Worker Survey 2021“ wurden im März 2021 4500 Büroangestellte in verschiedenen Ländern befragt, 500 davon in Deutschland. Die Befragten gaben Auskunft darüber, wie sich ihre Arbeit im letzten Jahr verändert hat, welche Auswirkungen Weiterbildungsmöglichkeiten auf die Einstellungen der Beschäftigten zum Job haben und welche Fähigkeiten sie sich wünschen, um beruflich voranzukommen. 

Ein wesentliches Ergebnis der Studie: Die deutschen Befragten schätzen, dass sie 3,5 Stunden ihrer Arbeitszeit für Aufgaben aufwenden, die ihrer Ansicht nach automatisierbar wären. Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass ihre Arbeit zudem hauptsächlich aus sich wiederholenden Aufgaben bestehe. Diese Aufgaben entpuppen sich als Arbeitszeitfresser und 40% geben an, dass sie wegen dieser Aufgaben Kund*innen nicht umfassend betreuen könnten. 50% der deutschen Büroangestellten fehlt es zudem an Zeit, neue Aufgaben in den täglichen Arbeitsablauf zu integrieren. 52% wünschen sich daher eine teilweise Automatisierung ihrer Arbeit. Automatisierung wird insbesondere in der Dateneingabe (59%), Terminierung von Anrufen und Meetings (53%), sowie bei E-Mails (43%) gewünscht.

2/3 der Befragten ist zu dem äußerst interessiert an maschinellem Lernen und künstlicher Intelligenz. Die Studie zeigt auch, dass eine Automatisierung von Prozessen immer mehr von den Arbeitgebern vorangetrieben wird. 39% der deutschen Büroangestellten gibt an, dass ihr Arbeitgeber verstärkt in die Automatisierung investiere. Für besonders wichtig halten die Befragten dabei Mitarbeitendenschulungen zur Automatisierung von Prozessen. ¼ hat im vergangenen Jahr solche Schulungen erhalten. 77% half es dabei, ihre Arbeitsleistung zu steigern. 50% der Befragten halten diese Kenntnisse für entscheidend bei der beruflichen Entwicklung. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass 45% der deutschen Befragten damit rechnen, dass ihr Job sich in den nächste 10 Jahren verändern wird.

62% glauben daher auch durch entsprechende Weiterbildungen eine höhere Arbeitsplatzsicherheit zu erreichen. 67 % nutzen das Home-Office zur Weiterbildung. Generell sind Weiterbildung den deutschen Befragten sehr wichtig. 72% von ihnen würden eher in Unternehmen arbeiten, dass ihnen solche Weiterbildungen bietet. 83% finden zudem, dass es die Mitarbeitendenbindung erhöht, wenn der Arbeitgeber in die technischen Fähigkeiten seiner Arbeitgeber investiert. 

Uipath- Studie, Office Worker Survey 2021, Juni 2021
https://www.cebra.biz/news/praxis/24-06-2021-dreieinhalb-stunde-arbeitszeit-woechentlich-verschwendet/


69% der Büroarbeiter*innen möchten künftig hybrid oder komplette remote arbeiten

 
Eine Online-Befragung von Slack und Statista unter 1000 Berufstätigen in Deutschland in Voll- oder Teilzeit, die täglich am Computer arbeiten, zeigt: 69% der Befragten möchten hybrid oder komplett remote arbeiten. Grund hierfür: die zeitliche Flexibilität. Besonders Beschäftigten, die Angehörige betreuen, ist asynchrones Arbeiten wichtig (64%). Führungskräfte arbeiten öfter hybrid (67%). Bei den Angestellten sind es dagegen 57%. Die Studie zeigt auch: Zufriedenheit im Job hängt im Wesentlichen von Klarheit (82%) und Anerkennung (81%) ab.
In Bezug auf effiziente Zusammenarbeit remote zeigt sich: Lediglich 47% denken, dass flexible Arbeitsmodelle zu einer effizienteren Zusammenarbeit führen. Als wichtigste Faktoren für effizientes Arbeiten werden der schnelle Datenzugriff (85%), schnelle Entscheidungswege (83%) und relevante Kommunikation (81%) genannt.

Slack/Statista, Online-Befragung unter 1.000 Berufstätigen in Deutschland, Mai 2021
https://www.funkschau.de/office-kommunikation/bye-bye-buero.187525.html



Hybride Arbeitsmodelle nach Corona von Beschäftigten erwartet


In einer FOM-Berufstätigenbefragung unter 1674 berufsbegleitenden Studierenden zeigt sich, dass 24% der Befragten Einkommensverluste durch Corona erlitten haben. Der Anteil derjenigen, die sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen liegt dagegen lediglich bei 4%. Beim Home-Office zeigt sich zudem eine deutliche Steigerung.Vor der Coronapandemie (2019) verbrachten die Befragten durchschnittlich 6 % ihrer Arbeitszeit im Home-Office. 2020 lag der Anteil bei 50 %.

Nach Corona erwarten die Befragten hybride Arbeitsmodelle. Sie rechnen damit, dass sie 35% ihrer Arbeitszeit im Home-Office verbringen werden. Dies entspricht bei einer 5-Tage Woche knapp 2 Arbeitstage.
Die Befragten gehen zudem davon aus, dass die Zahl beruflicher Übernachtungen nach der Coronapandemie um 8% im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 ansteigen werden.

FOM Hochschule, FOM Berufstätigenbefragung 2021, Mai 2021
https://www.fom.de/2021/mai/fom-befragung-2021-beschaeftigte-wollen-nach-corona-zurueck-in-betriebe.html




63 % für Arbeitszeitflexibilität auch nach Corona


Corona
hat die Arbeitswelt verändert und im Besonderen die Arbeitszeit. Dies zeigt der Meinungsmonitor von managerSeminare „Krisenzeit-Zeitkrise?“, an dem 89 Leser*innen teilnahmen. 31% der Befragten geben an, dass sie durch Corona das Gefühl haben, mehr Zeit zu haben. 27% denken, dass sie weniger Zeit haben und für 20% hat sich nichts geändert. Immerhin 17% der Befragten geben an, dass sie ihr Zeitgefühl verloren haben. 

Corona hat auch Auswirkungen auf das Arbeit-Zeit-Verhältnis. 32% der Befragten äußern, dass Arbeit und Freizeit nun durchmischter seien und ineinander übergingen. Weitere 32% geben an, dass sie seit Corona mehr im Home-Office arbeiten als vorher. 63% der Befragten wünschen sich, dass die höhere Arbeitszeitflexibilität beibehalten wird. 29% wünschen sich sogar eine noch individuellere Arbeitszeitgestaltung. 

Der Großteil der Leser*innen (49%) möchte, dass die Arbeitszeit nach Corona flexibel bleibt, es aber eine feste Wochenarbeitszeit gibt. 39 % sind für eine flexible Einteilung der Arbeitszeit mit festgelegten Arbeitsoutput.
Die Krisenzeit führt bei den Befragten auch zu Learnings. So sind 56% der Meinung, dass Arbeitszeit kein sinnvolles Bewertungskriterium für Leistung und Löhne sei. Jeweils 52% der Leser*innen finden, dass ein bisschen Flexibilität mehr nutzt als schadet. Ebenfalls 52% der Umfrageteilnehmer*innen finden, dass die Arbeitszeit sich mehr nach dem Biorhythmus und der persönlichen Situation richten sollte. 69 % der Leser*innen glauben ihr Unternehmen wird die Arbeitszeit auch zukünftig flexibler handhaben.

ManagerSeminare, MeinungsMonitor Krisenzeit – Zeitkrise?, Mai 2021
https://www.managerseminare.de/managerSeminare/Umfrage/Krisenzeit-Zeitkrise,281107



Jeder zweite Beschäftigte möchte Home-Office beibehalten


Eine repräsentative Umfrage der Krankenkasse DAK Gesundheit mit 1.000 Befragten in Hessen offenbart: 58 % der Befragten können sich vorstellen, zukünftig die Hälfte ihrer Arbeitszeit im Home-Office zu arbeiten.

88 % der Befragten finden, dass sich im Home-Office dafür geeignete Aufgaben genauso gut erledigen lassen wie auf der Arbeitsstätte. 60 % fanden, dass sie produktiver im Home-Office seien und empfanden die Arbeit als angenehmer als im Büro. Insbesondere den Wegfall des Wegs zur Arbeit schätzen 79 % der Befragten.

86 % betonten, dass sie durch das Home-Office eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie schaffen. 70 % der Befragten äußerten, dass sich Aufgaben gezielter über den Tag verteilen ließen, Allerdings gaben 39 % der Mitarbeitenden mit Kindern unter 18 an, sie seien im Home-Office häufig abgelenkt.

DAK Gesundheit, Home-Office Studie, Juni 2021
https://www.zeit.de/news/2021-06/29/studie-jeder-zweite-mitarbeiter-will-homeoffice-beibehalten?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

 

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